Freizeit und Reise

Holz, Höhe, Haltung: Der Ufogel bei Nussdorf-Debant in Osttirol denkt das Ferienhaus auf Stelzen neu. (Foto: Thomas Pitterl)

27.10.2026

Osttirol - "Land der Berge"

In Osttirol hat vieles noch seinen eigenen Rhythmus

Osttirol liegt nicht gerade auf dem Weg. Die Region südlich des Alpenhauptkamms hat keine Autobahn und keinen Flughafen. Dafür Dreitausender, Seitentäler und Dörfer, in denen vieles noch seinen eigenen Rhythmus hat. Wer Innovation vor allem da vermutet, wo Start-ups, Forschungslabore und Großstadt aufeinandertreffen, dürfte überrascht sein. Denn ausgerechnet im „Land der Berge“ entstehen Ideen, die ziemlich weit voraus sind. 

Vielleicht liegt das daran, dass man in Osttirol schon immer mit dem arbeiten musste, was ohnehin da ist: mit Holz aus der Region, alten Höfen, Handwerk, überliefertem Wissen – und mit einer Landschaft, die nicht beliebig umgebaut werden kann. Was anderswo schnell ersetzt wird, bekommt dort eine zweite Chance. Was fehlt, wird eben anders gelöst. Aus einem alten Stall wächst ein modernes Ferienhaus, aus einem denkmalgeschützten Stadl ein vielseitig genutzter Ort, aus regionaler Schafwolle ein zeitgemäßes Schlafsystem. Osttirol erfindet sich dafür nicht neu, es denkt das Bestehende weiter.

In Osttirol haben die natürlichen Gegebenheiten eine Haltung geprägt, die bis heute sichtbar ist: eigene Lösungen entwickeln und Bewährtes weiterdenken. Über den Tourismus hinaus zeigt sich das bei Unternehmen, die technologische Entwicklung mit ihrer regionalen Verwurzelung verbinden. Der Erfindergeist reicht von zeitgemäßen Genussprodukten über intelligente Energiesysteme bis zu maßgeschneiderten Industrielösungen. Hightech und Bergdorf sind dort kein Widerspruch. Im Tourismus bekommt dieser Ansatz eine andere Form. Sie zeigt sich in Gastgebern, die alte Gebäude weiterdenken, kleine Strukturen zu eigenständigen Urlaubsorten entwickeln oder Architektur selbst zum Erlebnis machen.

Im Osttiroler Innervillgraten lädt die Geschäftsführerin eines Textilverlags Gäste ein, den Ort ihrer Kindheit zu besuchen. Dafür hat sie ein außergewöhnliches Domizil geschaffen: das Loft im Stadl. Wo früher Tiere untergebracht waren, schlafen heute Reisende – zwischen Altholz, maßgefertigten Einbauten und ausgewählten Möbelstücken. Die bäuerliche Architektur ist dabei nicht Kulisse, sondern Teil des Hauses geblieben. Ähnlich zeigt der Kesslerstadel im Ortskern von Matrei, wie historische Bausubstanz heute unterschiedliche Funktionen unter einem Dach vereinen kann. Das denkmalgeschützte Gebäude bringt Coworking, Urlaub und Veranstaltungen zusammen. Auch das bedeutet Innovation: aus Gegebenheiten etwas Neues zu entwickeln, das optimal in die Gegenwart passt.

Manchmal beginnt Fortschritt mit einer ungewöhnlichen Form. Der Ufogel bei Nussdorf-Debant denkt das Ferienhaus neu: Kompakt, komplett aus Holz und auf Stelzen gebaut, verbindet die fast schwebende Konstruktion eigenwillige Architektur mit einem unkonventionellen Reiseerlebnis. Ein Haus, das fast aussieht, als hätte es sich ein Stück vom Boden gelöst. Bei Collis Hill prägen drei dreieckige Holzhäuser das Unterkunftskonzept. Die „Tichas“ greifen die Form von Berggipfeln und Tipis auf und bieten Raum für Kreativworkshops, Yoga-Retreats oder eine Auszeit zu zweit, mit der Familie oder Freunden. Beim Hochobn am Lienzer Schlossberg rückt das Übernachten selbst in den Mittelpunkt: Im Baumzelt schlafen Gäste mitten in der Natur und zugleich geschützt über den Baumkronen. Für ungemütliches Wetter stehen Hütte, Bad und WC als komfortable Alternative bereit. Drei Beispiele, die auf den ersten Blick ziemlich unterschiedlich sind und doch etwas gemeinsam haben: Sie versuchen nicht, die Landschaft zu übertrumpfen – sie finden ihren Platz in ihr.

Wo in Osttirol seit Generationen gearbeitet wird, entstehen mitunter überraschende neue Ideen: Die Naturbrennerei Kuenz in Dölsach kombiniert altbewährte Brennkunst mit moderner Produktentwicklung. Der Ausgangspunkt ist denkbar unspektakulär: Obst aus den eigenen Gärten. Daraus entsteht ein Betrieb, der regionale Rohstoffe, kurze Wege und moderne Energiegewinnung miteinander verbindet. Osttirol-Urlauber erfahren bei Führungen und Verkostungen den Weg vom Obstgarten bis zum fertigen Destillat. Am Figerhof in Kals geht die Landwirtschaft über die reine Produktion hinaus: Die eigene Hofkäserei verarbeitet die Milch der rund 300 Ziegen direkt vor Ort und macht aus regionaler Erzeugung ein kulinarisches Erlebnis. Bei der Villgrater Natur beginnt Innovation mit Vorhandenem: Aus einem Bergbauernhof entwickelte sich eine Naturmanufaktur, die heimische Schafwolle zu Schlaf- und Wohnsystemen veredelt. Der Familienbetrieb verbindet damit traditionelles Handwerk und überliefertes Wissen mit neuen Konzeptideen aus heimischen Ressourcen. Die Rohstoffe stammen möglichst aus der Region und werden in langlebige Güter verwandelt.

Wie erfinderisch frühere Generationen mit den Möglichkeiten ihrer Umgebung umgingen, zeigt das Freilichtmuseum Alpines Leben in Innervillgraten. Lüfter Mühle, Wegelate Säge, Lodenstampf, Einhof und Almhütte demonstrieren, wie Holz, Getreide und Wolle einst verarbeitet wurden. Die Lüfter Mühle etwa nutzt die Kraft des Arntalbachs: Ein unterschlächtiges Schaufelrad treibt das Mahlwerk an und verarbeitet Getreide zu Mehl. Die denkmalgeschützte Wegelate Säge von 1883 gilt österreichweit als eine der letzten „Venezianergatter“, eine Holzsäge mit Wasserantrieb nach Konstruktion von Leonardo da Vinci.

„Osttirol ist natürlich anders. Natürlich, im Sinne von Natur“ – so lautet das Credo der Urlaubsregion südlich des Alpenhauptkamms. Zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern, den Lienzer Dolomiten und dem Karnischen Grenzkamm gelegen, ist die Region geprägt von alpiner Landschaft, gelebten Traditionen und einer eng mit der Natur verbundenen Lebensweise. Mit insgesamt 265 Dreitausendern und dem Großglockner, höchster Gipfel Österreichs, nennt sich Osttirol zu Recht „das Bergtirol“. Naturliebhaber finden dort vielfältige Landschaftsräume und viel Raum für individuelle Naturerlebnisse. Aktive schätzen die idealen Bedingungen für Outdoor-Sport, in Bergsteiger- und Kletterkreisen genießt Osttirol längst Kultstatus. Genussurlauber erfreuen sich an der kulinarischen Vielfalt mit bodenständiger Kochkunst auf sehr hohem Niveau: von urigen Jausenstationen bis hin zu raffinierten Hauben-Restaurants. Außerdem spielen bäuerliche Traditionen eine entscheidende Rolle: Jahrhundertealte Rituale, regionales Handwerk und eine sanft gewachsene Brauchtumskultur prägen das Leben der Menschen in Osttirol – einst wie heute. (BSZ)

www.osttirol.com

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