Kommunales

Ein Schild weist auf einem Dorf den Weg zum Arzt. (Foto: dpa/Tom Weller)

15.06.2020

114 Bewerber beim Run auf Studienplätze für Landärzte erfolgreich

Immer mehr Dörfer haben keine Hausarzt-Praxis mehr. Viele Menschen müssen weit fahren, wenn sie krank sind. Mit der neuen Landarztquote will die Regierung dieser Entwicklung entgegentreten.

Die neue Landarztquote in Bayern verschafft 114 Kandidaten - auch ohne Einser-Abitur - die Chance auf einen Medizinstudienplatz. Dafür müssen sie sich per Vertrag verpflichten, mindestens zehn Jahre lang als Hausarzt im ländlichen Raum tätig zu sein. "Das Interesse an unserem Angebot war groß: 685 junge Menschen haben sich fristgerecht beworben", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) laut Mitteilung vom Sonntag. Mit der Quote von bis zu 5,8 Prozent aller Medizinstudienplätze in Bayern will die Staatsregierung dem Ärztemangel gerade auf dem Land entgegentreten.

Zu den Auswahlkriterien gehörte unter anderem eine Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf. Eigentlich angesetzte Bewerbungsgespräche waren in diesem ersten Durchlauf wegen der Corona-Krise entfallen.

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) freut sich über das Interesse an dem Programm: Die Landarztquote biete motivierten und qualifizierten jungen Menschen eine berufliche Perspektive und zugleich würden Mediziner für den ländlichen Raum gewonnen. Bayern investiere stark in die medizinische Ausbildung, sagte Sibler. "Mit 2100 zusätzlichen Medizinstudienplätzen in den kommenden Jahren treiben wir die Ärzteversorgung in ganz Bayern weiter voran, unter anderem am neuen Universitätsklinikum Augsburg und mit dem neu eingerichteten Medizincampus Oberfranken."

Durchschnittsalter liegt bei 24 Jahren


Am häufigsten vertreten bei den erfolgreichen Bewerbern sind den Angaben zufolge Pflegefachkräfte und Notfallsanitäter. Das Durchschnittsalter liege bei 24 Jahren. 59 Prozent seien Frauen. 61 Prozent kämen aus Bayern. Sie sollen ab diesem Montag benachrichtigt werden. Ihr Studium beginnt dann mit dem Wintersemester 2020/21.

Der Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, sagte: "Gerade die Corona-Krise zeigt uns sehr deutlich, wie wichtig eine flächendeckende ärztliche Versorgung ist. Das Interesse am Arztberuf freut mich sehr."

Das Gesetz zur neuen Quote war am 1. Januar 2020 in Kraft getreten. Gerade auf dem Land besteht oder droht mancherorts Unterversorgung an Hausärzten in Wohnortnähe. Studienplätze zu reservieren im Gegenzug für eine Verpflichtungserklärung, künftig dort zu arbeiten, ist einer von mehreren Wegen der Politik, die Probleme zu beheben. (Marco Kreftig, Ute Wessels, dpa)

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