Kommunales

Mit einem Plakat wirbt ein Teilnehmer der salafistischen Koran-Verteilaktion „Lies“. Auch in Augsburg war „Lies“ bereits aktiv. (Foto: dpa/Boris Roessle)

06.10.2021

Schnelle Hilfe der Stadt bei Radikalisierungsgefahr

Augsburg ist Modellkommune eines Beratungskonzepts

Akronyme für Forschungs- oder Pilotprojekte sind beliebt. Mit M.O.D.E.R.A.T.I.O.N. hat die Stadt Augsburg dabei wohl den Vogel abgeschossen. Hinter dem Begriff steht freilich ein wichtiges Anliegen – nämlich Menschen, die sich zu radikalisieren drohen, frühzeitig zu identifizieren und sie möglichst davon abzuhalten.

Die Abkürzung steht für „Modulare Organisation der Deradikalisierung Extrem Rechter Ansichten - Task Force der Interventions-Orientierten Netzwerkarbeit“. Dazu hat die Stadt jetzt ein Beratungstelefon eingerichtet. Das Projekt wird vom Bundesinnenministerium gefördert. Beteiligt sind neben dem Augsburger Büro für Kommunale Prävention (eine Abteilung des Ordnungsreferats) die Initiative Violence Prevention Network (VPN), die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus und die Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus.

Hintergrund: Es hat sich gezeigt, dass die Corona-Krise die Ausbreitung von rechtsextremistisch ausgelegten Verschwörungstheorien gefördert hat. Die Deradikalisierer wollen eingreifen, bevor sich solche Tendenzen verfestigen. Angehörige und Freunde von Betroffenen können nun über das Beratungstelefon Hilfe bekommen. In vielen Fällen ist es möglich, dass sie selbst durch Gespräche mit den Gefährdeten ihnen eine Rückkehr in die Gesellschaft ermöglichen.

Corona förderte die Ausbreitung


Laut Peter Anhalt vom VPN kommt es auch vor, dass Radikalismus-Gefährdete selbst anrufen. Kennzeichen sind Vorbehalte gegen eine immer kompliziertere Umwelt, der Wunsch, handlungsfähig zu bleiben und Bestätigung in der Gruppe zu bekommen, und die Attraktivität einfacher Täter-Opfer-Muster und von ideologisch gerechtfertigter Gewalt. „Dem gehen wir auf den Grund. Das ist meist ein längerer Prozess“, sagte er.

Verwandte und Bekannte sind oft unsicher: Liegt hier eine Gefährdung vor? VPN-Mitarbeiter Christopher Kieck versucht dann einzuschätzen, wie eine Intervention aussehen könnte, aber auch, wo Bezugspersonen überfordert sind. Spezialisierte Berater*innen können hinzugezogen werden. Gefährdete sollen sich in den Gesprächen keinesfalls gedemütigt fühlen. Es kommt darauf an, dass noch übrige Gemeinsamkeiten erkannt und Beziehungen aufrechterhalten werden.

Augsburg ist derzeit eine von sechs Modellkommunen für das Projekt M.O.D.E.R.A.T.I.O.N. Ordnungsreferent Frank Pintsch sagt: „Unser bereits praktizierter Ansatz, durch Netzwerkarbeit und daraus abgeleitete gezielte Maßnahmen Radikalisierungen, insbesondere von Rechts, entgegenzuwirken, wurde honoriert und führte zur Auswahl als Förderkommune.“ Im ersten Schritt gehe es darum, fügte Peter Anhalt hinzu, sich gut zu vernetzen, um antidemokratischen Entwicklungen begegnen zu können. In der Regel ließen sich Radikalisierungsgefährdete noch erreichen. Sie seien nicht auf rechte Ideologien festgelegt, sondern „suchen auch nach etwas anderem“. (Andreas Alt)

Das Beratungstelefon ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0821/324-3366 zu erreichen. Kontakt per Mail: augsburg@violence-prevention-network.de

 

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