Reisen

Windmühlen auf dem Hügel bei Consuegra. (Foto: Gabi Dräger)

09.10.2019

Auf den Spuren Don Quijotes in der La Mancha

Consuegra, Puerto Lápice und Almagro: Hier ist Spanien noch so richtig spanisch

Elf weiße Windmühlen aus dem 16. Jahrhundert stehen auf dem Hügel bei Consuegra, im Zentrum Spaniens. Hier hat man das Gefühl, gleich kommt Don Quijote auf seiner Rosinante mit Sancho Panza auf seinem Esel vorbei. Don Quijote kämpfte gegen die Windmühlen, die ihm als Riesen erschienen, das ist die bekannteste Episode des Romans Don Quijote von der Mancha von Miguel de Cervantes. Der Ritterroman ist nach der Bibel das wohl meistverkaufte Buch in der Welt. In zwei der Mühlen wird heute noch Getreide und Safran gemahlen. Der Müller, der dieses alte Handwerk noch beherrscht, ist die Seele der Mühle.

Im Schatten einer Windmühle steht ein gedeckter Tisch. Manchego in verschiedenen Reifezeiten wird mit Oliven, Brot und Wein serviert. Ein paar Schritte weiter steht die Burg Castillo de Muela. Vier klotzige Türme überragen die massive Anlage mit einer doppelten Ringmauer. Die Burg sieht uneinnehmbar aus, doch im Spanischen Befreiungskrieg wurde sie 1813 zerstört. Seit 1985 wird sie renoviert und bietet einen herrlichen Panoramablick über die Landschaft.

Das Restaurant La Venta de Don Quijote in Puerto Lápice war eine Posada, in der man früher Pferde wechselte und man essen, trinken und übernachten konnte. Don Quijote soll hier in einem Wirtshaus, das er für einen Adelspalast hielt, vom Wirt zum Ritter geschlagen worden sein. In der Nacht kämpfte er auch noch gegen Weinschläuche, die er für Schurken hielt.

Die Küche im Restaurant ist bodenständig. Als erstes wird ein Eintopf mit Spiegelei serviert, dann folgen Migas del Pastor, die man mit Weintrauben isst. Migas ist ein traditionelles Gericht der Hirten und Bauern. Wenn das Brot hart wurde, wurde es klein geschnitten, mit Öl getränkt und in der Pfanne gebraten bis es weich war. Lammkottelets sind der Hauptgang und als Abschluss folgt ein café solo – ein Espresso und natürlich auch ein Nachtisch, ein hausgemachter Flan – ein Karamellpudding. Zum Restaurant gehört auch ein Don Quijote-Museum, ebenso ein Souvenirgeschäft und der Innenhof ist mit Don Quijote-Skulpturen geschmückt – so ist man immer auf der Spur von Don Quijote.

Von der sehr schlichten Fassade des Hotels La Casa del Rector in Almagro ist man ziemlich enttäuscht, doch sobald man den Innenhof betritt, begeistert der Charme der historischen Gebäude. Penélope Cruz hat hier übernachtet, als sie die Hauptrolle in dem Film Volver spielte. Pedro Almodóvar ließ einige Filmszenen in einer Gasse und in verschiedenen Wohnungen in Almagro drehen. Viele Einheimische konnten bei den Dreharbeiten als Statisten mitwirken.

Almagro ist klein, aber die wichtigste Theaterstadt Spaniens. Das National Theater Museum zeigt die Theatergeschichte Spaniens mit Kostümen, Bühnenmodellen, Fotos, Gemälden und Programmen. Das Theaterfestival, das jedes Jahr im Juli drei Wochen lang stattfindet, ist das wichtigste klassische Theaterfestival Spaniens und bei Theaterleuten international bekannt. An 16 historischen Schauplätzen finden Aufführungen statt.

Das absolute Juwel in Almagro ist das Barock-Theater Corral de Comedias aus dem 17. Jahrhundert. Es war eingemauert und wurde 1950 bei Bauarbeiten wiederentdeckt. So ist es heute das noch einzige erhaltene Theater aus jener Zeit, das noch bespielt wird. Wie damals wird heute noch in der Pause Met ausgegeben – Wasser mit Honig und Gewürzen. Der Adel und die wohlhabenden Bürger saßen damals, mit Gittern vor Blicken geschützt, in den Galerien in den Längsseiten. Frauen mussten, von Männern getrennt, hinten an der Stirnseite in einer kleinen Abteilung stehen.

Die Plaza Mayor ist im Sommer mittags in der flirrenden Hitze ziemlich leer. Im Schatten kann man in einem Café einen „café solo con hielo“ – einen Espresso mit Wassereiswürfeln – trinken, das erfrischt und bringt Energien zurück. Fächer in allen Farben und Spezialitäten der Region werden in kleinen Geschäften unter den Arkaden verkauft. In einem Geschäft werden geklöppelte Spitzen angeboten. Dieses traditionelle und jahrhundertealte Handarbeitskunst wird von den Müttern an ihre Töchter weitergegeben.

Essen im Dunkeln

Das feudale Fuggerhaus „Almacén de los Fúcares in Almagro“ war Lagerhaus und Büro. Die Fugger aus Augsburg handelten in Almagro hauptsächlich mit Quecksilber. Sie hatten die Lizenz für hiesigen Quecksilberminen.

In einer Gasse stehen Erwachsene und Kinder Schlange vor einem Restaurant. Sie tragen alle eine Augenklappe, die allerdings bis zum Haaransatz zurückgeschoben ist, denn sie stehen für ein Essen im Dunkeln an. Beim Eintreten in das Restaurant müssen sie die Augenklappe über die Augen ziehen.
Das Restaurant El Corregidor befindet sich in einem Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Der begrünte Innenhof bietet ein wunderbares Ambiente für das Menü. Die Speisekarte spiegelt die traditionellen Gerichte der La Mancha wider. Typisch sind eingelegte Auberginen, gefüllt mit Paprika sowie mit Knoblauch und Pfeffer gewürzt. Zum Hauptgang gibt es Spanferkel nach Art des Chefs, das perfekt gegrillt ist. Der Nachtisch ist ein Panacotta mit Zimt.

Die rechteckige Plaza Mayor in Almagro ist von Arkaden auf Säulen umgeben. Markant sind die grün-weiß gestrichenen Fachwerkfenster der Häuser, die den Platz umgeben. An einer Stirnseite steht das Rathaus und an die andere Seite grenzt ein kleiner Park mit dem Reiterstandbild von Don Diego de Almagro. Er war der Eroberer von Perú, Chile und der erste Europäer, der in Bolivien landete. Restaurants, Cafés, Tapasbars und Bars reihen sich unter den Arkaden aneinander. Der gesamte Platz wird von Tischen und Stühlen umrahmt, die am Abend fast alle besetzt sind, denn am Abend ist die Plaza Mayor die größte Theaterbühne der Stadt. Man kommt, um zu sehen und gesehen zu werden, um Informationen auszutauschen und zu essen und zu trinken. (Gabi Dräger)

(Eine von vielen on Quijote-Figuren und geklöppelte Spitzen - Fotos: Gabi Dräger)

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