Kommunales

Für Andreas Aichinger war es schon immer sein großer Traum, Bürgermeister seiner Heimatgemeinde zu werden. (Foto: Bäumel)

31.07.2026

Ein Hochzeitslader als Bürgermeister

Andreas Aichinger will den 1900 Einwohner zählenden niederbayerischen Luftkurort Sankt Englmar als Rathauschef fit für die Zukunft machen

Andreas Aichinger ist einer der bekanntesten Hochzeitslader und Gstanzlsänger Bayerns. Im März wählten die Menschen in seiner Heimatgemeinde Sankt Englmar den 41-jährigen Christsozialen zu ihrem neuen Bürgermeister.

Andreas Aichinger weiß, wie man Menschen einen unvergesslichen Tag bereitet. Er kommt bei den Leuten an, ist bekannt wie ein bunter Hund. Der studierte Mittelschullehrer ist nicht nur seit vielen Jahren leidenschaftlicher CSU-Kommunalpolitiker sondern auch Gstanzlsänger. Er frotzelt dabei gern, verletzt jedoch nie – darüber hinaus führt er als Hochzeitslader Brautpaare humorvoll durch den schönsten Tag des Lebens. Einem sehr breiten Publikum hat er sich auch schon zweimal in der BR-Sendung Brettlspitzn präsentiert.

Im März wurde er nun zum neuen Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Sankt Englmar gewählt. Bei der Wahl konnte der 41-Jährige über 92 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Zwei Fernsehauftritte

Aichinger ist schon viel herumgekommen – politisch, in seinen zahlreichen Ehrenämtern und auch auf der Bühne. Doch für ihn ist die Heimat etwas, was er nicht nur schätzen, sondern auch schützen und gestalten will.

Sankt Englmar war immer sein Dreh- und Angelpunkt. Nach seinem Lehramtsstudium ist er in seine Heimatgemeinde zurückgekehrt. Doch eigentlich war Aichinger nie weg. Seit 18 Jahren sitzt er im Gemeinderat, bei seiner ersten Wahl in das Gremium war er noch ein hoffnungsvoller JU-ler. Vor zwölf Jahren wurde er Zweiter Bürgermeister. Als sein Freund und enger Vertrauter Anton Piermeier im vergangenen Jahr ankündigte, nach 18 Jahren im Amt nicht mehr als Rathauschef anzutreten und beruflich noch einmal etwas Neues zu wagen, entschied sich sein Parteifreund, in dessen Fußstapfen zu treten und nicht etwa Landrat des Landkreises Straubing-Bogen werden zu wollen. Auch das war im Gespräch, doch er hat sich für seine Heimatgemeinde entschieden und wirkt auf Kreisebene lieber als stellvertretender Landrat mit.

Dass das Bürgermeisteramt in der Tourismusgemeinde immer sein Lebenstraum war, daraus macht der Familienvater keinen Hehl. Das Rampenlicht kennt er und scheut es nicht. 2008 schlüpfte er bei einer großen Faschingshochzeit in seinem Heimatort erstmals in die Rolle des Hochzeitsladers und merkte, dass er Spaß an dieser Aufgabe hatte. Als dann ein Studienkollege heiratete, sammelte er weitere Erfahrungen. „Das Gstanzlsingen gefällt mir einfach“, erklärt Aichinger. Dazu gehört, spontan und in Reimform die Gäste auf die Schippe zu nehmen. Bei großen Gstanzlsinger-Treffen stellt er sein Talent regelmäßig unter Beweis, und auch bei Jürgen Kirners Brettlspitzn brachte er das Fernsehpublikum beide Male mit humorvollem Liedgut zum Lachen. „Ich liebe einfach echte Volksmusik – das ist etwas anderes als volkstümliche Musik“, erklärt er. Die Fernsehauftritte waren für ihn eine interessante Erfahrung, die seinen Horizont erweitert haben.

Jetzt reizt ihn besonders seine neue Aufgabe als Bürgermeister. Er trat ohne Gegenkandidat an – in einer Gemeinde mit weniger als 2000 Einwohnern ist das nicht ungewöhnlich – es spricht aber auch für seine Beliebtheit.

Die Besonderheiten seiner Gemeinde bringt er auf den Punkt: „Wir haben keinen Wasserzweckverband, die Thematik liegt in der Hand der Gemeinde, wir sind selbst Betreiber der Kita und auch das touristische Geschehen macht Sankt Englmar besonders interessant.“ Die Bandbreite an Themen sei groß: „Es ist abwechslungsreich und das macht Freude.“

Dachmarke Bayerischer Wald noch stärker nutzen

Ein paar Unterschiede zum Lehrerdasein gibt es aber schon: „In der Schule konnte man auch mal zwei, drei Stunden arbeiten und korrigieren, ohne dass jemand angerufen hat – das ist jetzt anders“, sagt er schmunzelnd und will es eigentlich auch gar nicht anders. „Man bringt für die Aufgabe als Bürgermeister zwar ein gewisses Grundwissen mit, aber man muss auch immer noch dazulernen – das gefällt mir.“

Besonders wichtig ist ihm für die Zukunft, den Rettungswagenstellplatz langfristig zu sichern. Zudem braucht der Bauhof ein Upgrade, und Aichinger will seine Heimatgemeinde touristisch noch einmal anschieben.

Er will den Fremdenverkehr nach eigener Aussage so gestalten, dass die Einheimischen gut damit leben können und nicht überfrachtet werden. Die Leerstände im Ort sollen möglichst gefüllt werden. Zudem will der Rathauschef die Dachmarke Bayerischer Wald noch stärker nutzen: „Der Bayerische Wald hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.“

In seinen Augen hat Sankt Englmar einen großen Vorteil: Es liegt idyllisch mitten in den Bergen und ist doch nur 15 Minuten von der Autobahn entfernt. „Bei uns stimmt die Qualität, die Umgebung und die Leistung“, sagt er selbstbewusst. 400.000 Übernachtungen verzeichnet der Ort im Jahr. Es gibt touristische Leuchtturmprojekte wie den Waldwipfelweg, die Sommerrodelbahn und das Mitmach-Museum Xperium.

Aichinger ist den privaten Unternehmern, die diese Einrichtungen erfolgreich betreiben, sehr dankbar und will sie ebenso wie die anderen Betriebe der Gemeinde, von Handwerk bis Gastronomie, weiterhin unterstützen. Die Bürgerinnen und Bürger will er eng und transparent in die Entscheidungen einbeziehen und sie so gut wie möglich informieren. „Mir ist es wichtig, die Traditionen zu bewahren, aber auch den Blick in die Zukunft zu richten“, gibt er die Marschrichtung vor.

Eingespannt ist er jetzt noch mehr als früher. Wenn er doch einmal Freizeit hat, verbringt er sie mit seinen beiden Kindern Benedikt und Katharina und Ehefrau Johanna, geht etwa auf den Berg oder engagiert sich als Vorsitzender der Feuerwehr. Manchmal schaut er ein Spiel seines Lieblingsvereins, dem TSV 1860 München.

Und wenn die Hochzeitspaare in der Region terminlich ein klein wenig Glück haben, dann frotzelt er auch noch ein paarmal als Hochzeitslader am schönsten Tag im Leben und es fallen ihm flugs ein paar bissige Gstanzl ein. Doch Andi Aichinger will immer den Ton wahren und fair bleiben – als Musiker ebenso wie als Politiker.
(Melanie Bäumel-Schachtner)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll die nichtkommerzielle Leihmutterschaft erlaubt werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.