Kommunales

Dass der Pflegeberuf in Teilen der Bevölkerung als unattraktiv angesehen wird, findet Iris Frank schade. (Foto: dpa/Sina Schuldt)

21.10.2021

"Abwechslungsreich und vielfältig"

Pflegedirektorin Iris Frank vom BKH Donauwörth wünscht sich eine stärkere Debatte um die Vorteile des Berufs

Iris Frank kennt ihren Beruf von der Pike auf. Sie hat erst Krankenpflegehelferin gelernt, dann Krankenschwester. Sie arbeitete in einer somatischen Klinik, dann in einer psychiatrischen. Sie bildete sich weiter, belegte einen Leitungskurs und übernahm Führungsaufgaben. Berufsbegleitend absolvierte sie ein Studium der Wirtschaftspsychologie mit Schwerpunkt Personal- und Organisationspsychologie. Seit Mai ist die 42-Jährige nun Pflegedirektorin des Bezirkskrankenhauses (BKH) Donauwörth, das zu den Bezirkskliniken Schwaben gehört.

Dass der Pflegeberuf in Teilen der Bevölkerung als unattraktiv angesehen wird, findet sie schade und nicht zutreffend. „Das Berufsbild Pflege ist ein sehr abwechslungsreiches und bietet zudem vielfältige berufliche Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Iris Frank aus voller Überzeugung. Nach ihrer Ansicht wird beim Thema Pflege viel zu oft über die Nachteile gesprochen.


Arbeitsbedingungen haben sich verändert


Die zweifache Mutter, die mit ihrer Familie im Kreis Aichach-Friedberg lebt, verschweigt nicht, dass es diese Nachteile für Pflegekräfte gibt, und dass sich die Arbeitsbedingungen über die Jahre verändert und erschwert hätten. Es sei richtig, darüber zu sprechen und die Defizite zu benennen, findet sie. „Es gibt allerdings auch viele Vorteile und die schönen Seiten, die dieser Beruf mit sich bringt.“

Dazu zählen für Iris Frank beispielsweise 40 Tage Urlaub pro Jahr, eine ordentliche Bezahlung (in der Psychiatrie erhält eine Vollzeitkraft im Schnitt mehr als 4000 Euro brutto im Monat), die Vielseitigkeit in der täglichen Arbeit, Entwicklungsmöglichkeiten, gute, Berufsgruppen übergreifende Teamarbeit. Überhaupt: Die Pflege sei ein krisensicherer Beruf, der jederzeit und überall ausgeübt werden kann. „Unser Beruf ist ein sehr erfüllender. Wir dürfen Menschen auf dem Weg zur Genesung begleiten“, sagt die Pflegedirektorin.

Iris Frank weiß, dass der Job einer Pflegekraft sowohl in der Somatik als auch in der Psychiatrie nicht einfach ist. Es werde viel Einsatzbereitschaft vom Einzelnen gefordert. Besonders im psychiatrischen Bereich hätten die Gesetze den Pflegealltag oft an psychische und personelle Grenzen gebracht. Auch sei die Zeit für den Patienten deutlich weniger geworden. Stattdessen ringe man oft nur noch darum, die gesetzlichen Bestimmungen aufrechtzuerhalten – was zulasten der Pflege und zulasten der Patient*innen gehe. „Mir ist es als Pflegedirektorin sehr wichtig, Pflegekräften eine gute Ausgangslage für Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dass der Spagat zwischen Arbeit und privat gelingt, ist mir auch wichtig“, so die 42-Jährige.

Gut gemeinte, aber zu späte Gesetze


Das beginnt bei ihr schon mit Gedanken bezüglich der Flexibilität von Schichtmodellen. „Ich denke, dass wir mit starren Drei-Schicht-Modellen nicht den Bedürfnissen aller Pflegenden gerecht werden.“ Iris Frank geht regelmäßig auf ihre 45 Mitarbeitenden zu, spricht mit ihnen, will wissen, wo ihnen der Schuh drückt. Dann versucht sie, die Anregungen rasch und unbürokratisch umzusetzen. „Ich bin ein Machertyp“, beschreibt sie sich selbst.

Die Arbeit in der Pflege und speziell in der Psychiatrie sei eine wertvolle und wichtige, sagt die Pflegedirektorin. „Es braucht hier Pflegende, die besonders viel Energie, Empathie und Kraft in sich tragen.“ Die „Not am Mann“ mache es für die Pflegenden nicht einfacher, so Iris Frank. „Auch sind die sehr verspäteten, wenn auch gut gemeinten Gesetze zur Personalausstattung nicht immer förderlich im aktuellen Gesamtpaket aus demografischem Wandel und Pflegenotstand“, findet sie. Dennoch sei der Beruf attraktiv. „Die nahe Arbeit am Menschen ist etwas Erfüllendes“, betont die Führungskraft.

Sich auf Persönlichkeit und Krankheit einlassen


Sich auf die jeweilige Persönlichkeit in Kombination mit dessen Krankheit einzulassen, halte einen selbst kognitiv und emotional flexibel. Den Patienten auf seinem Genesungsweg zu begleiten und dabei zu unterstützen, erweitere den persönlichen Erfahrungsschatz und die Persönlichkeitsentwicklung. Für Iris Frank verhält es sich mit Pflegekräften ähnlich wie mit der Gesundheit: Man erkennt ihre Wichtigkeit meist erst dann, wenn sie nicht mehr ausreichend vorhanden ist. „Gesundheit ist nicht alles. Aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Und Pflegekräfte tragen einen erheblichen Teil zur gesellschaftlichen Gesundheit bei“, sagt sie. Deshalb sei man sowohl als Arbeitgeber als auch als Führungskraft für die Pflege der Pflegenden verantwortlich.

Dessen ist sich Schwabens Bezirkstagspräsident Martin Sailer, zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, bewusst. Er hat gemeinsam mit den Mitgliedern des Verwaltungsrats der Berufung von Iris Frank als neue Pflegedirektorin des BKH Donauwörth zugestimmt. Der Vorschlag kam vom Vorstand um den Vorsitzenden Stefan Brunhuber. „Die Pflegekräfte bei den Bezirkskliniken und darüber hinaus leisten jeden Tag äußerst wertvolle Arbeit zum Wohle der Menschen. Wir freuen uns, mit Frau Frank eine engagierte Führungskraft gefunden zu haben“, sagt Sailer. (Georg Schalk)


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