Beruf & Karriere

Fressnapf, McDonald’s & Co.: In Deutschland gibt es mehr als 800 Franchise-Systeme. (Foto: dpa/Sascha Steinach)

23.10.2020

Selbstständig, aber nicht allein

Franchise-Konzepte können gerade in Krisenzeiten ein guter Weg in die berufliche Unabhängigkeit sein

Der Vorgesetzte mosert, die Kolleg*innen nerven und der Kunde beschwert sich – vielen ist in solchen Momenten sicherlich bereits der Gedanke gekommen, eine eigene Firma zu gründen. Doch die wenigsten wagen letztlich tatsächlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Zu groß sind die Ungewissheit sowie Angst vor dem Scheitern und den Konsequenzen für sich und die Familie. Eine Möglichkeit stellt dabei das Franchise-Konzept dar. „Als Franchisenehmer durchzustarten bietet einige Vorteile, ist aber nicht für jeden Unternehmertyp geeignet. Wer den Schritt wagt, sollte sich daher im Vorfeld genauestens überlegen, womit, wann und wie er in den Franchisemarkt eintritt“, erklärt Gründungsexperte Mike Warmeling.

Sein eigener Boss sein, Verantwortung tragen, unabhängig arbeiten – so stellen sich viele Gründerinnen und Gründer das Leben als Selbstständige vor. Auf der anderen Seite stehen Unsicherheit, ungeregelte Arbeitszeiten und Tausende Fragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Bin ich dafür geeignet? In welcher Branche sollte ich Fuß fassen? Wie geht Gründen überhaupt? Auch Termindruck und lange Arbeitstage gehören für Menschen, die sich entscheiden zu gründen, besonders zu Beginn oftmals dazu. Hinzu kommt, dass gerade in der kritischen Anfangsphase die finanziellen Mittel fehlen, um im Zweifel bestimmte Aufgaben an Experten auszulagern. Dabei stehen Gründungswilligen zunächst drei verschiedene Wege offen. Entweder neu zu gründen, ein Unternehmen durch Ausscheiden des Firmenboss’ zu übernehmen oder ein Franchise zu eröffnen. „Wer dabei nicht gerade in seinem Umfeld jemanden kennt, der ein Unternehmen abgeben möchte oder eine geniale Idee für ein Business ausheckt und dennoch das Ziel hat, sein eigener Chef zu sein, für den stellt Franchise eine ideale Lösung dar“, so Warmeling.

Franchise-Systeme sind besonders in der Startphase wesentlich risikoärmer

Dabei müssen sich potenzielle Unternehmen zunächst die Frage stellen, wie risikobereit sie sich selbst einschätzen. So stellt sich der Eintritt in ein Franchise-System besonders in der Startphase als wesentlich risikoärmer heraus, da Franchise-Nehmer Unterstützung von den Partnern bei ihren zahlreichen Fragen und Unsicherheiten erhalten, deren Interesse ebenfalls darin besteht, das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Darüber hinaus gelten Unternehmenskonzept und Marketingstrategien ebenso wie der Markenname bereits als erprobt. Gleichzeitig kann das je nach Franchise-Geber bedeuten, dass strikte Vorgaben und Richtlinien eingehalten werden müssen. Eigene Ideen umzusetzen stellt sich in manchen Fällen als schwierig heraus. „Wer dieses Konzept in Betracht zieht, sollte sich überlegen, in welchem Maße er dazu bereit ist, den vorgegebenen Normen zu entsprechen und wie strikt die Regeln des Unternehmens sind“, erklärt Warmeling.

Ein weiterer wichtiger Faktor, den es vorab zu bedenken gilt, ist die Finanzplanung. Wer sich selbstständig macht, sollte nicht nur in Krisenzeiten eine solide Rücklage vorweisen können. Dabei empfiehlt es sich für potenzielle Unternehmer, einmal das Worst-Case-Szenario durchzuspielen, um auf etwaige Schwierigkeiten vorbereitet zu sein. Bei Franchise-Konzepten bleibt das Risiko eher überschaubar. Hier stehen dem Franchise-Nehmer in der Regel zahlreiche Schulungsunterlagen und Partner zur Seite, die sich mit Themen wie Fördergeldern, Steuern oder bürokratischen Anträgen beschäftigen.

Eine der womöglich größten Hürden stellt der ideale Zeitpunkt für den Schritt in die Selbstständigkeit dar. Manche Menschen tragen diesen Wunsch ein Leben lang mit sich herum, ohne den vermeintlich richtigen Moment gefunden zu haben. Warmeling weiß: „Vor allem aufgrund der aktuellen Situation platzt für viele Gründer der Traum vom eigenen Business. Dabei bieten Krisen auch immer die Chance für einen Neuanfang.“ Schließlich hängt es stark von dem wirtschaftlichen Bereich ab, in dem der Unternehmer durchstarten will. Während die Situation für Gastronomen aktuell eher schwierig ist, boomen viele Produkte oder Programme, die online vertrieben und genutzt werden können. (Silvia Renz)

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