Kommunales

Korbinian Rausch lächelt viel. Im Rathaus sei er „mit unheimlich viel Spaß“ zugange, erzählt er. (Foto: Stäbler)

03.07.2026

Der Fleißige

Bürgermeister als Nine-to-five-Job? Nicht mit Korbinian Rausch – der neue CSU-Bürgermeister von Unterhaching bei München ist oft bis 23 Uhr unterwegs

Nach 36 Jahren SPD-Herrschaft steht im Unterhachinger Rathaus erstmals wieder ein CSU-Mann an der Spitze: Korbinian Rausch (33) setzt als Bürgermeister auf einen neuen Führungsstil, Mini-Praktika in allen Abteilungen, ein verkleinertes Büro und kurze Besprechungen bei chinesischem Tee.

Mitten auf dem Schreibtisch steht ein chinesisches Teeservice, von dem später noch die Rede sein wird – doch das war’s dann auch mit persönlichen Gegenständen, hier im Bürgermeisterbüro des Unterhachinger Rathauses. Ansonsten ist die Einrichtung mit dem Wort karg noch zurückhaltend umschrieben. Bis auf einen Kalender sind die Wände nackt, in der Ecke liegt ein Rucksack und auf dem Tisch ein Tablet, doch davon abgesehen versprüht der Raum den Charme einer Abstellkammer – mithin also das, was er bis vor Kurzem noch war.

Doch genau hierhin hat Korbinian Rausch (CSU) nach seinem Sieg bei der Bürgermeisterwahl im März sein Büro verlegt. „Für mich reicht das völlig“, sagt der 33-Jährige. Wieso er nicht im gut viermal so großen Amtszimmer seines Vorgängers geblieben ist, der hierzu einen Sitzungssaal umfunktioniert hatte? „Unnötig für mich“, sagt Rausch und schüttelt den Kopf. „Ich bin ohnehin kein Freund langer Besprechungen.“

Was einen zurück zum Teeservice des neuen Bürgermeisters bringt, der die Liebe zu diesem Getränk über seine Ehefrau Ines Rausch entdeckt hat – sie ist in China aufgewachsen und vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen, 2020 haben sie geheiratet. „Gemeinsam chinesisch Tee zu trinken dauert für zwei Aufgüsse 15 Minuten“, sagt der Rathauschef. „Und länger sollte meiner Meinung nach keine Einzelbesprechung dauern, für größere Runden muss dann eine Stunde reichen.“

Neuer Führungsstil

Keine Frage, mit Rausch ist ein neuer Führungsstil ins Unterhachinger Rathaus eingezogen, das 36 Jahre lang in der Hand der SPD war. Doch Amtsinhaber Wolfgang Panzer zog vor der Kommunalwahl nach drei Legislaturperioden einen Schlussstrich. Der Genosse kandidierte (letztlich erfolglos) als Landrat. Seine SPD schickte derweil mit Daniel Schön einen ortsfremden Anwalt aus München in die Bürgermeisterwahl, der chancenlos blieb. Stattdessen kam es zur Stichwahl zwischen der Grünen-Kandidatin Johanna Zapf und Korbinian Rausch, die Letzterer mit 52,7 Prozent der Stimmen gewann.

Nach den Gründen für seinen Sieg gefragt nennt der Bürgermeister zwei Faktoren. „Erstens war ich bereit, noch mal 10 Prozent mehr zu leisten als alle anderen.“ So habe er zwischen dem ersten Wahlgang und der Stichwahl täglich 20 bis 21 Stunden gearbeitet, betont Rausch. Der zweite Erfolgsschlüssel sei seine Verbundenheit zu Unterhaching, wo er aufgewachsen, zur Schule gegangen und lange Jahre in Teilzeit und parallel zu seinem Hauptberuf in einer Metzgerei gearbeitet hat – anfangs als Aushilfe, später als Vertriebsleiter.

Rausch ist kein Freund langer Besprechungen

„Ich wollte und will für meine Heimatgemeinde Bürgermeister sein“, sagt Rausch, der vor seinem Wechsel ins Rathaus als Projektdirektor für die Organisation „Heimatwurzeln“ tätig war – ein gemeinnütziger Verein, der sich für bürgerlichen Klimaschutz und Versorgungssicherheit einsetzt. Nun würde man einen solchen Job auf Anhieb nicht mit der CSU zusammenbringen, einerseits. Andererseits war der Historiker zuvor Referent für Außen- und Sicherheitspolitik in der CSU-Landesleitung.

Trotz seiner erst 33 Jahre hat Rausch seine Fühler also schon in viele Richtungen ausgestreckt – und genau das will er nun auch zu Beginn seiner Amtszeit im Rathaus tun. So absolviert er derzeit „Mini-Praktika“ in allen Abteilungen. „Das reicht von einer Stunde bis zu einem Tag“, sagt Rausch. „Ich war unter anderem in der Friedhofsgärtnerei, im Kindergarten, in der Gemeindebücherei und bei unserer Seniorenarbeit.“

Auf diesem Wege wolle er nicht nur die Tätigkeiten der 350 Gemeindebeschäftigten besser kennenlernen, sagt der Bürgermeister. „Sondern es hilft mir auch, in Zukunft fundiertere Entscheidungen zu treffen. Weil ich weiß, wie sich diese auf die Menschen auswirken.“ Ohnehin wolle er in seinem Amt eine „Dienstleistungsmentalität“ verankern. „Ich möchte, dass der Bürgermeister mehr als Werkzeug begriffen wird, das dort eingesetzt wird, wo er der Gemeinde den meisten Nutzen bringt.“

Oft von 6 bis 23 Uhr unterwegs

Die Mini-Praktika sind freilich nur ein kleiner Teil seiner Arbeit. „Ich bin oft von 6 bis 23 Uhr unterwegs“, sagt Rausch und erzählt von Antrittsbesuchen, Treffen mit Firmen und Vereinen, Bürgersprechstunden und vorgemerkten Terminen bis in den November hinein. Ohne den Rückhalt seiner Ehefrau, das betont er, könnte er dieses Pensum nicht stemmen. Dabei ist seine Frau schwanger und erwartet bald das erste gemeinsame Kind.

Die anstehende Geburt seines Sohnes, der Sieg bei der Bürgermeisterwahl, und dann haben seine Frau und er kürzlich auch noch ihre Wohnung umgebaut: Das Jahr 2026 ist für Rausch fraglos ereignisreich – wobei er selbst ein anderes Wort wählt. „Das Jahr war bislang großartig!“, sagt der Bürgermeister und lacht. „Alles ist wie am Schnürchen gelaufen.“

Er wünscht sich einen Kulturwandel

Indes weiß der 33-Jährige nur zu gut, welch große Herausforderungen im Rathaus auf ihn warten – zumal Unterhaching, wie so viele Kommunen, finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Zuletzt hat die Gemeinde ihren Sportpark, in dem unter anderem der frühere Bundesligaclub SpVgg Unterhaching spielt, an den FC Bayern München verkauft, der dort eine neue Heimat für seine Frauenteams schaffen will. Für die Kommune habe das zur Folge, dass sie für die Vereine, die den Sportpark derzeit nutzen, Alternativen schaffen müsse, sagt Rausch. „Die Verlagerung und der Ausbau unserer Sportstätten wird eines der wichtigsten Themen in dieser Legislaturperiode.“ Ein weiterer Schwerpunkt soll die Wirtschaftsförderung sein. „Ich führe seit meinem Amtsantritt drei bis vier Gespräche pro Woche mit Vertretern von Firmen, die entweder schon in unserer Gemeinde sind oder überlegen, sich hier anzusiedeln“, sagt der Bürgermeister, der sich auf diesem Weg eine Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen erhofft.

Nebst solcher konkreten Projekte stehe auf seiner To-do-Liste aber noch ein weiterer Punkt weit oben, sagt Rausch. „Mein Ziel ist ein Kulturwandel im Rathaus und darüber hinaus. Ich will mehr Miteinander und mehr gegenseitige Wertschätzung. Außerdem mehr Optimismus und mehr gute Laune.“ Er selbst werde dabei als Vorbild vorangehen, kündigt Rausch an.

Brandbrief ans Kultusministerium geschickt

Seine erste Begegnung mit der Politik war indes weniger von guter Laune geprägt, sondern von Entrüstung. So habe er als Sechstklässler im ersten G8-Jahrgang zusammen mit einem Mitschüler einen Brandbrief ans bayerische Kultusministerium geschickt, weil nach der Umstellung noch vieles im Argen lag. Einige Jahre später beschloss er dann, „nicht nur zu meckern, sondern auch etwas zu tun“, sagt Rausch.

Und so trat er mit 17 der CSU bei, zog 2014 in den Gemeinderat ein, stieg dort zum Fraktionschef auf und eroberte als Bürgermeisterkandidat das Chefzimmer im Rathaus – nur um selbiges in einer seiner ersten Amtshandlungen wieder zum Sitzungssaal zu machen und sein eigenes Büro in der einstigen Abstellkammer einzurichten.

Dort ist er seit Mai „mit unheimlich viel Spaß“ zugange, wie er sagt. „Ich gehe jeden Tag wahnsinnig gerne ins Büro.“ Und geht es nach Rausch, dann wird das Rathaus auch über diese Legislaturperiode hinaus seine Arbeitsstätte bleiben. „Ich möchte definitiv nicht, dass meine erste Amtszeit auch meine letzte ist. Ich will länger als sechs Jahre Bürgermeister in Unterhaching sein.“
(Patrik Stäbler)

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