Freizeit und Reise

Die Fleischbrücke mit der ehemaligen Mühle in Mauterndorf. (Foto: Angelika Irgens-Defregger)

31.03.2026

Vom Lungau nach Zell am See

Im Salzburger Land: Vom Gourmettempel zur Wellnessoase

Im Tal des Flusses Taurach im Bundesland Salzburg nahe der Grenze zu Kärnten liegt das 238 Kilometer von München entfernte Mauterndorf. Die einer Postkartenidylle gleichende Marktgemeinde befindet sich in der Region Lungau, wo auf über 1000 Meter Seehöhe unter anderem saftige Schwarzbeeren (Blaubeeren), aromatische Steinpilze und mehlige Eachtlinge (Kartoffeln) prächtig gedeihen. Überragt wird der ehemals an einer der wichtigsten Straßenverbindungen zwischen Venedig und den nördlichen Alpen gelegene Ort von der gleichnamigen Burg.

Wie der Ortsname vermuten lässt, lag im Mittelalter hier eine Mautstelle, die im 13. Jahrhundert zu einer Burganlage umgebaut wurde. Vermutlich stand an dieser Stelle bereits seit dem frühen 4. Jahrhundert ein römischer Wachtturm zum Schutz des Tauernübergangs. Die auf dem Hügel gelegene Burganlage verbindet sich nicht nur mit den Namen berühmter Salzburger Bischöfe, sondern auch mit dem Namen von Hermann Göring.

Restaurant
Mesnerhaus

1894 gelangte die Burg in den Besitz des Berliner Arztes Hermann von Epenstein, der für den Erhalt der Anlage sorgte. Seinem Wunsch folgend vererbte dessen Witwe die Immobilie seinem Patensohn Hermann Göring, dessen Familie im Haus des geadelten, jüdischen Hermann von Epenstein verkehrte. Görings Mutter pflegte ein offenes Verhältnis zu dem Burgherrn, der sich mit Görings Vater Heinrich während seines Aufenthalts in Deutsch-Südafrika angefreundet hatte. Auf der Flucht vor den Amerikanern im Mai 1945 wollte sich Göring hier zurückziehen, entschied sich dann doch für Schloss Fischhorn bei Bruck an der Großglocknerstraße, wo er von den Amerikanern festgenommen wurde.

Nach einem lange währenden Rechtsstreit ist die Burg Mauterndorf seit 1968 in Besitz des Staates. Sie wurde im Jahr 2000 zur Erlebnisburg umgewidmet und beheimatet seit 2007 das Lungauer Landschaftsmuseum. In den ehemaligen Wohnräumen, einschließlich des Rittersaals, ist heute die Burgschenke untergebracht.

Die eigentliche kulinarische Visitenkarte des Ortes ist das nur wenige Meter entfernte Restaurant Mesnerhaus mitten im Ort. „Die Natur ist unser bester Lieferant“, sagt Josef Steffner. Der Mauterndorfer Spitzenkoch widmete den vielen regionalen Köstlichkeiten, darunter auch Rehschlögel und blaue Garnelen, nicht nur ein eigenes Kochbuch (Titel: So schmeckt der Lungau) voller Schmankerl aus der Rezeptsammlung seiner Urgroßmutter. Zusammen mit seiner Frau Maria führt er seit 2007 im geschichtsträchtigen Mesnerhaus in Mauterndorf ein Gourmetrestaurant, das für seine bis zu Acht-Gänge-Menüs bereits mit vier Hauben von Gault Millau, vier Gabeln von Falstaff und einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde.

Die passenden sieben Genießerzimmer im neuen Annexbau, der 2021 fertiggestellt wurde, sind nur die konsequente Weiterentwicklung der Erfolgsgeschichte des Ehepaars, das seit 2010 auch Eigentümer des denkmalgeschützten Mesnerhauses ist. Man fühlt sich hinter den dicken Mauern des im Kern bis ins 16. und 17. Jahrhundert zurückreichenden Altbaus, wo die kulinarischen Kreationen gekocht und am Abend serviert werden, ebenso wohl, wie in den modernen Übernachtungszimmern des Neubaus, wo man am Morgen noch traditionell vom Glockengeläut der Pfarrkirche zum Hl. Bartholomäus geweckt wird.

Die Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Dass auch gute Köche gute Liebhaber seien, diese Weisheit verkündet die Hausherrin uns augenzwinkernd am reichlich gedeckten, lichtdurchfluteten Frühstückstisch mit Blick auf den von ihrem Ehemann gepflegten Garten. Besonders hervorzuheben: ihre Marillenmarmelade, selbst gemacht, aber unverkäuflich. Die redselige Hausherrin, die sich als Tochter von Lungauer Kartoffelbauern ihre Bodenständigkeit bewahrt hat, zeichnet verantwortlich für Service und Hotel, wenn sie nicht gerade mal eben im Bergbach Eisbaden geht.

Auch Kaiserin Sisi urlaubte bereits hier

Womit wir auch schon zu unserer nächsten Urlaubsdestination Zell am See im Pinzgau wären, wo im Hotel Salzburger Hof die Innovation Eisbaden im Badebiotop eine Trendwende im Wellnessbereich einläutet. Schließlich müssen die hier nur allzu gern aufgenommen Kalorien der mit drei Hauben von Gault Millau und drei Gabeln von Falstaff ausgezeichneten Küche von Stefan Reiter wieder durch Aktivieren des braunen Fettgewebes durch Abkühlung verbrannt werden.

Das Fünfsterne-Superior-Haus mit Wellness-Schlössl, eingebettet in einer paradiesischen Grünanlage, liegt mitten in der Stadt. Wir treffen die 95-jährige Hotelgründerin Gisela Holleis, die sich erst vor zwei Jahren vom operativen Bereich der Geschäftleitung zurückgezogen hat. Voller Leidenschaft berichtet die Grande Dame von ihren Anfängen in der Tourismusbranche, ihren Kontakten nach Frankreich in Zeiten, als die Franzosen die ersten waren, welche die Destination Zell am See für sich entdeckt haben. Später folgten die Schweden, dann kamen die Russen und Araber.

Mit dem ersten Spatenstich für den Bau einer modernen Frühstückspension starteten 1967 sie und ihr Mann, der Stadtbaudirektor Wilhelm Holleis, eine vom boomenden Alpentourismus getragene Karriere, die bis heute immer weitere Kreise zog. Peu à peu wurden umliegende frei gewordene Grundstücke erworben und die Anlage kontinuierlich erweitert sowie drei weitere Hotels in der näheren Umgebung und in Kroatien erworben. Die Holleis wurden zu Pionieren einer neuen Hotel-Generation, die konsequent auf Wellness gesetzt hat, in Österreich eine der ersten Wellnessoasen erschuf und sich rühmen kann, heute auf der Hotlist der fünf besten Wellnesshotels in den Alpen zu stehen.

Dass ihr Markenname im Übrigen für Luxus und Tradition steht, zeigt sich nicht zuletzt auch in den neuen Hotelsuiten des Architekten Karl Landauer, die im alpenländischen Stil gestaltet sind und wo sich die Gemütlichkeit einer Tiroler Bauernstube mit der aristokratischen Noblesse eines Barockschlosses verschränkt. Zum Portfolio der Holleis gehört unter anderen auch das wieder neu aufgebaute Grand Hotel, direkt am Zeller See gelegen.

Dass Zell am See überhaupt zu einem Kur- und Nobelort wurde, ist Sisi zu verdanken, die auf der ersten Welle des Sommerfrischetourismus nach Zell am See gelangte. Bereits in den 1870er-Jahren erklomm die Kaiserin zu Fuß den Hausberg Schmittenhöhe, die seit 1927 auch mit der Seilbahn zu erreichen ist. Die Elisabethkapelle auf der Schmittenhöhe wie der gleichnamige Park im Süden der Stadt erinnern an die Kaiserin, die auch gemeinsam mit ihrem Gemahl hier verweilte.

Auf dem heutigen Parkgelände direkt neben dem 1875 eröffneten Bahnhof befand sich von 1879 bis 1915 das weitläufige Seehotel Elisabeth, in dem der Kaiser und die Kaiserin 1885 übernachteten. Dieses in schweizerischer Buntwerk-Bauweise errichtete ehemalige Musterhotel der Wiener Weltausstellung von 1873, das abgebaut, zwei Jahre später per Bahn transportiert, in Zell am See wieder aufgebaut und wegen Baufälligkeit 1915 abgerissen wurde, läutete die eigentliche Gründerzeit der ersten Hotelbauten ein.

Dies und vieles mehr erschließt sich dem Besucher des Stadtmuseums, das im ältesten Profangebäude der Stadt, dem Vogtturm, untergebracht ist. Hier erfährt man auch, dass auf dem Zeller See im Winter Eis geerntet und mit der Bahn zu den Bierbrauereien bis nach München transportiert wurde. Damit erzielte die Gemeinde um 1900 beträchtliche Einkünfte.

Zu den Prominenten, die sich in Berg, See und Gletscher verliebten und für die Zell am See zur zweiten Heimat wurde, zählten die Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal und Stefan Zweig, der Zeichner Alfred Kubin, die Familie Trapp und nicht zuletzt Ferdinand Porsche.

Die Porsche Eisrennen auf dem zugefrorenen See in den Jahren von 1937 bis 1974 sind legendär. In Zeiten des Klimawandels erlebt das Event für Autoenthusiasten auf dem alten Flughafengelände ein Comeback. 1974 übersiedelte das von dem Enkel Ferdinand Alexander Porsche in Stuttgart gegründete Porsche Design Studio nach Zell am See. Mit einer Sonderausstellung im Museum Vogttum wurde vor einiger Zeit sogar an den Firmengründer und Autodesigner erinnert, dessen Name heute nicht nur für die Design-Ikonen Porsche 911, schwarze Armbanduhr und erste Sonnenbrille mit Wechselgläsern steht, sondern für eine breit gefächerte Produktpalette, die von Medizintechnik über Straßenbahnen bis zu Luxusjachten reicht.

Pinzgau ist Reise- und Porscheland. Sowohl das Landhaus Erlhof, wo die als Familienchor auftretende Familie Trapp, bekannt durch das Musical The sound of Music, bis zu ihrer Flucht vor den Nazis nach Amerika ihre Sommerfrische genoss, als auch das fürstbischöfliche Jagdschloss Prielau, einst Wohnsitz der Familie Hofmannsthal (nach deren Enteignung im Zuge der Arisierung wurde der Bildhauer Joseph Thorak neuer Eigentümer) sind heute in Besitz der Familie Porsche und Piech und werden als historische Boutiquehotels geführt. Zum Porsche-Imperium hinzu gesellen sich der Flugplatz Zell am See sowie der Familienstammsitz Schüttgut samt Seevilla. (Angelika Irgens-Defregger)

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