Kommunales

Wenn es mal wieder länger dauert: Polizeihauptkommissar Stefan Schmid aus Nürnberg mit Ladekabel vor einem Streifenwagen. (Foto: dpa/Daniel Karman)

31.01.2020

Elektroautos nur bedingt polizeitauglich

Test in bayerischen Dienststellen ergab: Fahrzeuge besitzen nur begrenzte Reichweiten und benötigen lange Ladezeiten

Die Kombination war schon fast klassisch. Hier die bayerischen Polizeibeamten in der neuen und zu dem Anlass stilgerechten blauen Uniform. Daneben der silber und blau dekorierte BMW i3 Bayerische Polizei und Bayerische Motorenwerke.

Ganz so harmonisch wie die Präsentation 2015 verlief die Beziehung allerdings nicht. Insgesamt zehn solcher Fahrzeuge zum Stückpreis von 37 000 Euro bekamen die Polizeipräsidien in München, Augsburg und Nürnberg. Der nur vier Meter lange BMW mit den schmalen, nach vorne öffnenden hinteren Türen erwies sich aus mehreren Gründen für den Polizeieinsatz wenig geeignet. Die geringe Reichweite des BMW und die langen Ladezeiten sind mit dem Streifendienst kaum vereinbar. Das bestätigt auch der Sprecher des Innenministeriums, Michael Siefener: „Uns war schon von vorne herein klar, dass diese Fahrzeuge insbesondere aufgrund des Platzangebots und der Reichweite dafür nicht geeignet sind.“

Wo es darum geht, schnell einsatzfähig zu sein und wo die Einsatzzeiten und -strecken auch vorher schwer absehbar sind, da sind konventionelle Fahrzeuge deutlich im Vorteil. Das sieht auch Peter Schall, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern, so: „Bei der Verkehrsunfallaufnahme laufen Blaulicht, Warnblinker, Licht zur Absicherung und der Funk, da ist gerade in der kalten Jahreszeit sehr schnell die Batterie am Ende und dann muss das Fahrzeug mangels Ladestation in der Nähe abgeschleppt werden.“ Die langen Ladezeiten – je nach Anschlusstechnik – lassen sich nicht immer sinnvoll mit den Anforderungen im Streifendienst verbinden.

 

Auch bei der Antriebstechnik des BMW i3 gibt es ein Manko


Ein anderes Manko des BMW i3 hat mit der Antriebstechnik nichts zu tun. Das relativ kurze Auto mit dem engen Fond und den unpraktischen hinteren Türen, die sich nur öffnen lassen, wenn man vorher die vordere Tür aufmacht, sind für den Platzbedarf im Streifendienst wenig tauglich. Da müssen die ballistische Ausrüstung, Sicherheitsgegenstände und anderes Zubehör untergebracht werden.

Und dann braucht man noch Platz für eventuelle Passagiere, die es im i3 sehr eng haben. Dabei besteht auch das Risiko, dass mit Gepäck und eventuell schwergewichtigen Passagieren auch Belastungsgrenzen überschritten werden können.

Immerhin gilt in Polizeikreisen auch der 3er von BMW schon als grenzwertig, was die Ladekapazitäten angeht. Für den Streifendienst ist der elektrische BMW also eher ungeeignet. Entsprechend haben die Polizeipräsidien den BMW dort abgezogen und für verträglichere Arbeiten eingesetzt. In Nürnberg sind es die Verkehrserzieher, die damit unterwegs sind. An anderen Orten wechseln die BMWs von Dienststelle zu Dienststelle, werden für Ermittlungs- und Erhebungsdienste eingesetzt.

„Ein besseres Einsatzgebiet wäre da auch die Kriminalpolizei, wo man mit den Elektroautos zu Verhören und der Tatbestandsaufnahme fahren kann oder zu Besprechungsterminen“, ergänzt Peter Schall von der GdP. Ein offensichtlich nicht ganz unwichtiger Nebenaspekt ist die Imagepflege, will man hier auch ökologisches Bewusstsein zeigen.

In Niedersachsen ist man schon ein Stück weiter


Schneller als die Bayern waren die Niedersachsen bei der elektrischen Mobilität für die Polizei. Dort wurden schon 2014 einige VW E-up in Betrieb genommen, die aber als Kleinstwagen für den Streifendienst nicht vorgesehen waren, sondern für Ermittlungen und andere einfachere Dienstfahrten herangezogen wurden. 2016 startete schließlich das Projekt „lautlos & einsatzbereit“, das 27 Plug-in-Hybridautos und 26 batterieelektrische Fahrzeuge und dazu 51 Ladestationen umfasst. Das Projekt wurde vom Bundesumweltministerium und dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium mit insgesamt 2,3 Millionen Euro mitfinanziert.

Im März 2020 läuft das Projekt aus. Zwischenzeitlich verstärkten 15 Opel Ampera der zweiten Generation die Polizeiflotte, werden dank der relativ hohen nominellen Reichweite von 400 Kilometern auch im Streifendienst eingesetzt. Im neuen Programm namens „air“ – alternativ, innovativ, regenerativ – wollen die Niedersachsen bis zu 185 E-Fahrzeuge für die Polizei zum Einsatz bringen. Wissenschaftlich begleitet wird dies von der TU Braunschweig.

Ähnliche Erfahrungen wie die Bayern machte auch die britische Polizei. Dort wurden laut einem Bericht der Zeitung Telegraph 400 besonders ökologische Fahrzeuge eingesetzt. Die Erfahrungen der Polizeistationen waren recht ernüchternd. Vor allem die begrenzte Verfügbarkeit wegen langer Ladezeiten machte den Einsatz in Notfällen problematisch. Erschwerend kam dabei hinzu, dass bei einigen Fahrzeugen auch aus ökologischen Gründen die Geschwindigkeit abgeriegelt wurde, was Verfolgungsfahrten erschwerte. In einem Bericht kam man zu dem Ergebnis, dass der Markt noch nicht reif sei, die speziellen Anforderungen der Polizei zu erfüllen. Elektroautos seien nur zu Beginn der Schicht mit voller Reichweite verfügbar. Was im Lauf der Schicht anfällt, welche Einsätze notwendig sind, ist nicht vorhersehbar.

Weniger Budgetprobleme hat offensichtlich die Polizei in Luxemburg, die 2017 zwei Tesla Model S angeschafft hatte, die auch für den Streifendienst verwendet werden sollten. In dem kleinen Land mit nur 2586 Quadratkilometern Fläche sollte es mit der Reichweite bei den Teslas keine Probleme geben. Tatsächlich sorgte bald ein Polizei-Tesla für Aufsehen. Als das weiß-rot-blaue Model S ohne Strom auf der Autobahn bei Sandweiler stehen blieb, gab es gleich mehrere Kilometer lange Staus mit vielen Schaulustigen. (Georg Weindl)

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