Freizeit und Reise

Blick auf den Habsberg mit der Wallfahrtskirche. (Foto: Ulrike Eberl-Walter)

19.05.2021

Eine Hymne an die Schöpfung

Wandern auf der Wallfahrerschlaufe am Jurasteig

Wallfahren und Wandern sind zweierlei und doch miteinander verquickt. Wallfahrer machen sich auf den Weg, um innere Einkehr zu finden, der Schöpfung nah zu sein und durch das Gehen einen neuen Zugang zu sich und zu ganz persönlichen Anliegen zu finden. Tun das nicht Wanderer auch? Vielleicht weniger glaubensmotiviert, doch die Nähe zur Natur, die persönliche Freiheit und etwas für sich tun zu wollen, sind Gründe, warum Menschen zu einer Wanderung aufbrechen.

Die Wallfahrerschlaufe am Jurasteig ist die perfekte Verbindung von allem. Zwischen Neumarkt in der Oberpfalz und Amberg liegt, eingebettet zwischen Wäldern, Wiesen und Feldern, der rund 16 Kilometer lange Rundweg. Die Schöpfung der Natur ist auf dieser Tour gekrönt durch die reich ausgestatteten Wallfahrtskirchen am Habsberg und in Trautmannshofen, aber auch durch viele Feldkreuze, Marterl und Heiligennischen, die man passiert.

Wo an den Wallfahrtstagen die Gläubigen betend zum Habsberg ziehen, begrüßen einen bei der persönlichen Wanderung im Frühling blühende Schlehenhecken und sonnengelbe Löwenzahnwiesen.

Man startet am Parkplatz Habsberg und folgt der Markierung „Wallfahrerschlaufe“ in Richtung Haus am Habsberg, einem Umweltbildungszentrum mit nach altem Muster angelegtem Bauerngarten. Ein Blick über den Zaun lohnt sich, denn schon jetzt wachsen Salat, Schnittlauch und Thymian und es treiben dicke Stängel Rhabarber mit ihren großen Blättern aus der Erde. Wer zum Bauerngarten abschweift, geht wieder zurück zum markierten Weg. 273 Meter Steigungen und Gefälle sowie vier Stunden Gehzeit sind für die Runde angegeben. Doch man braucht ein bisschen mehr Zeit, denn immer wieder bleibt man stehen zum Schauen, Staunen, Innehalten und legt auch zwischendurch eine Rast ein.

Lange nicht mehr gehört: Zwitschernd, plaudernd, tirilierend jubilieren Feldlerchen über dem sattgrünen Feld. Auf einem Einödhof gackern Hühner und kräht der Hahn, die Wäsche flattert zwischen den blühenden Kirschbäumen im Wind. Ein Traktor kommt des Wegs. Mit dem angehängten Holzspalter hat der Bauer wohl Brennholz aufbereitet.

In der Kuppenalb des Bayerischen Jura wachsen vornehmlich Buchen, deren Blätter jetzt noch sehr verhalten aus den Knospen ragen, Fichten, die sich in den lehmigen Senken wohlfühlen, dazu Lärchen mit ihren fedrigen, zartgrünen, weichen Nadeln. An den trockenen Südhängen ragen knorrige Kiefern in den Himmel. Sie sind Lichtbäume und wollen frei stehen.

Nichts stört die Ruhe

Die Waldwege sind gesäumt von zart lilafarbenen Sauerkleeinseln, an sonnigen Wegrändern tummeln sich gelbgrüne Zypressen-Wolfsmilch und gelbe Sonnenröschen. Manchmal sieht man nur Wald, Wiesen sowie Jägersitze und hört lediglich die Vögel singen und die Insekten summen – nichts stört die Ruhe und die Zeit für sich. Das macht diese Wanderung so besonders. Emsiges Treiben und Summen gibt es nur im Bienenparadies auf der Löwenzahnwiese kurz vor Trautmannshofen.

Die Geschichte der Wallfahrtskirche Mariä Namen in Trautmannshofen geht 900 Jahre zurück. Sie ist geprägt von wechselvollen Zeiten, Konfessionswechsel und Kriegswirren. Doch schon 1875 beschreibt die Nürnberger Presse die Kirchweih so: „Wer ein echtes oberpfälzisches Volksfest sehen will, der besuche die Trautmannshofener Kirchweihe. Dieselbe findet alle Jahre am Sonntag nach Mariä Geburt statt und dauert 2 Tage... Das Originelle dieses Festes ist die Verbindung von Geistlichem und Weltlichem, von Nützlichem mit dem Angenehmen, ein Gemisch von Allem, was die Welt in Bewegung erhält…“

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Zur Frühlingswanderung ist es still im Ort und in der Kirche. Das um 1700 geweihte Gotteshaus ist außen robust als Wehrkirche gebaut. Ganz anders innen: Es öffnet sich ein heller Kirchenraum, zartfarbig im Stuck mit fein strukturierten Deckengemälden. Festlich und erhebend, jubelnd und nach oben ziehend. Diese Herrlichkeit zieht einen in den Bann. Es ist ein architektonisches Meisterwerk der Gebrüder Leonhard, Georg und Wolfgang Dientzenhofer. Johann Michael Wild aus Amberg schuf die Deckengemälde und die Oberpfälzer Meister Andreas und Ulrich Lambeck den meisten Stuck.

Der Dietrichstein

Nun geht es zurück zum Habsberg. Man folgt ein Stück dem oberpfälzer Jakobsweg und macht im lichten Buchenwald bald einen markanten Felsen aus. Der Dietrichstein ist 627 Meter hoch und die höchste Erhebung im Bayerischen Jura. Hier thronte einst ein hochmittelalterlicher Burgstall von Seyfried Schweppermann. Etwas unterhalb liegt ein schöner Wald-Rastplatz mit Bänken und Tisch neben einer Waldkapelle, in der das Gnadenbild von der Amberger Mariahilfkirche abgebildet ist. Daneben findet sich auch eine Beschreibung und der Grundriss der früheren Burg, die schon im 13. Jahrhundert nicht mehr genutzt wurde. Die Steinquader wurden für den Aufbau der zerstörten Burg Kastl genutzt.

Zum Einfädeln in den richtigen Weg geht man aber wieder ein Stück zurück und folgt der blauen Beschilderung der Jurasteig-Schlaufe. Selbst durch dichten Wald ist der Weg hervorragend beschildert und führt einen ebenso abwechslungsreich zurück zum Ausgangspunkt. Wunderschöne, gut gepflegte Feldkreuze zeugen von der Volksfrömmigkeit und der Verbundenheit der Einheimischen zur Schöpfung. Im Anstieg zum Habsberg lenkt ein Bildstock zur Heiligen Dreifaltigkeit auf den richtigen Weg.

172 Stufen führen vom Parkplatz hinauf zur Wallfahrtskirche Maria Heil der Kranken. 172 Stufen, die sich lohnen, denn oben auf der Bergkuppe steht eine wundervolle Kirche. Seit 1680 kommen regelmäßig Pilgerzüge aus Franken und der Oberpfalz zum Habsberg. Seit 260 Jahren ist der Habsberg das Ziel für Gläubige, die ihre Anliegen der Mutter Gottes antragen.

Der Bau der ersten Gnadenkapelle geht zurück auf den Amtspfleger von Burg Helfenberg, Johann Panzer, der an schmerzhafter Gicht litt und daher Maria um Hilfe anflehte. Panzer vernahm den historischen Quellen nach eine Stimme, die ihn aufforderte, auf dem Habsberg eine Kapelle zu errichten, was er tat. Seine Marienfigur wurde als Gnadenbild zur neuen Kapelle auf den Habsberg gebracht. Nach der Überlieferung wurde Johann Panzer gesund.

Von 1760 bis 1769 baute man die spätbarocke Wallfahrtskirche nach den Plänen des Münchner Hofmaurermeisters Matthäus Gießl. Ausgestattet wurde die prachtvolle Wallfahrtskirche von einheimischen Künstlern und Handwerkern.

Neben der Kirche steht heute ein Wallfahrts- und Jugendheim sowie eine Gaststätte, in der Wallfahrer, Busgruppen und Ausflügler willkommen sind.

Noch ein Blick auf den mächtigen Turm, ein Innehalten in der Kirche oder eine Kerze, die in den ganz persönlichen Anliegen vor dem Gnadenbild abbrennt, so schließt sich ein fulminanter und entschleunigender Tag auf der Wallfahrerschlaufe. (Ulrike Eberl-Walter)

 

 

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