Kommunales

16.05.2026

Ein Leben für die Gemeinde - Marianne Krohnen war Bayerns am längsten amtierende Bürgermeisterin

Horst Seehofer, Franz Josef Strauß, Max Streibl, Günther Beckstein, Markus Söder – Marianne Krohnen (CSU) hat in ihrer Zeit als Rathauschefin von Geiselbach fünf bayerische Ministerpräsidenten getroffen. Bis auf letzteren hat sie politisch alle überlebt. Ihre Gemeinde verdankt der 74-Jährigen viel, wie selbst politische Gegner anerkennen. Nun wurde die Unterfränkin nach 42 Dienstjahren abgewählt

Es ist eine stolze Bilanz: Noch Ende April war Marianne Krohnen Bayerns am längsten amtierende Bürgermeisterin. Auch wenn es für die 74-Jährige diesmal bei der Kommunalwahl nicht ganz zum erneuten Sieg gereicht hat – diesen Beschluss fasste der Gemeinderat zu ihrem Abschied einstimmig: Die Unterfränkin wird zur Ehrenbürgerin von Geiselbach in Unterfranken ernannt.

„Ehre, wem Ehre gebührt“ besagt ein Sprichwort und sicher hatte das Gremium exakt diese Worte im Hinterkopf, als die Idee zur Ehrung ihrer 42 Dienstjahre reifte. Denn was die einstige Verwaltungsangestellte in den sieben Wahlperioden am Stück ehrenamtlich für ihre Gemeinde auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich. Zeit, Kreativität, Engagement und Kampf für Tradition und Moderne, für stetige Verbesserungen im knapp 2200 Einwohner zählenden Ort seien kaum messbar, loben politische Weggefährten.

Krohnen kam eher durch Zufall in die Politik

Gemeindemitglieder bekunden zum Abschied, dass die Ortsvorständin das Ehrenamt mit viel Verstand und maximalem Einsatz gelebt habe. Die Christsoziale habe Geiselbach über die Jahrtausendwende bis heute erfolgreich geführt und nach vorne gebracht. Marianne Krohnen galt lange als Bayerns dienstälteste Bürgermeisterin.

Dabei kandidierte die dreifache Mutter eher durch Zufall erstmals 1983 für die CSU und das Ehrenamt im Ort. Ursprünglich war ihr Ehemann im Gespräch gewesen. Doch wäre er dafür wohl kaum freigestellt worden, weil er beruflich zu stark eingespannt war. Da sei spontan die Idee entstanden, statt seiner seine Ehefrau für die Partei zu nominieren, erinnert sich Marianne Krohnen. Sie sei, sagt sie im Gespräch mit der Staatszeitung, nicht aus allen Wolken gefallen, als sie davon hörte, sondern habe stolz gedacht: Ja, wenn mir andere das auch zutrauen, kann ich mir das tatsächlich gut vorstellen!

Dieses Selbstbewusstsein überzeugte die Bürger, sie gewann die Wahl 1984 zur Ersten Bürgermeisterin, trat ihr Amt am 1. Mai an. Mit der sicheren Unterstützung ihrer Familie machte sie sich daran, Vorschläge und Verbesserungen für die Gemeinde zu überlegen und auszuarbeiten. Ein Fokus von Krohnens Arbeit lag nach ihrer Aussage auch auf der Verbesserung der Situation von Familien und älteren Mitbürgern. Alles passte bei ihr unter einen großen Hut.

Marianne Krohnen sagt, die Großfamilie, in der sie aufwuchs und in der sie mit ihren Kindern, heute fünf Enkeln und einem Urenkelkind lebt, habe sie immer getragen und gestärkt. „Ohne meinen Mann und meine Eltern wäre das nicht gegangen.“ Nie hat sie als Bürgermeisterin dabei das große Ganze aus den Augen verloren.

Ein ausgeglichener Haushalt war ihr wichtig

Ein erster großer Schritt für Geiselbach in ihrer Verantwortung war der Weg in die Eigenständigkeit, heraus aus einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Nachbargemeinde Schöllkrippen. Dafür habe sie die ersten Jahre ihrer Bürgermeisterinnentätigkeit hart gearbeitet.

Auch die Dorferneuerung ist ihrem Einsatz zu verdanken. Über zehn Jahre bis zum Abschluss 2016 widmete sie dem Projekt ihre volle Aufmerksamkeit, führte viele Gespräche und nutzte ihr Verhandlungsgeschick. Sie habe natürlich auch davon profitiert, dass in einem kleinen Ort jeder jeden kennt und man direkt miteinander sprechen könne. Das weiß sie genau.

Es sei wichtig gewesen, beide Ortsteile fair und gleichwertig zu behandeln, erinnert sie sich. Ganz oben habe auf ihrer Agenda gestanden, gut zu wirtschaften. „Ich war immer bemüht, die Gemeindekasse nicht zu belasten, sondern marktwirtschaftlich zu arbeiten, Investoren anzufragen und Fördertöpfe zu nutzen“, sagt Krohnen.

Ob für das neue Feuerwehrhaus oder den Kreisverkehr an der Staatsstraße, der den Unfall-Hotspot entschärfte – sie fand Lösungen für die Finanzierung. Mit ihrem Motto: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ hatte sie die Finanzen nach eigener Aussage stets im Blick.

Vieles, was erst nach ihrem Abschied als Amtsinhaberin verwirklicht wird, hat die Geiselbacherin vorab angestoßen, projektiert, berechnet. Die Sanierung der Sporthalle für die Schulkinder steht bevor, damit diese nicht mehr mit dem Bus zum Turnen fahren müssen und die Gemeinde den Raum als Mehrzweckhalle nutzen kann. Auch dank ihr sind die Baugenehmigung und die Finanzierung gesichert.

Herzensprojekt Seniorentagespflege

Ihr absolutes Herzensprojekt sei die geplante Seniorentagespflege, ein Wunsch, dessen Umsetzung Marianne Krohnen seit Jahren mit sich trägt. Auch da hat die nun ausgeschiedene Bürgermeisterin alles Nötige in die Wege geleitet. Grundstücke wurden gekauft, Verträge mit der Sozialstation der Caritas besiegelt. Der rechtsverbindliche Bebauungsplan werde nach den Anhörungen der Behörden und Bürger erstellt. Sie hoffe, dass, wenn diese letzten öffentlichen Beteiligungen erfüllt sind, eine Eröffnung schon Ende 2027 möglich sei, so Krohnen.

In all ihren Dienstjahren ist die resolute Frau auch vielen bayerischen Ministerpräsidenten begegnet. Ob Markus Söder, Horst Seehofer, Franz Josef Strauß, Max Streibl oder Günther Beckstein, den sie 2008 zur Einweihung der neuen Staatsstraße einlud. Auch den amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier konnte sie persönlich treffen.

Künftig will sich die Ex-Bürgermeisterin eigenen Interessen widmen, kein Gemeindemandat mehr übernehmen. Dass sie ihrer ältesten Tochter auf deren Hof mit Mutterkuhhaltung und Pensionspferden zur Hand gehen mag, aber auch ihre Fremdsprachenkenntnisse auffrischen kann, ist eine Freiheit, der sie mit Freude entgegensieht. Als politischer Mensch wird sie aber weiter aufmerksam hinsehen, was in und um ihren Ort geschieht.

Würdigung für 42 Jahre Einsatz

Zum Abschied bedankt sich der Gemeinderat so: Marianne Krohnen habe in den 42 Jahren für die Gemeinde frühzeitig innovative Impulse im Bereich der Energie- und Umweltpolitik gegeben und in der interkommunalen Zusammenarbeit wichtige Impulse für die regionale Entwicklung gesetzt.

Die Begründung für die sehr zügige Ernennung zur Ehrenbürgerin bestätigt ihr einzigartiges Engagement. Unter ihrer Führung habe sich Geiselbach von einer ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer modernen und lebenswerten Kommune gewandelt.

Bayerns längste amtierende Bürgermeisterin selbst wünscht sich in deren Sinne, dass diese bei allen gesellschaftlichen Veränderungen Werte wahrt, Wertschätzung lebt und dort eine gute Gemeindepolitik gemacht wird. Und, dass man sie selbst in guter Erinnerung behält, die sich über vier Dekaden für alle Generationen Geiselbachs eingesetzt hat. In Bayern werden Ehrenbürgerwürden nur selten vergeben. (Marie J. Hlawica)

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