Reisen

Bridge Walking: Rund 60 Meter über dem Kleinen Belt. (Foto: Friedrich H. Hettler)

12.06.2018

Bridge Walking und Schlachtengetümmel

Entdeckungstour entlang des neuen Ostseeradwegs N8 in Dänemark

Pünktlich zur Zweirad- und Urlaubssaison hat das Königreich Dänemark eine neue Attraktion für Radtouristen erhalten: Der neue Ostseeradweg, der am 5. Mai in Svendborg auf Fyn offiziell eröffnet wurde, führt auf rund 820 Kilometern zu einigen der schönsten Natur- und Kulturerlebnisse an der dänischen Ostsee. Damit löst er den alten Ostseeradweg ab, der einen geraden Verlauf hatte. Mee(h)r-Erlebnisse rund um die dänische Ostsee sind also jetzt garantiert.

Der dänische Ostseeradweg verläuft in Form einer Acht von Padborg an der deutsch-dänischen Grenze bei Flensburg durch das Inselmeer über die ostdänischen Inseln Lolland und Falster bis nach Møn mit seinen berühmten Kreidefelsen Møns Klint. Von dort geht es über Seelands Süden nach Fyn, wo sich in der Hafenstadt Svendborg der Wegeverlauf kreuzt. Quer über Fyn verläuft die Route dann zum Kleinen Belt und an Jütlands Ostküste zurück nach Süden bis Padborg.

Als nationaler Radweg ist der neue Ostseeradweg jetzt erstmals durchgängig mit dem Symbol „N8“ beschildert: Das blaue, quadratische Schild zeigt ein weißes Fahrrad und darunter die weiße Acht auf rotem Hintergrund. Alle wichtigen Abbiegungen und Wegekreuzungen sind eindeutig markiert, sodass Radurlauber dem Verlauf entspannt folgen können.

Die Kreidefelsen von Møns

Der Ostseeradweg wendet sich dabei nicht nur an Radurlauber, die gern mehrere Tage oder Wochen auf Entdeckungsreise sind. Der Fernradweg lässt sich auch in einzelnen Etappen beispielsweise von einem typisch dänischen Ferienhaus aus erleben. Darüber hinaus liegen entlang des durch insgesamt 17 Kommunen führenden Ostseeradwegs immer wieder kleine Zweirad-Abenteuer in Form von (Tages-)Rundtouren auf einigen der dänischen Panoramarouten oder herausfordernden Mountainbiketrails, auf denen sich Natur oder Attraktionen gemütlich oder rasant erkunden lassen.
Der Ostseeradweg bietet dem Bike-Fan die Möglichkeit, West- und Südseeland, Møn, Lolland Falster, Fyn, Lillebælt und Südjütland im eigenen Tempo zu erkunden. Entlang an goldenen Kornfeldern, breiten Ständen, wunderbar grünen Wäldern und alten dänischen Dörfern lässt sich Dänemark nochmal von einer ganz anderen Seite entdecken.

„Wir freuen uns, dass Dänemark mit dem neuen Ostseeradweg jetzt ein neues Highlight für Radurlauber bietet – neben den ebenfalls beliebten Fernrouten Nordseeradweg und der internationalen Strecke Berlin-Kopenhagen“, sagt Jan Olsen, Direktor von VisitDenmark, Dänemarks offizieller Tourismusorganisation. „Mit insgesamt elf nationalen Radfernrouten sowie mehr als 10 000 Kilometern beschilderter Radwege unterstreicht Dänemark damit seinen Ruf als eine der besten Destinationen für Radtourismus in Europa. Radfahren ist schon heute für jeden dritten Urlauber das Motiv, sich für das Reiseziel Dänemark zu entscheiden“, so Olsen. „Das Spektrum reicht dabei von unseren Fernrouten bis zu einem Besuch im bike-freundlichen Kopenhagen, das als Fahrradhauptstadt der Welt gilt. Mit dem neuen Ostseeradweg gibt es nun noch einen Grund mehr, Dänemarks Vielfalt vom Sattel aus zu entdecken.“

170 Kilometer des Ostseeradwegs schlängelt sich durch das wunderschöne Südseeland und Møn. Dabei locken Südseeland und Møn mit einigen der schönsten Naturgebiete Dänemarks – mit langen, flachen Strecken, die entlang der Ostseeküste, nah an Fjorden oder Meerengen und durch dichte Wälder auf den höchsten Punkt von Møn führen. Ein sicheres Fahrradparadies für Radtouren mit Freunden und der ganzen Familie. Ein Highlight ist die spektakuläre Steilküste von Møns Klint im Süden der Insel Møn mit ihren Kreisefelsen. Diese ragen an ihrer höchsten Spitze rund 130 Meter aus dem Meer. Das südliche Seeland bietet naturschöne und fahrradfreundliche Landschaften.

Historische Gutslandschaft

Der Ostseeradweg erstreckt sich auch auf Lolland-Falster. Das abwechslungsreiche Gelände, die eindrucksvolle Kultur und die langen Küstenabschnitte sind nur ein paar der Highlights der Route. Insbesondere die Natur entlang des Ostseeradwegs auf Lolland-Falster ist einzigartig: Der Drahtesel-Liebhaber erlebt den längsten Radweg auf einem Deich, nur wenige Meter vom Ostseestrand entfernt, und durchquert einige der schönsten Naturparks Dänemarks.

Die Inseln Lolland und Falster zeichnen sich darüber hinaus durch die historische Gutslandschaft, Übernachtungen in hochwertigen Bed and Breakfasts sowie viele lokale Leckereien aus.
Wer wissen möchte, woher Hans Christian Andersen die Inspiration für seine Märchen nahm, sollte seine Heimat Fünen besuchen. Hügelige Landschaften, kleine, reetgedeckte Fachwerkhäuser, familienfreundliche Strände, maritimes Flair sowie Blumen und Obst in Hülle und Fülle kennzeichnen die Insel. Nicht umsonst wird die Ostseeinsel zwischen dem Kleinen und dem Großen Belt auch als grüner Garten des Königreichs bezeichnet.

Darüber hinaus ist die Insel Fünen ein Paradies für Fahrradfans: Zu Fünen gehört ein ganzes Inselreich mit über 100 kleinen Nachbarinseln, verbunden durch Fähren und mehr als 1200 Kilometern reine Radwege. Die Einheimischen nennen Fünen und das Inselmeer auch „Bike Island“. Von Langeland geht es entlang der Küste nach Südfünen, vorbei an einzigartigen Schlössern und Herrenhöfen, Weingütern und charmanten Hafenstädtchen. Hier hat man die Gelegenheit in den Cafés und Restaurants eine Pause einzulegen und die maritime Stimmung sowie die leckeren, lokalen Spezialitäten zu genießen.
Ständiger Begleiter, neben hoffentlich viel Rückenwind, ist der Blick auf das südfünische Inselmeer. Der Ostseeradweg N8 verläuft vom Kleinen Belt im Westen ab Middelfart, entlang der Küste über Assens nach Südfyn Faaborg, Svendborg, bis nach Nyborg im Osten am Großen Belt.

Eine besondere Attraktion und spannend zugleich ist es, Fünen von oben beim Bridge Walking auf der Lillebælt-Brücke zu sehen. Unter dem Motto „Bridgewalking Lillebælt – Der Blick auf etwas Besonderes“ können Fans spektakulärer Aussichten seit Mai 2015 die Brücke über den Kleinen Belt der dänischen Ostsee erklimmen. Das europaweit einmalige Erlebnis ist nur vergleichbar mit der populären Besteigung der Harbour Bridge im australischen Sydney.

Auf der insgesamt 235 Meter langen Verbindung zwischen Jütland und Fünen geht es hinauf bis in 60 Meter Höhe. Unter der 1935 eröffneten Eisenbahn- und Pkwbrücke ziehen Schiffe durch die viel befahrene Meerenge des Kleinen Belts, während vielleicht gerade ein Zug mit sanft spürbarem Rütteln die Brücke aus Stahl und Beton überquert. Vom höchsten Punkt hat man spektakuläre Ausblicke auf die dänische Ostsee, auf Jütland, Fünen und zahlreiche Inseln – atemraubende Eindrücke, Kribbeln im Bauch und zerzaustes Haar inklusive. Mit etwas Glück sieht man auch Schweinswale, die wsich im Kleinen Belt zu tausenden tummeln.

Sicherheit hat beim Bridgewalking Lillebælt oberste Priorität: Alle Brückentouren beginnen mit ausführlichen Einweisungen eines ausgebildeten Guides der die Gruppe später begleitet. Die Teilnehmer (Mindestgröße: 1,40 Meter) erhalten einen Overall über den man beim Erklimmen der Brücke an ein eigens entwickeltes Sicherheitssystem angekoppelt ist. Unterwegs vermittelt der Guide Hintergründe zu Architektur, Geschichte und Bau der Brücke sowie zur Natur rund um den Kleinen Belt.
Etwa 96 des 820 Kilometer langen Ostseeradwegs führen durch die herrliche Küstenlandschaft am Kleinen Belt mit anheimelnden, historischen Ortschaften; von Christiansfeld im Süden, über Kolding bis Fredericia im Norden und nach Osten, auf die andere Seite des Kleinen Belts, nach Middelfart.
Der Kleine Belt und seine Umgebung liegen im Herzen von Dänemark und die Entfernungen zu großen Sehenswürdigkeiten sind kurz. Man fährt, fast direkt am Wasser, an der geschwungenen Küste des Kleinen Belts entlang und kann in den gemütlichen, lebendigen Ortschaften auf Entdeckung gehen oder die herrliche grüne Landschaft genießen. Wege und Pfade in der Region garantieren ein gutes Radfahrerlebnis.

In Südjütland führt der Ostseeradweg von der Domstadt Haderslev im Norden über das maritime Aabenraa und durch das historische Sønderborg mit Dybbøl Mølle sowie Schloss Sønderborg und von dort aus weiter nach Fünen. Auf seinem spannenden und abwechslungsreichen Verlauf verläuft der Ostseeradweg durch üppige Buchenwälder und entlang eindrucksvoller Fjorde. Hier trifft Dänemark auf das restliche Europa – und das hat deutliche Spuren in der faszinierenden Geschichte und in dem einzigartigen Kulturerbe hinterlassen.

Die Düppeler Schanzen

Wer schon mal in der Nähe von Sønderborg ist sollte auch unbedingt das Geschichtszentrum Dybbøl Banke besuchen, geht auch wunderbar mit dem Rad. Das Historiecenter Dybbøl Banke (deutsch: Geschichtszentrum Düppeler Anhöhe) ist ein Museum und ein Geschichtspark an den Düppeler Schanzen in der Nähe der Stadt Sønderborg. Es dokumentiert die Vorgeschichte, den Verlauf und die Auswirkungen des Deutsch-Dänischen Kriegs von 1864 und insbesondere von dessen Entscheidungsschlacht, bei der am 18. April 1864 preußische Truppen die Düppeler Schanzen einnahmen, wodurch der Krieg zugunsten Preußens und Österreichs entschieden wurde. Die Niederlage von 1864 gilt als eines der wichtigsten Ereignisse in der jüngeren dänischen Geschichte und prägt bis in die Gegenwart das Selbstverständnis des dänischen Volks und dessen Verhältnis zu Deutschland und Europa.

Das 1992 eingeweihte Geschichtszentrum besteht aus einer Ausstellung, in der auch zwei sehr gut gemachte Filme über die Vorgeschichte des Kriegs und über die Schlacht vom 18. April 1864 gezeigt werden, und einer Außenanlage mit der originalgetreuen Nachbildung einer der Schanzen, die als dänische Verteidigungsanlagen dienten. In der Hauptsaison treten die Mitarbeiter des Museums in Originaluniformen als Erzähler auf, im Soldatendorf der Anlage können die Besucher durch verschiedene Aktivitäten die damaligen Lebensumstände nachempfinden.

Während die Kanonen donnern und der Duft von Pfannkuchen sich im Soldatenlager ausbreitet, ist man als Besucher mitten im Kriegsgeschehen. Der preußische Soldat J. Bubbe ist von seinem neuen Hinterlader begeistert, welches Kugeln mit einem tödlichen Tempo abschießt. Der dänische Soldat Hansen ist dagegen froh über seinen guten alten Vorderlader. Er schießt zwar wesentlich langsamer, dafür funktioniert es anderseits jedes Mal.

Im Geschichtszentrum kann der Besucher das Glück eine vergnügliche Streiterei zwischen zwei Soldaten anzuhören. Und genau diese Art der Geschichtsvermittlung ist das Warenzeichen des Geschichtszentrums, erklärt der Leiter und Museumsinspektor Bjørn Østergaard. „Wir vermitteln den Krieg im Jahr 1864 durch die Menschen, die dabei waren. Mit Hilfe von alten Briefen und Tagebüchern können wir uns einen Eindruck bilden, wie die Personen waren und wie sie den Krieg erlebten.“ Wenn die Besucher die historischen Personen sehen, hören und mit ihnen reden, erleben sie die Geschichte auf eine neue und spannende Art.

Im Umfeld des Museums befinden sich verschiedene weitere Sehenswürdigkeiten mit historischem Bezug zum Deutsch-Dänischen Krieg. Hierzu zählen unter anderem das Schloss Sonderburg, die Düppeler Mühle, deren Zerstörung zum Symbol der Schlacht wurde, verschiedene Denkmäler an Grabstätten für gefallene dänische und preußische Soldaten, die Überreste einer bis 1872 errichteten und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten deutschen Siegessäule sowie ein Gedenkstein für Louis Appia und Charles van de Velde, die während des Krieges als neutrale Beobachter die Kampfhandlungen überwachten und auf diese Weise die ersten Rotkreuz-Delegierten der Geschichte wurden.

Kurzum: Auf dem neuen Ostseeradweg N8 gibt es eine jede Menge zu erradeln, zu sehen sowie viel zu erleben. (Friedrich H. Hettler)

(Mit diesen Schildern ist der neue Ostseeradweg N( gekennzeichnet; im Geschichtszentrum Düppeler Anhöhe und die Kreidefelsen von Mons Klint; auch die Räder brauchen mal eine Auszeit; der Herrensitz Borreby Herreborg und ein typisches Landhaus - Fotos: Friedrich H. Hettler)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Webinar
Weiterbildung

In Zusammenarbeit mit Fachverbänden und Fachverlagen veranstalten wir regelmäßig Webinare.

Referenten aus verschiedenen Bereichen vermitteln Ihr Expertenwissen in Bild und Ton Live über das Internet.

Weitere Informationen finden Sie hier
Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 33 (2018)

Umfrage Bild
  • Ich habe die Hinweise zum Datenschutz und die AGB's zur Kenntnis genommen.
Abstimmen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
 
Unsere Umfragen sollen Trends aufzeigen und haben keinen repräsentativen Charakter. Eine unsachgemäße Beeinflussung bei Onlineumfragen ist nicht auszuschließen.

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 17. August 2018 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Johannes Schnell,
Referatsleiter beim Landesfischereiverband Bayern

(JA)

Leopold Herz, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Freien Wähler im Landtag

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2018

Nächster Erscheinungstermin:
30.November 2018

Anzeigenschluss: 9.November 2018

Weitere Infos unter Tel. 089/290142--54/56 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 18 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.