Freizeit und Reise

Das eindrucksvolle Bergpanorama im Pitztal ist winterlich weiß. (Foto: Christian Kolb)

04.11.2026

Ein Tal mit vielen Möglichkeiten

Das Pitztal in Österreich: Ein alpiner Geheimtipp für jede Jahreszeit

Das Pitztal ganz im Westen von Österreich hat einiges zu bieten: Der Pitztaler Gletscher ist der höchste des Landes. Zahlreiche Wasserfälle stürzen ins Tal. Man kann auf dem Hochzeiger eine entspannte Gipfelwanderung machen und mit Zirbencarts auf eine rasante Fahrt ins Tal gehen. Und es gibt Orte mit reicher Geschichte. In der Ortschaft Jerzens steht die Mühle Stampfle.

Das Stampfle ist die älteste Mühle in Jerzens und ist bereits seit 1582 an dem aktuellen Standort in Betrieb. Der Name Stampfle leitet sich von dem Getreidestampf genannten Stampfwerk ab. Gemeinsames Brot backen, das Mahlwerk in Aktion erleben und frische Rohmilch aus der einzigartigen Tiroler Milchpipeline zeigen im Sommer die Funktionsweise und die vielfältigen Möglichkeiten der Mühle.

Das Interessanteste an der Mühle ist die Milchpipeline. Um die frische Milch ins Tal zu transportieren, wurden die Bauern einst zum Verlegen einer unterirdischen Milchpipeline verpflichtet. Durch die nur gartenschlauchdünne Leitung laufen jeden Nachmittag rund 50 Liter Milch ins Stampfle.

Die Standseilbahn Gletscherexpress bringt Gäste in acht Minuten durch einen Tunnel auf eine Höhe von 2840 Metern. Oben angekommen begrüßt Bergführer Michael Walser seine Gäste zur vier Kilometer langen Gletscherwanderung. Noch hat der Gletscher an seiner dicksten Stelle eine Mächtigkeit von rund 150 Metern, doch fordert der Klimawandel unübersehbar seinen Preis.

Die Zirbenwelt
auf dem Hochzeiger

„Im unteren Bereich verliert der Gletscher Jahr für Jahr 2,5 bis 3 Meter an Eis“, erklärt der Bergführer.

Der erste Schritt auf das Eis kostet Überwindung, doch merkt man schnell, dass die überraschend raue Oberfläche die Schritte trägt. Mit jedem Schritt brechen die kleinen Oberflächenstrukturen mit einem hörbaren Knacken. An manchen Stellen fließt Tauwasser über den Gletscher, an anderen sind metertiefe Spalten oder ganze Höhlen entstanden. Auf dem Gletscher liegende Steine haben kleine Bereiche des Eises vor der Sonne geschützt. Diese Gletschertische sind besonders beliebte Fotomotive.

Der Rückweg vom Gletscher führt über einen steilen Wanderweg. Kurz vor der Bergstation liegt die „Kapelle des weißen Lichts“. Dieser spirituelle Ort wurde vom Tiroler Künstler Rudi Wach aus weißem, leuchtendem Carrara-Marmor geschaffen, der einen Kontrast zum rötlich schimmernden Gestein der Umgebung bildet.

Anschließend geht es mit der Wildspitzbahn auf den Hinteren Brunnenkogel. Von dort, in einer Höhe von 3440 Meter, hat man einen eindrucksvollen Ausblick auf das Bergpanorama. Die Aussichtsplattform neben der Bergstation bietet einen schönen Blick auf die namensgebende Wildspitze. In der Ferne sind zahlreiche schneebedeckte Gipfel und auch der der Zugspitze zu sehen.
Eine Wanderung führt zum Gletscherkino. Hölzerne Bänke stehen hier vor einem Rahmen, durch den man die alpine Natur- und Gletscherlandschaft sehen kann. An der Bergstation liegt das Café 3440. Das höchstgelegene Kaffeehaus Österreichs bietet nicht nur einen hervorragenden Blick in die Berge, sondern auch regionale Speisen und ein kleines Kuchenbuffet.

Oberhalb der Ortschaft Jerzens liegt der Hochzeiger, um den es rund 100 Kilometer Wanderwege gibt. Mit der Gondelbahn fährt man zur Tanzalm und dann, bei schönem Wetter, mit der Hochzeiger Gondelbahn weiter zum Gipfel. Der liegt gleich neben der Bergstation auf 2560 Metern. Nach einer kurzen Wanderung erreicht man das Gipfelkreuz und hat einen 360-Grad-Blick in die Berglandschaft. Gut sehen kann man auch den rund drei Kilometer langen Gratwanderweg in Richtung Sechszeiger. Der Weg führt relativ eben durch die Berglandschaft. Nur die letzten Meter zur Seilbahn zurück nach unten sind mit einem Anstieg verbunden. Auf der Sonnenterrasse der Tanz-alm überzeugen die Wirtsleute sowohl mit ihrem charmant-rustikalen Charme als auch mit der für eine Alm eindrucksvoll präsentierten und gehobenen Gastronomie.

Eine Besonderheit in der Bergwelt ist der jahrhundertealte Zirbenbestand. Ein kurzer Erlebniswanderweg mit 18 Info-Stationen informiert über die Königin der Alpen. Kinder schätzen besonders den 12 Meter hohen Zirbenzapfen-Erlebnisturm mit seiner 16 Meter langen Röhrenrutsche. Es gibt zudem einen Zirbenkugel-Kletterbaum, Zirben-Kugelbahnen und einen Kletterpark am ZeigerRestaurant. Dort steht die Zirbe als Suppe, Cappuccino, Senf und Marinade auf der Speisekarte.

Dass sie auch eine schmackhafte Zutat für einen selbst angesetzten Likör ist, erfährt man bei einem Kulinarik Workshop, bei dem der Küchenchef zunächst zeigt, wie man eine schmackhafte Zirbensuppe mit frischen Pilzen kocht. Nach der Verkostung geht es an den Likör. Kleingeschnittene Zirbenzapfen werden mit Kandis und Korn vermischt. 14 Tage lang muss diese Mischung regelmäßig gedreht werden, damit sich der Zucker vollständig auflöst und das Aroma von den Zapfen in das Getränk übergeht. Dann wird es Zeit, die Zapfen zu entnehmen, bevor sich auch das Harz löst.

Von der Berg- zur Talstation der Gondelbahn kann man über eine rund vier Kilometer lange Strecke in rasanter Fahrt ins Tal rasen. Die Mountaincarts bekommen bergab reichlich Schwung und können je nach Abenteuerlust des Fahrers in den Kurven driften. Von der entspannten Panoramafahrt bis zum rasanten Rennen ist alles möglich.

Der Pitztaler Gletscher ist am 26. September gestartet und die Bergbahnen Rifflsee gehen am 12. Dezember 2026 in Betrieb. (Christian Kolb)
 

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