Reisen

Klausentreiben in Sonthofen. (Foto: by.TM)

26.11.2019

Alte Bräuche und Traditionen

Wintererlebnisse in Bayern: Klausentreiben, Perchtenläude und Lebkuchen

Lange Zotteln, mächtige Hörner und eine flinke Rute: Im Advent wird es in Sonthofen wild – die Klausen gehen um. In Dachsbach backt Freibäcker Arnd Erbel in eines der ältesten Backstuben Deutschlands aus Mandeln, Honig und Gewürzen aromatische Lebkuchen. Besonders eindrucksvoll ist eine Winterwanderung durch die Partnachklamm. Die gruseligen Krampusmasken rufen während der Rauhnächte oder der Perchtenläufe schnell Gänsehaut hervor.

Traditionell machen riesige, schauderhafte Wesen mit zotteligem Fell und großen Hörnern am 5. und 6. Dezember Sonthofen im Allgäu unsicher. Von Kopf bis Fuß mit Fell bedeckt ziehen die Klausen mit ihren Kuhglocken, Rasseln, imposanten Hörnern sowie Ruten durch die Fußgängerzone und vertreiben mit ihrem furchterregenden Äußeren die Geister und Dämonen des Winters aus der Stadt. Wagemutige Besucher können das Spektakel hautnah miterleben, aber wer den Klausen zu nahe kommt, riskiert unangenehme Rutenhiebe. Drei Oberklausen achten darauf, dass die Klausen nicht über die Stränge schlagen.

Die jungen Männer, die sich jedes Jahr mit ihren zotteligen Fellen den Dämonen stellen, sind zwischen sechzehn und sehsundzwanzig Jahren alt, unverheiratet und Vereinsmitglieder. Das sind die Grundvoraussetzungen, um mitmachen zu dürfen. Doch auch Frauen lassen es sich nicht nehmen, die bösen Geister zu verjagen. Verkleidet als Hexen, ziehen die sogenannten Bärbele am vierten Dezember durch die abgesperrte Fußgängerzone von Sonthofen – am fünften und sechsten Dezember übernehmen die Klausen das Kommando.

Von Rauhnächten über Hexentänze bis hin zu Perchtenläufen: Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, ziehen Teufelsknechte und Weibsdeifl durch die Region um Neunburg vorm Wald. Sie rasseln mit Ketten und klackern mit Hufschuhen. Schaurige Krampusmasken bedecken ihre Gesichter. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Gesichtsverkleidung wirkt, ist aufwendige und detailreiche Schnitzkunst – das alte Handwerk der Maskenschnitzer. Timm Buckley ist in seiner Freizeit nun schon in der 14. Saison als furchteinflößender Krampus unterwegs. Fast genauso lange verfeinert er seine Kenntnisse rund um die Maskenrestauration und -herstellung. Mit seinen Kreationen führt Timm Buckley eine alte Tradition fort und lässt gleichzeitig moderne und innovative Ideen in seine Arbeit mit einfließen. Die Rauhnächte beginnen zum Thomafest am 21. Dezember und gehen bis zum 06. Januar. Der Brauch erinnert daran, dass man in den längsten Nächten des Jahres dem üblen Treiben der bösen Geister Einhalt gebieten wollte, indem man die Wohnräume und Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert hat.

Von den steilen Felswänden ragen meterlange Eiszapfen. Aus dem Fels quellen glasklare Eisschichten. Zwischen eisbedeckten Felsbrocken und bizarren Eisskulpturen tobt die eisige Partnach. „Eine so schöne, wilde und abwechslungsreiche Natur finden Sie sonst nirgends auf 699 Meter Länge“, sagt Klammverwalter Rudolf Achtner. Er kümmert sich darum, dass sich Gäste sicher durch die über 80 Meter tiefe Schlucht bewegen können. Die Klamm ist zu jeder Tages- und Jahreszeit und bei jedem Wetter anders und im Winter ein ganz besonderes Erlebnis. Wer besonders viel Ausdauer mitbringt, kann eine Wanderung in den vielen schönen Gebieten rund um die Klamm anschließen.

Bereits in den frühen Morgenstunden strömen Aromen von Lebkuchen, Schokolade und Gewürzen durch die Straßen von Dachsbach. Der Duft führt zur Backstube Erbel – einer der ältesten Backstuben Deutschlands. Hier bereiten die Mitarbeiter und - 3 - Auszubildenden das Gebäck für den Tag vor. Allen voran Bäckermeister Arnd Erbel: In zwölfter Generation führt er den im Jahre 1680 gegründeten Familienbetrieb. Viele seiner Backwaren haben in Bayern Tradition – wie die Lebkuchen, die er in der Adventszeit nach bewährtem Rezept backt. Für Arnd Erbel ist seine tägliche Arbeit weitaus mehr als ein Beruf. Das zeigt sich bereits bei der Auswahl der Zutaten: Statt sein Mehl liefern zu lassen, geht er selbst mit aufs Feld und nimmt das Korn, das ihm zur Verfügung steht und verzichtet auf standardisiertes Mehl. Er ist Freibäcker – als einziger darf er diesen Titel in Deutschland führen. Das bedeutet, er setzt eigene Maßstäbe und ist unabhängig. Frei von Zutatenlisten mit Zusatzstoffen – Arnd Erbel folgt rein seiner Intuition und seinen Sinnen. Selbst bei der Zubereitung verzichtet er in seiner Backstube auf moderne Maschinen. Und so erleben die Besucher in seiner traditionellen Bäckerei eine kleine Zeitreise. Eine Reise der Liebe zum Produkt mit höchstem kulinarischem Anspruch und unwiderstehlichen Aromen. (BSZ)

(Die Partnachklamm im Winter - Foto: by.TM)

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