Reisen

Hotel Schloss Leopoldskron mit der Festung Hohensalzburg im Hintergrund. (Foto: Irgens-Defregger)

07.06.2017

Zuhause bei Jedermann

Im Salzburger Hotel Schloss Leopoldskron ist die Vergangenheit lebendig

„Auf den Plätzen, deren es viele und schöne gibt, wächst zwischen den Pflastersteinen Gras, so wenig werden sie betreten.“ So schrieb einst Franz Schubert über Salzburg. Auf den ausgetretenen Pfaden durch Salzburgs Innenstadt wächst heute kein Gras mehr. Die Altstadt mit ihren rund 50 Sehenswürdigkeiten ist ganzjährig ein Magnet für Scharen von Touristen. 1997 wurde die Stadt von der UNESCO als Weltkulturerbe unter besonderen Schutz gestellt.
Auch das Musik- und Theaterangebot der Mozartstadt kann sich sehen lassen. Mozarteum, Festspielhaus, Residenz, Festung Hohensalzburg, Schloss Mirabell sowie Schloss und Park Hellbrunn sind die Austragungsorte jährlich wiederkehrender musikalischer Veranstaltungen: von der Mozartwoche im Februar über die Osterfestspiele und Pfingstkonzerte bis zu den Salzburger Festspielen im Sommer, die zweifellos der Höhepunkt des Jahres sind.

Max Reinhard kaufte
das baufällige Anwesen

Wer wissen will, wo sich der Theaterimpresario der Salzburger Festspiele Max Reinhardt für sein Erfolgstück Jedermann hat inspirieren lassen, logiert am besten in dessen ehemaligem Zuhause: im Hotel Schloss Leopoldskron, dem ehemaligen Familienbesitz von Salzburgs Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian, der das Rokokoschloss 1736 nach Plänen des schottischen Benediktinermönchs Bernhard Stuart erbauen ließ.
Leopold von Firmian war ein großer Liebhaber von Wissenschaft und Kunst. Er war aber auch berüchtigt für seine unbarmherzige Vertreibung von 22 000 Protestanten aus seinem Bistum. Eine kulturelle Bereicherung des Hauses war auch die Ära seines kunstsinnigen Neffen Graf Laktanz von Firmian. Der Künstler und Kunstsammler pflegte die Musik, außerdem war er einer der ersten Förderer von Leopold Mozart und dessen Sohn Wolfgang Amadeus.
Nach Laktanz Tod 1786 begann dann der große Ausverkauf des Schlosses. Es wechselte mehrfach seine Besitzer, darunter war auch der bayerische König Ludwig I. 1918 erwarb Max Reinhard das baufällige Anwesen.

„Ich habe 18 Jahre in Leopolds-kron gelebt, wirklich gelebt, und ich habe es lebendig gemacht. Ich habe jedes Zimmer, jeden Tisch, jeden Sessel, jedes Licht, jedes Bild gelebt. Ich habe gebaut, gezeichnet, geschmückt, gepflanzt und geträumt davon, wenn ich nicht da war“, schreibt Reinhard aus seinem New Yorker Exil an seine Frau, die österreichische Schauspielerin Helene Thimig.
Bereits zehn Jahre zuvor war sein hochherrschaftliches Anwesen, von der nationalsozialistischen Regierung als „jüdischer Besitz“ konfisziert worden. Erst nach dem Krieg wurde es an seine Erben zurückgegeben.

Seit 1947 ist das Schloss die Heimat der internationalen Non-profit-Organisation „Salzburg Global Seminar“ – eine Art Marschall Plan des Geistes mit der Vision der Völkerverständigung. Zum Besitz später hinzu kam auch der benachbarte, noch ältere Meierhof, in dem vormals der Schlossverwalter wohnte. Zu den zwölf historischen Suiten im Schloss sind 55 edel restaurierte Zimmer im ehemaligen Wirtschaftsgebäude 2014 hinzugekommen.

Die beiden, an einem großen Weiher mit Blick auf den Untersberg gelegenen, denkmalgeschützten Häuser unter Leitung des gebürtigen Münchners Daniel Szelényi, sind heute diskrete Rückzugsorte. Die Gäste frühstücken im Marmorsaal des Schlosses, haben die Möglichkeit im Chinesischen Zimmer Zeitung zu lesen, im Venezianischen Zimmer Feste zu feiern oder in der Großen Halle bei Kaminfeuer den Tag ausklingen lassen. Wer will, kann von der Bibliothek durch einen geheimen Gang direkt in die eigene Max-Reinhardt-Suite gelangen und sich am authentischen Ort des Wirkens des Vorbesitzers von dessen großem Geist inspirieren lassen.

Berühmtheiten wie Marcel Marceau, Kofi Annan, Hillary Clinton oder Prinz Charles waren Gäste im sogenannten Sound of Music–Schloss, dessen Außenanlage mit weitläufigem, sieben Hektar großem Park 1964 als Drehort der äußerst erfolgreichen Musical-Verfilmung The Sound of Music diente.
Vor dem Schloss startet auch die heute beliebte „Sound of Music-Tour“ zu den Originaldrehorten des Films, darunter auch Schloss Mirabell, der neuen Heimat des einst im Park von Leopoldskron beheimaten Glaspavillons. Die Filmrequisite ist ein beliebtes Fotomotiv, vor allem bei Amerikanern, von denen es heißt, der Film über die wahre Geschichte der Familie Trapp hätte ihr Bild von Salzburg nachhaltig geprägt.

Unter den Salzburger Storyhotels macht dem Hotel Schloss Leopoldskron nur ein Haus Konkurrenz, das am anderen Ende der Stadt am Fuße des Kapuzinerbergs gelegene Vier-Sterne-Haus Hotel & Villa Auersperg. Dem in dritter Generation geführten Boutiquehotel mit Gründerzeitwurzeln und pittoreskem Stadtgarten im Einklang mit der Natur ist die Kombination von Geschichte und zeitgemäßer Ausstattung ebenfalls rundum gelungen. Für ihre herzliche Gastfreundschaft und ihr Qualitätsmanagement wurde dem Ehepaar Bettina und Mark Wiesinger jüngst eine besondere Ehre zu teil. Von der Hotelvereinigung „Schlosshotels & Herrenhäuser“ wurde ihnen die Auszeichnung „Gastgeber des Jahres 2017“ verliehen.
(Angelika Irgens-Defregger )

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