Freizeit und Reise

Ethan Hawke und Austin Amelio in "The Weight" von Padraic McKinley, einer offiziellen Auswahl des Sundance Film Festivals 2026. Mit freundlicher Genehmigung des Sundance Institute. (Foto: Matteo Cocco)

11.02.2026

Hollywood im Arberland

Hollywood im Arberland: Wenn aus dem Bayerischen Wald Oregon wird

Der Morgen liegt schwer über dem Tal. Nebel hängt zwischen Fichten und Granit, das Licht tastet sich zögerlich durch die Landschaft. Es ist still im Bayerischen Wald - und doch ist hier gerade die Welt zu Gast. Kameras, Trucks, internationale Stars. Viechtach und Bodenmais, sonst vertraut mit Wanderern und Wintersportlern, verwandeln sich für einige Wochen in das Amerika der 1930er-Jahre. Oregon, genauer gesagt. Gedreht wird "The Weight", ein historisches Kinodrama mit Ethan Hawke und Russell Crowe. Und jetzt feiert der Film seine Weltpremiere - nicht irgendwo, sondern beim Sundance Film Festival in Utah, einer der wichtigsten Bühnen des internationalen Independent-Kinos.

Dass diese Reise ausgerechnet im Landkreis Regen ihren Anfang nahm, wirkt im Rückblick fast folgerichtig. Denn was hier seit Jahren als "Bayerisch Kanada" beworben wird, hat nun auch Hollywood überzeugt. Tiefe Wälder, wilde Flussläufe, archaische Landschaften - Ostbayern als perfekte Cover-Kulisse für den amerikanischen Nordwesten.

Gedreht wurde vollständig in Bayern. Neben Viechtach fanden auch Motive in Bodenmais, am Schliersee, in Tutzing sowie in den Bavaria Studios ihren Weg auf die Leinwand. Eingefädelt wurden die Drehorte von Bab Koller, gebürtiger Bodenmaiser und Teil des Location-Scouting-Teams der Film Commission Bayern. Ein Heimspiel mit internationaler Wirkung.

"The Weight" spielt im Jahr 1933. Nach dem Tod seiner Frau und einer Haftstrafe in einem Arbeitslager kämpft Samuel Murphy um das Sorgerecht für seine Tochter. Unter der Kontrolle eines skrupellosen Aufsehers wird er in einen gefährlichen Goldschmuggel verwickelt - bedroht von der Wildnis ebenso wie von Verrat aus den eigenen Reihen. Ein düsteres, dichtes Drama, inszeniert von Regisseur Padraic McKinley, getragen von einem hochkarätigen Cast: Neben Ethan Hawke und Russell Crowe stehen Julia Jones, Austin Amelio und Sam Hazeldine vor der Kamera.

Produziert wurde der Film als deutsch-amerikanische Koproduktion - mit starken Wurzeln in Bayern. Der FilmFernsehFonds Bayern unterstützte das Projekt mit zwei Millionen Euro. Für Medienminister Florian Herrmann (CSU) ist die Einladung nach Sundance ein klares Signal: Die Weltpremiere zeige, "welche außergewöhnlichen kreativen und technischen Leistungen der Filmstandort Bayern hervorbringt". Eine vollständig in Bayern gedrehte Produktion mit internationaler Besetzung auf einer der bedeutendsten Festivalbühnen - das sei, so Herrmann, "Ausdruck der Strahlkraft unseres Standorts".

Auch FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein betont das Zusammenspiel aus Förderung und Service: Mit professioneller Unterstützung der Film Commission habe man die Produktion "sehr gut ausgestattet". Dass der Film nun in Sundance starte, sei "großartig" - und ein Erfolg für das gesamte Team vor und hinter der Kamera.

Besonders spürbar ist der Stolz in der Region selbst. Ronny Raith, Landrat des Landkreises Regen, gibt offen zu, dass man zwar an die Qualität der Landschaft glaube - aber mit Weltstars in amerikanischen Kinofilmen dann doch nicht gerechnet habe. Dass seine Heimat nun "in die Kinos der Welt einzieht", freue ihn umso mehr. Und er hofft, dass viele weitere Filmteams das Arberland entdecken - "von Kleinkunst bis Blockbuster".

In Viechtach selbst war der Dreh mehr als nur ein Filmprojekt. Bürgermeister Franz Wittmann spricht von einem besonderen Moment für die Stadt: Man sei stolz, dass das "Bayerisch Kanada" für Oregon stehen durfte. Die Filmcrew habe hier nicht nur eine Kulisse gefunden, sondern einen Ort, "der Geschichten glaubwürdig lebendig werden lässt". Das Miteinander sei freundschaftlich gewesen - und für viele Beteiligte unvergesslich.

Auch Monika Häuslmeier, Leiterin für Tourismus, Kultur und Stadtmarketing, sieht nachhaltige Wirkung: Der Dreh zeige, dass Viechtach ein Ort sei, "an dem Geschichten wurzeln können". Ein kulturelles Signal, das weit über die Region hinausstrahle - und den Ruf Ostbayerns als offenen, kreativen Standort stärke.

Wenn "The Weight" über die Leinwand flimmert, wird niemand im Publikum wissen, dass das vermeintliche Oregon eigentlich im Bayerischen Wald liegt. Und genau darin liegt die Kunst. Ostbayern verschwindet - um sichtbar zu werden. Als Landschaft, als Stimmung, als glaubwürdiger Schauplatz einer großen Geschichte. (obx)

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