Kommunales

Seltener Anblick derzeit: Eine US-Touristengruppe ist mit ihrer Führerin in der Altstadt von Passau unterwegs. (Foto: dpa/Armin Weigel)

29.06.2020

Das internationale Publikum fehlt

Bayerns freiberufliche Gästeführer haben derzeit kaum etwas zu tun – und Angst um ihre Existenz

Vielleicht wird es in einem Jahr besser sein. Doch wie so lange durchhalten? Das fragen sich nicht nur Schauspieler, Theater- und Kinobetreiber. Sondern auch Gästeführer.

Offiziell dürfen sie zwar seit dem 30. Mai wieder Führungen anbieten. „Doch mir ist niemand von unseren 200 Gästeführern bekannt, der an diesem Tag eine Führung gehabt hätte“, sagt Reidun Alvestad-Aschenbrenner, Vorsitzende des Gästeführervereins in München (MGV). Sehenswürdigkeiten gibt es in München in Hülle und Fülle. „Im Durchschnitt führe ich um diese Jahreszeit täglich durch die Stadt“, sagt die gebürtige Norwegerin. Doch aktuell wird sie nicht gebucht. Im Gegenteil: „Soeben wurde meine letzte gebuchte Führung für September storniert.“ Das Problem: Alvestad-Aschenbrenner führt vor allem ausländische Gäste. Und die kommen derzeit nicht ins Land.

Viel geführt wird auch anlässlich großer Events. Etwa während der Passionsspiele Oberammergau. Doch die wurden gecancelt. Ebenso wie das Münchner Oktoberfest, das ebenfalls zahlreiche Gäste anzieht, die durch München geführt werden möchten. Alvestad-Aschenbrenners Jahreseinkommen wird heuer durch die Corona-Krise drastisch einbrechen.

Keine staatliche Unterstützung


Ähnlich geht es weiteren 120 Münchner Gästeführern, die ganz oder überwiegend freiberuflich tätig sind. Obwohl sie etwas Kreatives tun, nämlich Zugang zu Kunst und Kultur vermitteln, erhalten sie keine staatliche Soforthilfe und keine andere finanzielle Unterstützung, sagt Antje Hansen, Vorsitzende des Vereins Würzburger Gästeführer. Sie und ihre Kollegen schrieben deshalb an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und mehrere Landtagsabgeordnete, um auf ihre Not aufmerksam zu machen: „Bisher ohne Ergebnis.“

Dass Hotels und Gastronomie wieder öffnen dürfen, nützt den 150 im Würzburger Verein zusammengeschlossenen Gästeführern wenig, sagt auch Hansen. Es mag ja sein, dass der deutsche Tourismus nun boomen wird. Doch auch Würzburgs Guides sind auf internationale Touristen angewiesen. Vor allem die Flusskreuzfahrtschiffe machten den Job des Gästeführers in den letzten Jahren lukrativ. Über 1000 Schiffe legen pro Jahr in Würzburg an. Hansen: „Ob heuer überhaupt welche kommen, ist derzeit fraglich.“

Rund 30 Würzburger Vereinsmitglieder leben überwiegend von Führungen: „Für sie ist die aktuelle Situation dramatisch.“ Nicht nur Würzburg und München stehen bei Touristen hoch im Kurs. Auch Regensburg zieht Deutschlandreisende an. Sabine Thiele, Geschäftsführerin der Regensburg Tourismus GmbH, bestätigt, dass es im bayerischen Städtetourismus vor allem auf die internationalen Gäste ankommt: „Sie machten bei uns in den Vorjahren rund 23 Prozent der Übernachtungen aus.“ Thiele hofft dennoch, dass die steigende Nachfrage nach Reisen innerhalb Deutschlands Guides Aufträge bescheren wird.

"Zentrale Rolle im touristischen Konzept der Stadt"


Dass freiberufliche Gästeführer gerade ihre Felle davonschwimmen sehen, ist Götz Beck, Tourismusdirektor in Augsburg, sehr bewusst. Weil Gästeführer nach seinen Worten im touristischen Konzept der Stadt „eine zentrale Rolle“ spielen, will er den Guides helfen: „Als Botschafter unserer Region vermitteln sie auf spannende Weise die große Geschichte von Fugger, Brecht, Mozart und Luther.“ Auch wenn die Stadt inzwischen zahlreiche digitale Angebote zur Informations- und Erlebnisvermittlung bereithält, sei der persönliche Kontakt zum Gästeführer unersetzlich.  In Augsburg werden seit 30. Mai wieder Besuchergruppen durch die Stadt gelotst.

Eine Öffnung der Hotels macht laut Götz ja nur dann Sinn, wenn auch touristische Leistungen angeboten werden: „Es hat doch niemand Lust, nur im Hotel zu verweilen.“ Werden Führungen über die Regio Augsburg Tourismus GmbH gebucht, werden laut Götz schwerpunktmäßig jene Gästeführer eingesetzt, die ausschließlich von Führungen leben oder einen hohen Anteil ihres Lebensunterhalts über Führungen bestreiten. (Pat Christ)

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