Freizeit und Reise

Er ist derzeit der weltweit größte 4-Bein-Schreitroboter, der feuerspeiende Further Drache. (Foto: Friedrich H. Hettler)

29.09.2020

Eine Urlaubsregion mit vielen unterschiedlichen Highlights

Unterwegs im Naturpark Oberer Bayerischer Wald

Das Beste steht nicht immer in den Büchern, sondern in der Natur“, schrieb schon Adalbert Stifter, der berühmte Dichter des Bayerischen Waldes. In der Natur „lesen“ und unvergessliche Naturerlebnisse mit nach Hause nehmen können Gäste im Naturpark Oberer Bayerischer Wald. Der zertifizierte Qualitätsnaturpark gehört zum größten zusammenhängenden Waldgebirge Mitteleuropas und besticht durch seinen vielfältigen Natur- und Lebensraum. Von der Auenlandschaft entlang des Regen bis hin zu den Bayerwaldbergen Kaitersberg, Osser, Hohenbogen, Gibacht-Voithenberg und nicht zu vergessen den König des Bayerwalds, der Große Arber, bietet diese Urlaubsregion unzählige Highlights.

Empfehlenswert für Wanderer ist zum Beispiel die „Acht-Tausender-Tour“ durch die ursprüngliche Bergwelt entlang des Bayerischen Walds – tolle Ausblicke bis ins Alpenvorland oder in den Böhmerwald inklusive. Ein weiterer Weg führt von der Hölle ins Paradies – quer durch ein einzigartiges Naturschutzgebiet. Mit über 179.000 Hektar gehört der Naturpark Oberer Bayerischer Wald zu den größten in Bayern.

Hier kann aber nicht nur die kontrastreiche und beeindruckende Landschaft entdecken und genießen, sondern auch Geschichte hautnah erleben. Bestes Beispiel dafür ist der Further Drachenstich oder aber auch der Nato-Horchposten am Hohenbogen, der sogenannte Fernmeldesektor F.

Nato-Horchposten

Dieser Horchposten, unmittelbar an der Grenze zum heutigen Tschechien, wurde 2004 stillgelegt. Neben Angehörigen der Bundeswehr waren dort bis 1992 US-amerikanische und bis 1994 französische Einheiten stationiert. Er bestand aus zwei Türmen und einer komplexen passiven Empfangs- und Abhöranlage. Seit Herbst 2014 ist der 75 Meter hohe Hauptturm mit einer außen angebrachten Stahltreppe und einer in 50 Metern Höhe liegenden Aussichtsplattform versehen und zu bestimmten Besuchszeiten für die Öffentlichkeit als Aussichtsturm zugänglich.

An den Nordhängen des Ahornriegels (1050 Meter) befindet sich ein Skigebiet. Eine Doppelsesselbahn mit 1,36 Kilometern Länge überwindet einen Höhenunterschied von 393 Metern und geht bis zum Gipfel. Darüber hinaus befindet sich am Fuße des Hohen Bogen ein Sport- und Freizeitzentrum. Im Sommer ist von der Mittelstation der Seilbahn eine Abfahrt mit der Sommerrodelbahn möglich. Außerdem gibt es einen Skate- und Funpark sowie eine Gras-Kart-Abfahrt. Im Winter wird neben klassischem Ski- und Snowboardfahren auch die Winterrodelbahn angeboten.

Bayerische Schmankerl

Wer am Hohenbogen sehr gut essen möchte, wird in der Gaststätte Haus Schönblick, auf knapp 1000 Metern Höhe, bestens verköstigt. Der Gast kann sich hier von der mehr als gutbürgerlichen Küche mit zahlreichen bayerischen und böhmischen Schmankerln verwöhnen lassen. Darüber hinaus hat man einen grandiosen Ausblick in die Further Senke und tief nach Böhmen.

Apropos Furth. In Furth im Wald findet jährlich das wohl älteste Volksschauspiel Deutschlands statt, der Further Drachenstich. Das Schauspiel wurde 2018 sogar in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Der Further Drachenstich hat seinen Ursprung offensichtlich in der Fronleichnamsprozession. Bereits 1590 wurde in einem Protokoll erwähnt, dass das „Drackenstecken bay hiesiger Statt yber die 200 Jahr ohn Unterbrechung observired wird“. Zur damaliger Zeit war es üblich, die Prozession mit lebendigen Bildern der Heilsgeschichte auszugestalten, in diesem Fall mit der Lebensgeschichte des Hl. Georg und dessen Kampf gegen den Drachen, das Böse.

Eine Zäsur für den Further Drachenstich brachte die Epoche der Aufklärung, in der man ihn sogar abschaffen wollte. Dagegen führten die Further über Jahrzehnte hinweg einen zähen, zunächst aussichtslos erscheinenden Kampf. Verschiedene Schreiben belegen das Hin und Her zwischen den Stadtverantwortlichen und den Regierenden. Da auch die Andacht der Prozessionsteilnehmer ständig unter dem Schauspiel litt, erteile das bischöfliche Konsistorium in Regensburg an den Further Pfarrer am 6. März 1754 den Befehl: „…dass bemeltes Drachenstecken auf keinerlei Weise mehr gestatte, sonder si opus fuerit brachio saeculari, abstellig machen soll….“ Immer wieder begründeten die Further ihr Festhalten am Drachenstich mit dem einleuchtenden Hinweis: „Dass das hiesige Städtlein an der höchstbedauerlichen Böhmischen Gränitz liege und… von allem Gewerb befreyet stehe, inmassen der Ort keinen Zugang, so folglich auch andererseits an Pier, Brod, Fleisch keinen Ausgang hat, außer an dem Tag, da viele hundert Menschen zum Drachenstechen in die Stadt kommen…“

1952 schrieb Josef Martin Bauer, der Autor des bekannten Romans So weit die Füße tragen, eine Neufassung des Schauspiels um die Tötung des Drachen, die nun als historischen Hintergrund die Hussitenkriege ausmalt und im Jahr 1431 spielt. In dieser Version wird der Drache zu einem Symbol für die Schrecken des Krieges im Grenzland um Furth herum. Held und Drachentöter ist der Fahnenträger Udo, der seine Burgfrau Maria („Die Ritterin“) rettet.

2006 wurde neben dem alten Stück von Bauer eine neue Version aus der Feder des Regisseurs Alexander Etzel-Ragusa uraufgeführt. Seit 2007 wird ausschließlich die neue Fassung aufgeführt. Das neue Stück soll der politischen Entwicklung (Zusammenbruch des Ostblocks) Tribut zollen und den Charakteren beziehungsweise der Geschichte zur Zeit der Hussitenkriege mehr Raum geben.

Feuer und Rauch

Am 15. Juli 2006 wurde bekanntgegeben, dass die Finanzierung eines neuen Drachen gesichert war. In neun Jahren Planungs- und Bauzeit entstand in der Firma Zollner Elektronik in Zandt ein 15,5 Meter langer, 3,8 Meter breiter, 4,5 Meter hoher und elf Tonnen schwerer Laufroboter. Die Kosten betrugen 2,3 Millionen Euro. Der Drache kann bis 1,8 Kilometer pro Stunde schnell gehen, verfügt über natürlich Bewegungsabläufe – kann den Kopf heben und drehen, den Schwanz bewegen –, eine ausgefeilte Gesichtsmimik, kann die Flügel bis zwölf Meter Spannweite spreizen, schleudert meterlange Feuerstöße und Rauch aus seinem Rachen und brüllt.

Seinen ersten Auftritt hatte er am 31. Juli 2010 . Der neue Drache ist zurzeit der weltgrößte Roboter auf vier Beinen und wurde 2012 ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Hollywood-Spezialisten, Raumfahrt-Forschung und führende deutsche Roboter-Hersteller haben in einer einmaligen Zusammenarbeit den Further Drachen ins Leben gesetzt: Eine weltweit einmalige Sensation. Der Projekttitel für den Bau des neuen Further Drachen lautete Tradinno (TRADition + INNOvation). Die Further nennen ihren Drachen liebevoll „Fanny“.

Während der vorstellungsfreien Zeit ist der Drache in der Drachenhöhle, einer Art Museum zur Geschichte des Volksschauspiels, zu bewundern. Darüber hinaus gibt es hier eingehende Informationen über die Technik des weltweit größten 4-Bein-Schreitroboters. Der Besuch der Drachenhöhle ist absolut lohnenswert.

Gesundheit im Vordergrund

Balance halten, einen ganz persönlichen gesunden Lebensstil finden und dazu noch jede Menge Freude am Leben haben: Schon Pfarrer Sebastian Kneipp wusste wie das optimal gelingt. Dazu setzte er auf eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen in seiner individuellen Lebenssituation. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) verfolgt diesen ganzheitlichen Ansatz und beruft sich auf eine sanfte, nachhaltige und naturnahe Behandlung.

Im hektischen Alltagstrott, einer zunehmenden Digitalisierung mit begleitenden Symptomen wie Burnout und Stress sind eine gesunde Work-Life-Balance, Achtsamkeit und Wohlbefinden für jeden Einzelnen von großer Bedeutung. Prävention und Gesundheitsbewusstsein erhalten heute, in Zeiten von Corona, einen neuen Stellenwert. Der Kurort Bad Kötzting im Bayerischen Wald vereint sowohl die Kneipp´schen als auch die asiatischen Ansätze der ganzheitlichen Gesundheitsförderung.

Bad Kötzting, Bayerns jüngstes Kneippheilbad, bietet seinen Gästen attraktive Angebote – Erholung, Kuren und Gesundheitsurlaub. Das junge Kneippheilbad ist ganz auf Gesundheit eingestellt. Hier gibt es unter anderem einen 12,3 Hektar großen Kurpark, die Erste Deutsche Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin, eine Reha-Klinik für Orthopädie und Neurologie, das neue SINOCUR-Präventionszentrum, ambulante Kneippkurbetriebe und die AQACURE-Badewelt mit angegliedertem Wellenfreibad.

Das neue IGM (Individuelles Gesundheits-Management) Lebensstilprogramm SINOCUR lässt einen zum Manager seiner eigenen Gesundheit werden und hilft dabei gesund zu bleiben, aber auch mögliche Krankheiten bereits im Vorfeld zu erkennen beziehungsweise zu vermeiden. SINOCUR Projektleiter Erich Wühr spricht von Gesundheitsbildung. Er sieht „den Kurort als Lernort“.

Gut für die Gesundheit ist aber auch eine Wanderung rund um den Kleinen Arbersee. Er liegt in der Nähe von Lohberg und weist einen sehr niedrigen pH-Wert auf, weshalb der See lange Zeit fischfrei war. Lediglich Kleinlebewesen können in diesem Milieu überleben. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass im Stillgewässer seit Anfang der 2010er-Jahre wieder einzelne Bachsaiblinge leben.

Ein besonderes Merkmal der beiden Arberseen (Kleiner und Großer Arbersee) sind die so genannten Schwingrasen, die am Ufer aufsitzen und gegen die Wasserfläche vorwachsen. Insbesondere am Kleinen Arbersee ist dieses ungewöhnliche Naturphänomen zu bewundern. Sie entstanden nach 1885, als der See um etwa einen Meter zum Triften des Holzes im Seebach (und weiter im Weißen Regen und Regen) aufgestaut wurde. Dabei vergrößerte sich der See von 2,9 Hektar auf 9,6 Hektar. Gleichzeitig haben sich die Moorfilze vom Ufer losgelöst und trieben lange Zeit als „schwimmende Inseln“ auf dem See.

Seit einigen Jahren ist ihre Position aber mehr oder weniger stabil. Stellenweise haben die Inseln eine Dicke von 1,5 bis 3,5 Meter, sodass sogar 40- bis 60-jährige Fichten auf ihnen wachsen. Die größte Insel hat eine Ausdehnung von 4500 Quadratmetern. Die Wassertiefe des Sees schwankt zwischen sechs und zehn Metern. Das Betreten der schwimmenden Inseln ist nicht zulässig, da Lebensgefahr besteht. Derzeit hat sich am Kleinen Arbersee ein Biber angesiedelt, was an zahlreichen typischen Nagespuren an Bäumen wunderbar zu sehen ist.

Sollte man nach dem Spaziergang rund um den See Appetit bekommen haben, das Gasthaus Seehäusl am Westufer wäre da die richtige Anlaufstation. Die regionale Küche ist sehr schmackhaft und die Portionen nicht gerade klein.

Mit der Kleinen Arberseebahn kann sich der Gast direkt vom Seehäusl zum Tierpark Lohberg shuttlen lassen. „Schau mir in die Augen”, unter diesem Motto begrüßt der 1989 ins Leben gerufene Tierpark seine Gäste. Darüber hinaus ist er der einzige Zoo in der Oberpfalz. Hier kann man die heimische Tierwelt des bayerisch-böhmischen Grenzgebiets mit über 400 Tieren in 100 Arten auf einem gut begehbaren Rundweg erleben und sich über die Lebensweise der Tiere und die Aufgaben der Einrichtung wie Artenschutz, Zucht und Forschung informieren.

Zum Angebot der schönen Anlage gehören unter anderem ein großes Wolfs-, Luchs-, Elch-, Wiesent und Rentiergehege. Zu sehen sind unter anderem auch Gänsegeiger, Schneeeule und Auerhuhn. Für die Kleinen gibt es einen Streichelzoo und Kinderspielplatz. Der Tierpark, der von der Tierärztin Claudia Schuh geleitet wird, ist eine kommunale Einrichtung der Gemeinde Lohberg.

Minigolfen in Arrach

Nicht allzu weit von Lohberg entfernt liegt Arrach mit einer tollen Erlebnisminigolfanlage der Familie Rackl. Im Gegensatz zum normalen Golfspiel ist Erlebnis-Golf einen spannende und herausfordernde Art Minigolf zu spielen. Das Besondere ist der Mix aus traditionellem Minigolf und Golf auf 18 individuell angelegten Bahnen, die in der gartenähnlichen Anlage mit vielen Naturmaterialien gestaltet wurden.

Statt, wie beim Minigolf üblich, sich auf starren und öden Asphaltbahnen zu bewegen, befindet sich der Spieler im Seepark Arrach in der freien Natur, auf Rasen, Hügeln und in Tälern. Das Gelände steckt voller regionaler Wahrzeichen und Spielhindernisse, die einfach Spaß machen. Zu den Highlights gehören sicherlich Attraktionen wie die Räuber-Heigl-Höhle, die Rauchröhren, die Türme des Hohenbogen, das Häuschen der Riedelsteinhexe oder die Whisky-Fass-Bahn. Ein herausfordernder Freizeitspaß für Jung und Alt.

Und wer nach der 18-Loch-Runde eine Pause braucht, seinen Sieg feiern oder einfach nur den Frust über eine Niederlage verdauen will, der kann das ganz einfach im direkt an der Erlebnis-Minigolf-Anlage gelegenen Café d‘Hoamat bei einem Getränk, besonders leckerem Kuchen oder Eis machen.

Ein Urlaub im Naturpark Oberer Bayerischer Wald ist wärmstens zu empfehlen, bietet er doch Abwechslung der unterschiedlichsten Art, ob Natur, Kultur oder Kulinarik. (Friedrich H. Hettler)

(Eine kleine schwimmende Insel im Kleinen Arbersee. Der Nato-Horchposten am Hohenbogen und Waschbären im Tierpark Lohberg - Fotos: Friedrich H. Hettler)

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