Kommunales

Er gilt als Bürger-King: Rathauschef Deiter Reiter präsentiert sich beim SPD-Dreikönigstreffen volksnah. (Foto: Patrik Stäbler)

09.01.2026

Serie „Bayern wählt“: Duell zweier alter Bekannter - In München will Ex-Wiesnchef Baumgärtner die Rathausspitze für die CSU erobern – doch OB Reiter gibt sich angriffslustig

Am 8. März finden in Bayern Kommunalwahlen statt. Knapp 40.000 Mandate werden neu vergeben. Besonders spannend wird es in den acht bayerischen Großstädten. Die BSZ zeigt in einer neunteiligen Serie, welche Kandidaten Chancen auf den Chefposten im Rathaus haben und welche Themen die Wähler vor Ort bewegen. Für den ersten Teil hat sich Patrik Stäbler in München umgesehen. Dort hofft SPD-OB Dieter Reiter auf seien Wiederwahl

Vielleicht ist es nur Zufall, aber womöglich hat die Münchner SPD ihren Ehrengast auch ganz bewusst unter einem gewaltigen Kronleuchter platziert – hier beim Dreikönigstreffen der Partei im Festsaal des Hofbräukellers. Jedenfalls wirkt es, als sich Dieter Reiter bei seiner Begrüßung erhebt, als strahle über dem Haupt des Oberbürgermeisters ein riesiger Heiligenschein auf ihn herab. Was ja durchaus zu den Hoffnungen, Wünschen und Sehnsüchten passt, die die zuletzt so gebeutelte SPD in ihren Kandidaten für die nahende Kommunalwahl setzt.

Denn auch, wenn die Sozialdemokraten in Bayern seit 2023 nur noch die Nummer fünf im Landtag sind und seit 2025 in Berlin nicht mehr den Kanzler stellen: Im Münchner Rathaus hat die SPD seit mehr als vier Jahrzehnten ein Abonnement aufs Chefbüro, in das 2014 Dieter Reiter eingezogen ist.

Der 67-Jährige strebt bei der Oberbürgermeisterwahl am 8. März eine weitere Amtszeit an, wofür er sich gegen mehr als ein Dutzend Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchsetzen muss – darunter auch zwei Kandidaten, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen Wechsel an der Rathausspitze machen dürfen.

Zum einen Dominik Krause, dessen Grüne im Münchner Stadtrat die stärkste Kraft stellen. Zum anderen der Bewerber der zweitgrößten Fraktion in dem Kommunalparlament, nämlich Clemens Baumgärtner von der CSU.

Verbale Angriffe

Jenes Duo hat sich schon vor Monaten in den Wahlkampf gestürzt – mit verbalen Angriffen auf den Amtsinhaber sowie einer Kampagne, die Instagram, Tiktok und Co. so viel Bedeutung zumisst wie nie.

Ganz anders Dieter Reiter: Der Rathauschef hat sich bisher – einmal abgesehen von seinem Hang zu bissigen Kommentaren – mit Attacken gegen seine Herausforderer zurückgehalten. Oder genauer gesagt: Der Oberbürgermeister hat die anstehende Wahl geflissentlich ignoriert.

Doch das ändert sich hier und heute im Hofbräukeller, wo die SPD laut Ankündigung die „heiße Phase des Kommunalwahlkampfs“ einläuten will und ihrem Kandidaten dadurch eine Steilvorlage liefert. Diese nimmt der bekennende Bayern-Fan Reiter dann auch dankbar auf und braucht in seiner Festrede nicht einmal 5 Minuten, ehe er die ersten Schüsse in Richtung seiner Konkurrenten abfeuert.

Wahl zwischen "Verantwortung oder Showpolitik"?

Diese Stadt steht vor einer Richtungsentscheidung“, betont der Rathauschef. „Zwischen Erfahrung oder Experiment. Haltung oder Ideologie. Verantwortung oder Showpolitik.“ Diese Stichworte sind ein Vorbote jener Vorwürfe, die Dieter Reiter in der folgenden gut einen Stunde gegen eine Münchner CSU erhebt, die „rückwärtsgewandte Blockadepolitik“ betreibe, sowie gegen Grüne, „die glauben, man könne eine Stadt regieren wie ein Uniseminar – mit Thesen, Moralin und maximaler Selbstgerechtigkeit“.

Was München brauche, das wiederholt der Oberbürgermeister ein ums andere Mal, seien „Führung“ sowie „Erfahrung, Haltung und Verlässlichkeit“. Derlei Schlagworte erinnern frappierend an Wahlkämpfe à la Angela Merkel, die einst mit Sprüchen wie „Sie kennen mich“ für sich warb. „Wenn ich mir unsere Gegenkandidaten anschaue, sehe ich viel Meinung, aber wenig Verantwortung“, kritisiert Dieter Reiter und fügt hinzu: „Viel Kritik, aber keine Lösungen. Viel Pose, aber kein Konzept.“

Ganz anders bewerten das naturgemäß seine Rivalen, die bisher im Wahlkampf auf komplett unterschiedliche Strategien setzen. So lässt der einstige Wiesnchef Clemens Baumgärtner kaum eine Chance aus, um den amtierenden OB und dessen grün-rote Rathauskoalition zu attackieren. Mit ihm werde München sicherer, er wolle „die Wirtschaft fördern statt bremsen“ und beim Thema Mobilität „auch faire Lösungen für Autofahrer“, wirbt der 49-Jährige.

Grünen-Kandidat Krause will "Wohnen zur Chefsache machen"

Dagegen gibt sich Dominik Krause weniger angriffslustig - kein Wunder, ist er als zweiter Bürgermeister doch fester Bestandteil der Rathauskoalition. So versucht der 35-Jährige, sich als junge, moderne Alternative zum fast doppelt so alten Reiter zu präsentieren. Zudem setzt Krause auf klassische grüne Anliegen wie den Ausbau von Radwegen, den Fokus auf erneuerbare Energien und den Schutz von Grünflächen.

Ein prominentes Thema bei allen drei Kandidaten ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, was Dieter Reiter im Hofbräukeller als „die soziale Frage unserer Zeit“ bezeichnet. Mit ihm als Rathauschef seien in München 80.000 Wohnungen gebaut worden, unterstreicht der SPD-Mann – wohl wissend, dass seine Rivalen diese Bilanz ungleich kritischer bewerten. So kündigt der Grünen-Kandidat auf seiner Webseite an: „Dominik wird Wohnen in München endlich zur Chefsache machen.“

Und auch CSU-Mann Baumgärtner betont mit einem Seitenhieb in Richtung Rathausspitze, dass er Bauprojekte endlich umsetzen werde – „statt Luftschlössern und zehnjährigen Diskussionen“.

Das Thema Wohnraum dürfte jedenfalls ein prägendes sein in den kommenden zwei Monaten bis zur Abstimmung am 8. März. An diesem Tag – oder gegebenenfalls nach einer Stichwahl am 22. März – wird dann feststehen, ob Münchens Rathaus in SPD-Hand bleibt, nach 42 Jahren wieder von der CSU geführt oder erstmals von einem Grünen-Politiker regiert wird.
 

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