Kommunales

Die Preise für Lifttickets stiegen laut Verband Deutscher Seilbahnen um rund 10 Prozent. (Foto: Wallbergbahn/Dietmar Denger)

11.11.2022

Bayerns Wintersportorte schauen weiter in ungewisse Zukunft

Nach dem Ende der Corona-Maßnahmen glaubten die Ski-Kommunen, sie könnten aufatmen – doch Ukraine-Krieg und Inflation könnten die Lage nochmals verschlimmern

Bayerns Wintersportorte stehen – wie das gesamte Alpengebiet – vor einer harten Wintersaison. Nach Corona sorgen nun extrem hohe Energiekosten für Probleme und Verunsicherungen bei der Kundschaft. Dennoch steigt die Nachfrage nach natürlichen Erlebnissen im Schnee.

Die Wintersaison steht inzwischen wieder vor der Tür – und kaum jemand wagt sich an eine Prognose heran, wie diese verlaufen wird. Als sich Anfang Oktober in Berchtesgaden Vertretende der Tourismus- und Sportartikelbranche sowie Repräsentierende zahlreicher Verbände und ehemalige Spitzensportler*innen bei der Veranstaltung mit dem Titel Dein Winter. Dein Sport .Summit trafen – da war die Verunsicherung deutlich spürbar. Nach mehr als zwei Jahren Pandemie mit diversen Lockdowns freute man sich in den bayerischen Urlaubsdestinationen über eine gute Sommersaison, die endlich wieder Zuversicht brachte.

Doch mit den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und vor allem mit den stark gestiegenen Energiekosten samt drastischer Inflation scheint der Ausblick noch unsicherer als in den Wintern davor. In den Skigebieten beherrscht vor allem die Frage um die Energiekosten und die Auswirkungen auf die Ticketpreise die Diskussion. Für die Unternehmen der Tourismusbranche ist der größte Risikofaktor das Thema Energie und Kosten, mit 91 Prozent deutlich vor den Arbeitskosten mit 67 Prozent und dem Fachkräftemangel mit 63 Prozent, vermeldet die Tourismusberatung Dwif-Consulting in München.

Mit den Energieproblemen verbunden sind auch negative Effekte auf das Buchungsverhalten der Gäste. Die Preissteigerungen bei den Lifttickets erscheinen für normale Verhältnisse schon recht hoch mit Werten um rund 10 Prozent laut dem Verband Deutscher Seilbahnen (VDS). Angesichts der kursierenden Horrorszenarien, was Gas- und Stromkosten angeht, scheinen sie wieder moderat. Aber auf verbindliche Zahlen für den gesamten Winter lässt sich kaum ein Bergbahnunternehmen ein. Dabei wären die Rahmenbedingungen seitens der Kundschaft gar nicht schlecht. Outdooraktivitäten sind nach den Lockdowns hoch im Kurs. „Das Verlangen wird auch weiterhin groß sein, sich im Winter im Schnee zu bewegen“, prophezeite Ralf Roth vom Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung der Deutschen Sporthochschule Köln. Skistar Felix Neureuther forderte, dass vor allem Kinder berücksichtigt werden müssen, die lange Zeit nur eingeschränkt mobil sein konnten und für die die emotionale Bindung zur Natur und zur Bewegung von enormer Bedeutung ist.

Eine zentrale Frage der Veranstaltung war, wie sich angesichts der aktuellen Entwicklung die Wahrnehmung des Wintersports verändern kann, welche Prioritäten die Menschen bevorzugen und wie man darauf reagieren kann und soll. Für Lars Bengsch, Geschäftsführer der Tourismusberatung Dwif-Consulting, ist klar, dass der Outdoor-Hype weiter bestimmend bleibt, dass dazu eine stärkere Rückkehr zu klassischen Verhaltensmustern erkennbar sei. Deutlich spürbar ist demnach ein Trend zu autarken Unterkünften wie Ferienwohnungen und Camping – eine Entwicklung, die auch mit dem Ausbruch der Pandemie schon sehr dynamisch war.

Naturerlebnis und Unabhängigkeit sind Faktoren, die offensichtlich auch die Winterferien im Schnee stark prägen werden. So sieht das auch Harry Gmeiner, Vorstand des Kompetenzzentrums Tegernsee Schliersee, einem zum Landkreis Miesbach gehörenden Kommunalunternehmen. „Das Naturerlebnis und die Wertigkeit des Skifahrens stehen mehr im Zentrum. Für uns in Bayern heißt das, dass Erweiterungen künftig passé sein werden und es vor allem um die Verbesserung vorhandener Strukturen gehen wird.“

Es fehlen verlässliche Marktforschungsdaten

Keine leichte Aufgabe vor dem Hintergrund, dass konkrete Planungen und Budgets sich in diesen Zeiten sehr schwierig gestalten. „Es fehlen auch zeitnahe, verlässliche Marktforschungsdaten“, meint Lars Bengsch. Dazu passt auch, dass das aktuelle Kommunikationsverhalten der Anbieter, also Tourismusverbände und Bergbahnen, sehr zurückhaltend ist. „Allein der Balanceakt zwischen notwendigen Preiserhöhungen und vertretbaren bezahlbaren Beträgen, die der Nachfrage nicht schaden, gestaltet sich recht schwierig“, so Tourismusberater Bengsch. Wie unsicher sich das gestaltet, erläutert der Vorstand der Jennerbahn am Königssee, Thomas Hettegger. „Da unser Stromvertrag ausgelaufen ist, kaufen wir jetzt am Spotmarkt ein, haben Preise in den letzten Monaten zwischen 19 und 50 Cent pro Kilowattstunde und monatliche Stromkosten, die in der Spitze von 25 000 auf 150 000 Euro gestiegen sind.“

Eine langfristige Aufgabe aus dieser Entwicklung heraus wird es sein, den Nachwuchs für das Skifahren zu begeistern, das auch erschwinglich sein muss, meint Matthias Stauch von der Zugspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen, der auch Vorsitzender Vorstand des Verbands Deutscher Seilbahnen ist. „Dazu gehören Skitage an den Schulen, besondere Angebote für Familien und Infoveranstaltungen an Schulen, wie wir sie in Garmisch-Partenkirchen machen.“

Auf absehbare Zeit werden Aktivitäten im Schnee abseits der Piste auch aus Kostengründen eine wichtigere Rolle spielen. Hybride Urlaubsformen mit und ohne Ski werden unverzichtbar. So praktiziert man das auch im Stubaital in Tirol, eine der stärksten Winterdestinationen in Österreich. „Es gibt ein Zurück zu den alten Zeiten, wobei wir im Tal gemütliche und stimmungsvolle Angebote haben wie reaktivierte Winterwandernächte. Oben auf dem Gletscher spielen sich verstärkt die sportlichen Aktivitäten ab“, sagt Michael Gstrein vom Stubaier Tourismusverband. (Georg Weindl)

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