Reisen

Ein typischer Creek in Saskatchewan. (Foto: Sonja Vodicka)

12.03.2020

Ein Roadtrip durch Saskatchewan

Prärie, Prärie, Prärie – immer geradeaus: Kanada wie es keiner kennt

Saskatchewan steht oft im Schatten der bekannteren Provinzen British Columbia, Quebec oder Ontario, ist aber in jedem Fall eine Reise wert, zum Beispiel in Kombination mit der westlich gelegenen Nachbarprovinz Alberta, die mit den hohen Bergen und klaren Seen der Rocky Mountains einen wunderbaren Kontrast zu den flachen Prärien und endlosen Getreidefeldern Saskatchewans bildet.

„Rise above it all“ – kaum in Calgary, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, gelandet, starten wir erneut Richtung Himmel. Nicht etwa wieder mit dem Flugzeug, vielmehr 200 Meter in die Senkrechte, im Aufzug des Calgery Towers, dem Wahrzeichen Calgerys. Wer Kanada sucht, wo Kontraste am deutlichsten zutage treten, kommt an diesem Ausblick nicht vorbei. Hier stoßen im Westen die letzten Vorberge der Rocky Mountains auf die völlig flache Prärie im Osten, trifft Westerngeschichte auf das Ölzeitalter, überschatten die glitzernden Glaspaläste der Banken und Energiekonzerne die putzigen viktorianischen Holzhäuschen aus der Gründerzeit. Dort wollen wir hin, in Richtung Osten, wo sich unter stahlblauem Himmel die ockerfarbenen Weizenfelder ausdehnen, dort wo es noch Cowboys und Indianer, Dinosaurier und wandernde Sanddünen geben soll – nach Saskatchewan.

Das Auto für unseren Roadtrip von Alberta nach Saskatchewan haben wir uns am Flughafen in Calgery abgeholt. Drei Frauen, ein Auto. Raus aus der Stadt, rauf auf den Highway Number One in östlicher Richtung. In der unendlichen Gleichförmigkeit der Prärie rollen wir über eine ebene Landschaft mit hohem Himmel, die nur aus Weizen-, Gerste- und Rapsfeldern zu bestehen scheint, so weit das Auge reicht. Nur ab und zu gelingt es den Augen, an einem einzeln stehenden Farmhaus, einem Baum oder einem kleinen Gehölz festzuhalten.

Frühling ist Vogelzugzeit, Schwalben und Stare teilen sich merkwürdigerweise und notgedrungen mit Greifvögeln die wenigen Rastplätze. Auf den von Schilf umwucherten Teichen und Seen ruhen Nashornpelikane und verschiedene Entenarten auf dem Zug nach Süden aus. Dann, mitten in der Prärie plötzlich – Wanderdünen. Die Great Sand Hills dehnen sich nördlich von Maple Creek auf einer Fläche von 1900 Quadratkilometern aus und gehören zu den größten Ansammlungen aktiver Sanddünen in Kanada.

Der Präriewind pustet den feinen Sand hier unermüdlich hin und her und verschiebt die bis zu 20 Meter hohen Dünen Stück für Stück. Sie wandern pro Jahr beeindruckende vier Meter. Wir machen hier einen kurzen Halt, verzehren unseren mitgebrachten Proviant, erklimmen die Sanddünen, lassen uns von ihnen herunterrollen und fühlen uns fast wie am Meer, hier mitten in der Prärie, bevor es weiter geht, immer geradeaus.

Zwei Stunden später, in der tischebenen Landschaft, tun sich plötzlich und ohne Vorwarnung tiefe canyonartige Täler auf. Wir sind am Ziel. Der Dinosaur Provincial Park. Hier wurden aufsehenerregende Dinosaurierüberreste gefunden. Tropische Riesenwälder, hohe Berge, Vulkane und ein gigantisches Binnenmeer – so sah Saskatchewan wahrscheinlich vor zwei Milliarden Jahren aus. Beste Lebensbedingungen für viele Land- und Meerestiere, welche sich heute in einer enormen Anzahl an fossilien Funden wiederfinden.

Saskatchewan ist ein riesiger Dino-Friedhof. Kaum anderswo auf der Welt gibt es mehr Fossilienfunde als in dem Gebiet, in dem der jetzige Dinosaurierpark liegt. In einem Besucherzentrum kann man sich durch Schaubilder, ausgestellte Fossilien und Filme einen ersten Eindruck über die geologischen, klimatischen und biologischen Vorgänge vor 75 Millionen Jahren bis zur Neuzeit machen.

Doch das spannendste ist die Fahrt in die Canyons: In Jeeps und unter fachkundiger Führung einer Rangerin werden wir in das Gebiet gefahren, das eher einer Mondlandschaft oder Science Fiction Welt, als einer ehemaligen Sumpflandschaft ähnelt. „Mit dem Sinken der Wasserstände bildeten sich aus Sedimentablagerungen Gesteine, die sogenannten mudstones – in ihr sind die meisten Dinosaurierknochen gefunden worden – und die ironstones mit rötlich-schwarzer Färbung“, erklärt die Rancherin uns, während wir an merkwürdigen Steintischen vorbeifahren.

Dinosaurierfriedhof

An einer Stelle ist das Gerippe eines Dinosauriers teilweise freigelegt. Hier ist ein Forscherteam erst nach Tagen schlechten Wetters buchstäblich darüber gestolpert, erklärt uns Lucy, unsere Führerin. An einer bestimmten Stelle bleiben wir stehen und steigen aus. Hier ist der Boden mit Knochenteilen geradezu übersät. Man erkennt sie daran, dass sie weiß und porös sind, mit lauter kleinen Löchern. Lucy zeigt uns einen Dinosaurier-Zahn und ein Stück von der Wirbelsäule. „Souvenirs mitnehmen ist aber strengstens verboten!“

An dieser Stelle, so sagt sie, seien 300 Dinos umgekommen, wahrscheinlich bei einer Flussüberquerung, wo sie eine Springflut überrascht haben muss. Dieser Dinosaurierfriedhof ist so groß wie ein Fußballfeld. Es muss eine große Herde gewesen sein. Die Tiere sind alle von der gleichen Art. Unter einem Dach ist das Skelett eines Corythossaurus zu besichtigen. Dieses acht Meter hohe und zehn Meter lange Tier muss ziemlich schnell im Schlamm eingesunken und gestorben sein, weil noch alle Körperteile ganz dicht beieinander liegen. Sogar ein Stück versteinerte Haut hat er hinterlassen.

Wir fühlen uns wie in einer Zeitmaschine. Ereignisse festgehalten aus einem Augenblick vor 75 Millionen Jahren. Der „Dinosaur Trail“ ist eine 48 Kilometer lange Rundtour auf beiden Seiten des Red Deer River, der in der ehemaligen Kohlminenstadt Drumheller beginnt und bis zum Royal Tyrell Museum of Palaentology führt. Es liegt versteckt in den sogenannten Badlands, sechs Kilometer nordwestlich von Drumheller und ist das weltweit größte seiner Art. 50 echte Dinosaurierskelette sind hier ausgestellt. Besonders beeindruckt sind wir von dem Blick hinter die Kulissen, den man von der Arbeit der Paläontologen bekommt, die in ihrer Werkstatt hinter einer großen Glasscheibe sitzen und Dinosaurierknochen aus Gestein herausarbeiten.

Saskatchewan – „The Land of Living Skies“. Das Land der lebenden Himmel, so bezeichnet sich dieses Bundesland Kanadas selbst. Tatsächlich scheinen Himmel und Erde hier ineinander zu verschmelzen. Je weiter wir durch das Land fahren, desto größer, weiter, beeindruckender in seiner Ausdehnung ist dieses Land. Riesige, runde Heuballen säumen den Highway, der uns immer geradeaus bis zum Horizont zu führen scheint. Manchmal passieren wir eine Herde Karibus oder sehen Pelikane und Flamingos, die in spiegelglatten Wasserflächen nach Fischen suchen. Ein Land so flach und gerade, dass eine Kurve bereits einen Kilometer im Voraus per Straßenschild angekündigt wird.

Idyllische Seen und Flüsse

Und schließlich – im äußersten Südwesten Saskatchewans – trifft die weite, offene Prärie auf majestätische Kiefernwälder. Die Cypress Hills türmen sich hier bis zu 1500 Meter auf und sind somit die höchste Landerhebung zwischen Labrador und den Rocky Mountains. Idyllische Seen und Flüsse prägen die malerische Landschaft. Wir entscheiden uns spontan für eine Rast am Cypress Lake, mieten uns ein Kajak und paddeln einmal um die Insel, die mitten im See liegt.

Plötzlich fühlt man sich wie im Bayerischen Wald. Hier gibt es Wanderwege und Wagemutige können die Ziplines ausprobieren und auf überdimensionalen Seilbahnen von Baumwipfel zu Baumwipfel sausen – Adrenalin pur.

Müde fallen wir im Resort von Cypress Hills in die Betten. Eine gute Autostunde ist es am nächsten Morgen von Cypress Hills bis zur „La Reata Ranch“. Georg Gerber, alias George aus Düsseldorf, hat sich hier in der Abgeschiedenheit seinen Lebenstraum erfüllt und 2000 Hektar Land am Ufer des Diefenbaker Sees gekauft. Doch wer glaubt, hier einen waschechten Rheinländer zu treffen, irrt. Gerber nennt sich inzwischen George und spricht inzwischen besser englisch als deutsch, reitet wie ein echter Cowboy, scheint inmitten seiner 24 Pferde seine alte Heimat hier in der Prärie längst vergessen zu haben. So wie unzählige andere vor ihm.

Cowboys und Rancher spielten nämlich seit jeher eine wichtige Rolle bei der Entwicklung Westkanadas und der Gründung der Provinz Saskatchewan. Auch heute noch ist die Rinderzucht von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung für die aufstrebende Prärieprovinz. Auf nahezu 17 000 Ranches führen Saskatchewans Viehzüchter immer noch ein echtes Cowboy-Leben. Auch für uns Besucherinnen heißt es deshalb: „Pferde satteln.“

Bei einem Ausritt durch die faszinierende Prärielandschaft, der anschließenden Pflege des „eigenen“ Pferds, tauchen wir ein in ein komplett anderes Leben. Wir entdecken unser inneres Cowgirl. Knisterndes Lagerfeuer, eine dampfende Tasse handgebrühten Kaffees und die Silhouette eines friedlich grasenden Pferds, die sich vor einem Bilderbuch-Sonnenuntergang in der Prärie abzeichnet. Kitsch? Nein – waschechtes Cowboy-Feeling auf einer Guest Ranch in Kanadas sonniger Mitte. (Sonja Vodicka)

(„Achtung Cowboys queren“ und Rangerin Lucy mit einem Dinozahn. Im Dinosaurierpark und alte Cowboystiefel in der La Reata Ranch - Fotos: Sonja Vodicka)

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Kommentare (1)

  1. Heisshunger vor 3 Wochen
    Wenn man sowas veröffentlicht, sollte man zumindest Calgary richtig schreiben, aber wenigstens ist es konsequent falsch.

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