Kommunales

Auf dem Paketpostareal sollen Hochhäuser entstehen. Foto: dpa

20.08.2026

155 Meter hoch: Erneut Ärger um die zwei Münchner Hochhaustürme

Die Gegner der geplanten Riesen-Hochhäuser planen eine Klage gegen das umstrittene Wohn- und Büroprojekt

Die Gegner der Münchner Riesenhochhäuser wollen sich nicht geschlagen geben und rechtlich weiterhin gegen den Bebauungsplan für das Paketpost-Areal vorgehen. Jüngst gab die Bürgerinitiative Hochhausstopp bekannt, dass sie ein Normenkontrollverfahren gegen den Bebauungsplan unterstützen wird. Eine Klage wurde für Dezember 2026 angekündigt.

Der Bebauungsplan wurde Ende Juni im Amtsblatt der Stadt bekannt gemacht. Einen Bürgerentscheid hatte das Verwaltungsgericht Anfang des Jahres abgelehnt. Nun ist der Weg für die Bebauung nahe der S-Bahn-Stammstrecke eigentlich frei – hier sollen Büros für 3000 Beschäftigte und 1200 Wohnungen entstehen.

Geplant sind drei Hochhäuser: zwei Türme mit einer Höhe von 155 Metern und ein Gebäude mit 65 Metern. Die benachbarte alte Paketposthalle ist Teil des Vorhabens. Sie steht allerdings unter Denkmalschutz. Der Investor, die Büschl-Gruppe aus Grünwald, ist verpflichtet, die Halle zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür muss sie teuer saniert werden.

Die beiden ehemaligen Münchner Stadträte und heutigen Hochhausstopp-Sprecher Robert Brannekämper (CSU) und Wolfgang Czisch (SPD) präsentierten den Medien Anfang August ihre wesentlichen Kritikpunkte an dem Vorhaben. Ein zentraler Kritikpunkt ist, wie weit die Stadt dem Investor entgegengekommen ist: Damit er die Paketposthalle sanieren kann, wurde ihm eine sehr dichte Hochhausbebauung zugestanden.
Hinzu kommt, dass die Sanierungskosten der Halle in Höhe von 100 Millionen Euro auf die städtischen Sobon-Abgaben angerechnet werden. Sobon steht in München für die Sozialgerechte Bodennutzung.

Das 1994 eingeführte Planungsinstrument verpflichtet private Investoren, sich bei ihren Bebauungsplänen an den Kosten für die öffentliche Infrastruktur zu beteiligen und einen festen Anteil an bezahlbarem beziehungsweise gefördertem Wohnraum zu schaffen.

Aus Brannekämpers Sicht passen die Sanierungskosten der Halle jedoch nicht zur Sobon, weil es sich dabei nicht um Kosten des neuen Wohngebiets handelt.

Alt-OB Ude ist auch gegen das Projekt

Außerdem verpflichtet sich der Investor, auch bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen. Allerdings fehlen derzeit die nötigen öffentlichen Fördermittel. Daher haben Stadt und Büschl-Gruppe in einem Nachtrag zum städtebaulichen Vertrag eine „Auffangklausel“ verankert. Eine denkbare Option wäre, dass der Investor diese fertigen Wohnungen direkt an die Stadt überträgt.

Kritiker fürchten, dass die Stadt München die Infrastruktur- und Folgekosten des neuen Viertels alleine stemmen müsse – und das, obwohl sie derzeit große finanzielle Probleme hat.

Der frühere Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sprach sogar davon, dass die Sobon in diesem Fall „nur noch dem Vermögen des Investors“ diene. Außerdem stehe die typische „Münchner Mischung“ verschiedener Schichten auf dem Spiel, wenn sich bezahlbare Mietwohnungen und „alle Sozialfälle“ im kleinen Hochhaus konzentrierten, während die Besserverdienenden aus den hohen Türmen „auf die Stadt herabsehen“ könnten. Deren Höhe würde zudem die Altstadtsilhouette beeinträchtigen.

Ude gehört zwar nicht zu den traditionellen Münchner Hochhausgegnern, möchte aber den Bürgerwillen respektiert wissen, der seit dem Entscheid im Jahr 2004 nicht mehr abgefragt wurde. Czisch kritisierte zudem, dass Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) einen Konzertsaal unter der Paketposthalle für eine ernsthafte Option zu halten scheine.

Wer gegen den Bebauungsplan klagen wird, wurde noch nicht bekannt gegeben. Infrage kommen die direkt betroffene Nachbarschaft und zur Klage berechtigte Verbände, etwa aus dem Naturschutz. (Irene Gronegger
 

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