Sie ist vielleicht die bekannteste Insel der Kanaren. Mit Sicherheit stand sie namentlich Pate für den gesamten Archipel. Gran Canaria liegt mitten im Atlantik, günstig für einen Zwischenstopp zwischen Europa und Amerika. Damals selbst für einen Weltumsegler und -entdecker wie Christoph Kolumbus willkommen, um Unterstützung für die Reparatur seines Schiffes La Pinta zu erhalten.
Nicht willkommen geheißen hatte man die Piraten, die gefürchteten Freibeuter. Trotzdem sind sie zerstörerisch eingefallen, auch Francis Drake hat es versucht. Das war in Vegueta, dem ältesten Stadtteil aus der Kolonialzeit und dem ursprünglichen Kern von Las Palmas de Gran Canaria, erklärt uns Manuel Medina alias Stadtführer Manolo. Wir treffen uns mit Manolo an der historischen Nahtstelle der Altstadt, die mitnichten als solches auffällt. Ein Boulevard überdeckt schon seit Jahrzehnten die ehemals wilde Schlucht und vereint zwei Stadtvierteln zur prachtvollen Altstadt. Vegueta mit zahlreichen historischen Häuser und Herrenhäuser, deren Innenhöfe, Holzfensterläden und Balkone im spanischen Stil von der kolonialen Architektur aus dem 15. und 16. Jahrhundert zeugen. Und auf der anderen Seite des Barranco Guiniguada: Triana, das Viertel, wo im Gegensatz zur reichen Oberschicht Handwerker und Händler siedelten. Dort verführt eine geschäftige Prachtstraße; Boutiquen, Bars und Banken in kunsthistorisch wertvollen Gebäuden zieren diese Flanierzone bis zur Kapelle San Telmo, dem Schutzheiligen der Seeleute geweiht.
Im Nordosten kulminiert die Inselhauptstadt mit dem Stadtteil La Isleta und entfacht neue Facetten der Inselhauptstadt. Das alte Fischer- und Hafenviertel ruht auf einer kleinen Halbinsel, die ins Meer ragt und durch eine Landenge mit der Stadt verbunden ist. Der kahle Hügelgipfel auf der geschwungenen Silhouette zweier ehemaligen Vulkane lässt sich besteigen. Ein bisschen sportlich aber lohnenswert wegen der Aussicht. Vor allem auf den goldenen Sandstrand Las Canteras, der drei Kilometer lange Stadtstrand mit einer Strandpromenade mit Bars, Pubs und Terrassen bis zum Auditorio Alfredo Kraus. Auf der anderen Seite der Landzunge liegt der Parque Santa Catalina und der Hafen Puerto de la Luz („Hafen des Lichts“), der die rasante Entwicklung der Stadt ermöglichte. Im Eroberungszeitalter wurde hier die Burg Luz als erste Festung der Insel errichtet, heute sind die Verteidigungszwecke den kulturellen Aktivitäten gewichen. Nebenan bietet das Großaquarium Poema del Mar („Gedicht des Meeres“) hinter der mit 36 x 7 Metern größten gewölbten Plexiglasscheibe der Welt faszinierende Einblicke in die Unterwasserwel
Alles Schöne am Guten, alles an einem Tag; der versierte Stadtführer hätte noch viel mehr in petto gehabt. Wir waren zufrieden. Auch, dass er mit der Santa Ana Kathedrale und dem Kolumbushaus Casa de Colón die Stadttour begann. Am Abend besuchten wir noch das Atlantikzentrum für moderne Kunst und befolgten tags drauf seine Tipps, anderorts in die Zeit der Urbevölkerung einzutauchen. So findet man in Guía das versteckte Höhlenlabyrinth Cenobio de Valerón, das auf kollektive Getreidespeicher hindeutet, und etwas weiter in Gáldar den großen archäologischen Park mit der Cueva Pintada (mit geometrischen Motiven „Bemalte Höhle“). Bei Telde imponieren die mit vier Eingängen versehene Höhlenanlage „Cuatro Portas“ und gleich dahinter die Cueva Los Pilares („Säulenhöhle“). Man muss wissen, dass mit der Eroberung durch die Spanier die Kultur der Altkanarier ausgelöscht wurde, nur wenige Fundstellen zeugen noch davon. Deswegen sind ehemalige Kultstätten wie Höhlen so kostbar – unterstrich Manolo. Zwei immer noch gelebte Höhlendörfer und das Museo de Guayadeque befinden sich in der gleichnamigen abgelegenen Schlucht.
Apropos kostbar: Das ist auch die kanarische Banane. Sie ist zwar kleiner als andere doch umso süßer im Geschmack. Ausgedehnte Bananenplantagen im etwas kühleren und feuchteren Norden, da wo sich regelmäßig Passatwolken ausregnen, verdeutlichen die landwirtschaftliche Nutzung. Sie stellen nach dem Tourismus einen wichtigen Erwerbszweig für die Insel. Bei Arucas besuchten wir die Finca La ReKompensa (www.haciendalarekompensa.es/mundodelplatano). Durch die Familienplantage führt Steve und erzählt vom Anbau hier auf der Hacienda und von den Anfängen der Bananenkultur in Papua-Neuguinea bis zu den unterschiedlichen Sorten. Und dies bleibt kein unbeschriebenes Blatt – es gibt sie wirklich, wir stehen davor: Rote Bananen hängen an paar Stauden. Die Verkostungen beginnen mit der Frucht und ziehen sich bis zum feinschmeckenden Likörchen. Ein kleines Bananenmuseum ist im restaurierten, typisch-kanarischen Haus von 1804 eingerichtet. Es trägt unverkennbar zum Erhalt des kanarischen Kulturerbes bei.
Im Gegensatz zur üppigen Vegetation im Norden führt der Süden eine recht karge in der überaus trockenen Schluchtenlandschaft. Ein Abstecher nach Arteara zur Aloe Vera Plantage (www.fincacanarias.com/de/content/11-gran-canaria-fataga) verdeutlicht sofort die Klimaunterschiede. Die Wüstenlilie braucht viel Sonne. In Reih und Glied gepflanzt wird ihr die wenig benötigte Feuchtigkeit durch eine punktuelle Bewässerung verabreicht. Die Sorte, die hier wächst, hat eine gelbe Blüte – die andersfarbigen sind giftig – und sie ist von einer außerordentlichen Qualität, erklärt uns Mike. „Die Leute meinen immer, das Innenleben der Pflanze wäre grün“, sagt er. Wahrscheinlich wegen dem äußeren Grün der Pflanze. Dem ist aber nicht so. Schon schneidet er ein fleischiges Blatt auf und zeigt wie der Wirkstoff gewonnen wird, ein durchsichtiges Gel, das keinerlei Weiterverarbeitung bedarf und direkt ohne jeglichen Zusatz angewendet werden kann.
Das milde Klima begünstigt Gran Canaria geradezu zu einer Ganzjahresdestination. Von der Sonne verwöhnt und von spektakulären Vulkanlandschaften geprägt, bietet sie eine faszinierende Vielfalt vom Dünenstrand im Süden bis zum wildesten Gebirge im Inselinnern. Vom Meeresniveau bis auf fast 2000 Meter Höhe erstrecken sich gleich 14 Mikroklimazonen – weshalb die Insel gerne als Miniaturkontinent bezeichnet wird. Die Insel ist ein wahres Naturparadies. Das Wandern in der zerklüfteten Vulkanlandschaft gleicht einer Hommage an die Natur. Der letzte Vulkanausbruch auf Gran Canaria fand vor etwa 2000 Jahren statt und führte zur Entstehung der Caldera de Bandama. Der Vulkankrater misst einen Kilometer im Durchmesser und ist 200 Meter tief. Aus seinem Inneren stieg Lava auf und formte den Gipfel des Bandama. Dort ist der Panoramablick überwältigend. Eine Straße führt zwar hoch, doch die wahre Erlebnislust kommt erst beim Wandern auf. Sowohl der Pico wie auch die Caldera de Bandama sind zum Naturdenkmal erklärt worden. Davon gibt es noch einige auf der „Insel des ewigen Frühlings“, alle mit Besonderheiten. Gran Canaria hat Besuchern einiges zu bieten. Beste Informationen aus erster Hand bietet der Verband Gran Canaria Natural & Active (www.grancanarianaturalandactive.com/de) gerne schon vorab.
(Nikolaus Sieber)
Kommentare (0)
Es sind noch keine Kommentare vorhanden!