Freizeit und Reise

Gravelbiken im Bayerischen Wald: Genussradeln auf dem Grünen Dach Europas. (Foto: obx-news/Tourismusverband Ostbayern/Stefan Schopf)

08.09.2025

Genussradeln auf dem Grünen Dach Europas

Gravelbiken im Bayerischen Wald: Genussradeln auf dem Grünen Dach Europas

Schotter knirscht unter den Reifen, Bäche rauschen neben den Wegen, und am Horizont blitzen die Kämme des Grenzgebirges auf: Wer mit dem Gravelbike unterwegs ist, erlebt den Bayerischen Wald aus einer ganz besonderen Perspektive. Sanft, abwechslungsreich und voller stiller Schönheit - so präsentiert sich das "Grüne Dach Europas" den Radlern, die hier auf Schotter-, Wiesen- und Waldwegen unterwegs sind. 

Martin Schätzl, Mountainbike- und Gravelprofi aus Waldkirchen, liebt den besonderen Charme der Region: "Im Bayerischen Wald findet man eine unglaublich dichte Mischung aus Natur, Ruhe und anspruchsvollem Terrain. Es geht ständig auf und ab, man hat fein geschotterte Wege sowie flowige Waldpassagen. Mit dem Gravelbike kann man hier ideal aus dem Alltag flüchten."

Ein perfekter Einstieg ins Abenteuer beginnt in Waldkirchen. Auf dem Adalbert-Stifter-Radweg rollt man Richtung Haidmühle. Schon der erste Abschnitt zum Erlauzwieseler Stausee zeigt, was den Reiz der Region ausmacht: Wälder, Anhöhen, Wiesen, Dörfer. Wer einen kurzen Abstecher wagt, findet sich auf dem Wollaberg wieder, wo die Kirche St. Ägidius thront und sich der Blick weit über das Grüne Dach Europas öffnet - ein Mosaik aus dunklen Wäldern, gelben Wiesen und weißblühenden Hecken.

Die Route folgt der alten Bahntrasse bis nach Haidmühle. Breit, geschottert und ohne große technische Hürden - ein ideales Terrain für Einsteiger. Doch wer mehr will, dem eröffnet sich ab Frauenberg die sportliche Auffahrt zum Dreisesselberg. "Die Höhenmeter sind sportlich, doch gut machbar", sagt Schätzl. Vorbei an den bizarr verwitterten Granitblöcken führt der Weg hinauf zum Namensgeber des Berges. Drei "Sessel" aus Stein, die der Legende nach einst Königen als Rastplatz dienten, warten oben auf die Besucher.

Auf 1333 Metern Höhe schmeckt die Einkehr besonders gut. Hüttenwirt Philipp Schmöller ist selbst Biker und weiß daher, was Radfahrer brauchen, nebst ein paar Zimmern zum Übernachten. Für Schätzl ist der Berg ein Highlight: "Egal wie das Wetter ist, hier oben ist es immer magisch schön. Dies liegt auch an schönen Hüttenabenden und dem besonderen Bergerlebnis zwischen den wollsackverwitterten Felsen, dem Weitblick und der Ruhe am Berg."

Für Einsteiger ist der Adalbert-Stifter-Radweg die ideale Empfehlung. "Der Weg ist technisch einfach, bietet viel Natur und schöne Ausblicke. Wer ambitionierter unterwegs sein will, lässt sich eben eine Gipfeltour nicht entgehen. Almberg, Dreisessel, Haidel lassen sich super kombinieren. Alles auf Schotter, teils einsame Waldpassagen - ein echter Abenteuermix", sagt Schätzl.

Am Ende der Strecke wartet der kleine Erholungsort Haidmühle - ein idealer Platz, um den Tag bei bayerischer Küche und einem kühlen Getränk ausklingen zu lassen. Zurück geht es bequem bergab: Von 831 Metern in Haidmühle rollt man entspannt über den Stifter-Radweg zurück nach Waldkirchen auf 573 Meter.

Zurück in Waldkirchen locken kleine, feine Genüsse. Eine Eismanufaktur für die süße Belohnung, eine traditionsreiche Hausbrennerei für den besonderen Tropfen, gemütliche Gasthäuser rund um den Marktplatz mit dem plätschernden Marktbach. Wer Zeit hat, entdeckt mehr: das Einwanderermuseum im Emerenz-Meier-Haus in Schiefweg, die wildromantische Saußbachklamm oder den Karoli-Badepark.

Auch die Anreise ist Teil des Erlebnisses: Die Ilztalbahn bringt Radfahrer an Wochenenden und Feiertagen in einer knappen Stunde von Passau nach Waldkirchen. Entlang der letzten Wildwasserlandschaften Deutschlands ist schon die Fahrt selbst ein kleiner Ausflug.

Für Martin Schätzl ist das Gravelbike im Bayerischen Wald mehr als Sport. "Was ich auch erwähnen will, ist die mentale Komponente, welche nicht nur im Profisport eine enorme Rolle spielt. Hier hat der Bayerische Wald echte Geberqualität. Das weiß ich sehr zu schätzen." Für ihn ist aber auch die Wegeinfrastruktur, der Radservice und das gesamte Radangebot wichtig. Sein Fazit: "Gravel passt perfekt zur Region."

So wird das Gravelbike im Bayerischen Wald zum Schlüssel für Genuss, Naturerlebnis und Bewegung - ein sanftes Abenteuer auf dem Grünen Dach Europas. (obx)

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