Kommunales

Das Parken am Königssee wird immer teurer – dafür baut die Gemeinde ihr Busnetz aus. (Foto: Kilian Pfeiffer)

18.09.2026

Der Millionen-Parkplatz am Königssee: Einnahmen seit 2019 verdoppelt

In Zeiten klammer Kassen sind Parkplätze eine willkommene Einnahmequelle für Kommunen. Dennoch hat die Gemeinde Schönau für einen Großparkplatz am Königssee für zwei Winter auf Gebühren verzichtet – mit schlechten Erfahrungen

Es ist eine Asphaltfläche samt Wiese, und sie ist eine der verlässlichsten Einnahmequellen im Berchtesgadener Land. 2,36 Millionen Euro hat der Parkplatz der Gemeinde im vergangenen Jahr eingebracht, 2019 waren es mit 1,22 Millionen Euro nur gut halb so viel. In sieben Jahren summieren sich die Gebühren auf knapp 12 Millionen Euro, zuletzt rund 440 Euro je Einwohner und Jahr.

Es sind Erlöse, keine Gewinne: Was Betrieb und Unterhalt kosten, geht aus den Zahlen, die die Gemeinde auf Anfrage jüngst herausgab, nicht hervor.

125 Prozent mehr für das Parkticket

Dabei hätte ein Beschluss der Gemeinde den guten Zahlen beinahe einen Dämpfer verpasst: Im Frühjahr 2021 beschloss der Gemeinderat, den Parkplatz vom 1. November bis zum 31. März gebührenfrei zu lassen, ausgenommen die Ferienzeiten. Der damalige CSU-Bürgermeister Hannes Rasp begründete dies mit der stillen Jahreszeit und dem Ziel, mehr Skifahrer an den Jenner zu holen. Im November 2022 sagte er zu, bis spätestens Mitte 2023 eine Auswertung der Belegungs- und Einnahmezahlen vorzulegen.

Doch diese Auswertung sei nie erstellt worden, teilt Geschäftsleiter Andreas Huber auf Anfrage mit. Die Rückmeldungen der Betriebe und „was auch an weiteren Erkenntnissen von verschiedenen Gemeinderäten bei uns einging“, seien jedoch „eigentlich eindeutig“ gewesen, so Huber. Im August 2023 beendete der Gemeinderat das Experiment ohne Gegenstimmen und, wie die Gemeinde schreibt, „ohne große Diskussion“.

Die beiden Winter, in denen sich die Regelung bewähren sollte, waren denkbar ungeeignet. Der erste fiel in die Pandemie. Der zweite war nach der Bilanz des Lawinenwarndienstes Bayern von „überwiegend milden Temperaturen und unterdurchschnittlichen Schneehöhen“ geprägt. Das Angebot eines Gratis-Parkplatzes für Skifahrer wurde demnach in einem Winter beurteilt, in dem kaum Schnee lag. Wohlgemerkt beurteilt und nicht gemessen.

Einen alpinen Skibetrieb gibt es am Jenner seit Februar 2024 ohnehin nicht mehr. Wintergäste kommen jedoch weiter.

Und auch bei den Menschen vor Ort kam die neue Kostenloskultur für Auswärtige nicht gut an. Aus der Bevölkerung sei gefragt worden, „wieso es sich die Gemeinde leistet, auf diese Wintereinnahmen am Parkplatz Königssee verzichten zu wollen, wenn es für die Geschäftsleute offenbar eh nichts bringt“. Seither steigen die Erlöse: 1,93 Millionen Euro im Jahr 2023, 2,27 Millionen Euro 2024 und besagte 2,36 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Parkgebühren sollen auch den Verkehr steuern

Das Tagesticket für den Pkw kostet 9 Euro, 2009 war es mit 4 Euro weniger als die Hälfte gewesen. Die Gemeinde hält eine Verdoppelung binnen 20 Jahren für „normal“, zumal Corona, Energiekrise und Krieg die Lebenshaltungskosten getrieben hätten. Allerdings stiegen die Verbraucherpreise seit 2009 nur um rund 40 Prozent, der Parkpreis dagegen um 125 Prozent. Die Gemeinde verdient an Ausflüglern recht ordentlich.

Doch das Geld ist aus Sicht von Umwelt und Allgemeinheit gut angelegt: Seit Dezember 2023 zahlt Schönau über den Landkreis mehr als 300 000 Euro im Jahr an die RVO, damit die Busse dichter fahren. Eine Fahrt im Gemeindegebiet kostet 2 Euro, für Gästekarteninhaber nichts.

Die Preispolitik sei „auch ein gewisses Steuerungselement“, schreibt Huber, „wenn man sich zum Ziel gesetzt hat, den starken Individualverkehr zugunsten einer ÖPNV-Nutzung zurückzudrängen“. Deutlich mehr als 1 Euro von jedem 9-Euro-Ticket fließen so in den Bus. Mit der Begründung, die Blechlawinen durch vermehrte Anreisen mit dem ÖPNV zurückzudrängen, fiel zum 1. Juni 2023 auch die Gästekartenermäßigung für den Parkplatz weg. Im April 2025 hebelte der Gemeinderat zudem das bayernweite Gratisparken für Elektroautos aus.

Einheimische kommen beim Parken aber noch immer günstig weg, wenn sie sich auskennen: Der Jahresparkschein kostet 80 Euro. Im Vorverkauf im Dezember und Januar gibt es ihn aber bereits für 40 Euro.

Einnahmen wachsen nur noch langsam

Wie viele Tickets verkauft werden, weiß die Gemeinde nicht. Ob es bei 9 Euro bleibt, lässt Schönau offen. Man sei „nie Vorreiter“, sondern ziehe nach. Die Gemeinde beobachtet genau, was in Neuschwanstein, am Chiemsee oder an den Ostseebädern an Preisen üblich sei. Das Maximum könnte aber bald erreicht sein: 2025 wuchsen die Einnahmen nur noch um 4 Prozent, nach 17 Prozent im Jahr zuvor. Ob der Platz schlicht meist voll ist oder mehr Ausflügler die Busse nutzen, ist nicht bekannt. Ausgewertet wurde es bislang nicht. (Kilian Pfeiffer)

 

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