Lorenz Höfler will nicht lange warten. Als neuer Bürgermeister von Karsbach möchte der 24-Jährige in den ersten Wochen umgehend die Digitalisierung vorantreiben. Bislang läuft in der unterfränkischen 1700-Einwohner-Gemeinde noch immer vieles in Papierform ab. Das wichtigste Projekt für den Youngster ist jedoch der Neubau der Kläranlage – dabei geht es um eine hohe Millionensumme.
Doch Höfler hat sich nie vor Verantwortung gedrückt. Bereits in der Grundschule habe ihn die Direktorin „immer Bürgermeister genannt“. Der Unterfranke hat damals schon gerne mitangepackt. „Ich war dann Klassensprecher, Schülersprecher und viel in Vereinen aktiv.“ Der Förster weiß, wie wichtig eine gute Haushaltsführung ist. Er betreibt mit seinem Bruder im Nebenerwerb einen Kartoffelhof.
„Das wird nicht leicht“
Nun also ist er laut einer Mitteilung der Freien Wähler bei X „der jüngste Bürgermeister in ganz Bayern“. Wobei das bayerische Innenministerium sowie das Landesamt für Statistik derzeit keine Daten haben, wer denn nun tatsächlich im Freistaat der jüngste Rathauschef unter den gerade neu gewählten ist. Bei einer groben Durchsicht finden sich keine bei den Bürgermeisterwahlen am 8. März auch tatsächlich gewählten Rathauschefs, die jünger sind. Auch Höfler weiß von niemandem. Es gebe jedoch einen Kandidaten bei einer Bürgermeister-Stichwahl, der etwas jünger sei als er. Klar ist: Einer der jüngsten künftigen Amtsinhaber wird Höfler auf alle Fälle sein. Bis April sind aber ohnehin noch die alten Rathauschefs im Amt .
Doch was treibt einen so jungen Menschen an, sich für so wichtiges und zeitraubendes Amt zu bewerben? „Ich will etwas für die Gemeinschaft tun“, sagt Höfler.
Der Zustand von Karsbach könnte bei seinem Antritt schlechter sein. Höfler übernimmt von seinem Vorgänger eine finanziell gut aufgestellte Gemeinde. „Wir haben eine geringe Pro-Kopf-Verschuldung und noch 2,8 Millionen Euro auf der hohen Kante“, sagt Höfler. Aber die stark gestiegene Kreisumlage macht ihm große Sorgen. Denn im Ort stünden hohe Ausgaben an, so etwa der Kauf eines neuen Feuerwehrautos. „Das wird nicht leicht.“
Aiwanger hat schon gratuliert
Höfler hofft, dass er mit neuen Gewerbeansiedlungen in der Gemeinde die Gewerbesteuer steigern kann. Der junge Mann sagt, er wisse, dass er es nicht jedem recht machen könne. „Für mich ist es umso wichtiger, mit jedem zu reden und möglichst jedes Anliegen zu verstehen – dann kann ich abends auch beruhigt ins Bett gehen“, sagt der aktive Sportschütze, der auch im Vereinsvorstand sitzt. Zu vermitteln hat Höfler über viele Jahre gelernt. Seit knapp zwölf Jahren ist er Fußballschiedsrichter. Beim Kicken selbst sei er dagegen „nicht allzu talentiert gewesen“.
Auch Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger hat Höflers Wahlsieg aufmerksam verfolgt. „Gratuliere Dir ganz herzlich lieber Lorenz!“, schrieb der Landesvorsitzende der Freien Wähler auf X. Kein Wunder: Höfler ist Mitglied der Freien Wähler und zudem Bezirksvorsitzender der Jungen Freien Wähler Unterfranken.
Der Jungpolitiker ist ein Beispiel dafür, dass Aiwangers These, seine Partei sei bei der Kommunalwahl „deutlich auf Platz zwei“ gelandet, kein kompletter Mumpitz ist. In der Auswertung des Landesamts für Statistik beim Wahlergebnis rangieren die Freien Wähler nur auf Platz fünf. Aiwanger hält das für unfair. Die FW hätten weit mehr Mandate, als es die offiziellen 12,1 Prozent glauben machten.
Höfler kandidierte auf überparteilicher Liste
Die unterschiedliche Betrachtungsweise hat einen einfachen Grund: Viele Mitglieder der Freien Wähler sind für Wählergruppen ins Rennen gegangen. Wählergruppen mit gleichem oder ähnlichem Namen wie die Freien Wähler, die sich entschieden haben, nicht für die Landespartei anzutreten, und als eigener Wahlvorschlag firmierten, zählt das Statistikamt als unabhängig von den Freien Wählern agierende politische Kräfte – Aiwanger schlägt diese in seiner Zählweise dagegen seiner eigenen Partei zu. Letztlich haben wohl beide irgendwie recht.
Auch Höfler ist auf einer unabhängigen Liste angetreten. Besagte Freie Bürger Kasbach seien eine überparteiliche Liste, sagt der Polit-Newcomer und fügt hinzu: „Bei uns im Ort haben wir keine nach Parteien getrennten Fraktionen im Gemeinderat – wir ziehen zusammen an einem Strang.“ Aber natürlich hätten die Menschen im Ort genau gewusst, dass er bei den Freien Wählern aktiv sei.
62 Prozent der Karsbacher wählten Höfler zum neuen Rathauschef. Seiner unterlegenen Mitbewerberin zollt er Respekt. Dass sie erst einmal die Unterschriften von 50 Unterstützern sammeln musste, hält er für antiquiert. „Es ist doch gut, wenn Menschen für ein Amt kandidieren wollen – die Grenze gehört abgeschafft.“ Höfler will sich keinesfalls entmutigen lassen, falls es einmal schlecht läuft. Er sagt: „Rückschläge gehören zum Leben dazu, machen einen stärker.“ Er wünscht sich einen „fairen Umgang miteinander und das Akzeptieren von unterschiedlichen Meinungen“ – auch und gerade in der Politik.
Höfler entspannt sich gerne bei einem gemütlichen Grillabend oder im Urlaub mit seiner Lebensgefährtin – etwa beim Wandern. Letztere will er bald heiraten. Auch privat hat er in den nächsten Wochen also sicher erst einmal keine Ruhe. Ob er sich also nach der Stichwahl tatsächlich Bayerns jüngster Bürgermeister nennen kann, ist da wohl eher zweitrangig. (Tobias Lill)
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