Dominik Krause ist Münchens erster grüner Oberbürgermeister. Der 35-Jährige gibt in seiner ersten Woche im Amt nicht nur einen Einblick in sein Chefbüro im Rathaus – zwischen Olympiafackel und Anzapfset kündigt er die Modernisierung der Verwaltung sowie eine Wohnbauoffensive an.
Immerhin die große Schrankwand hat Dominik Krause schon mal eingerichtet – mit Büchern von Hannah Arendt und Helmut Dietl sowie allerlei Erinnerungsstücken aus seiner bisherigen politischen Laufbahn, aber auch mit zukunftsgerichteten Dingen. So liegt dort etwa ein Zapfhahn samt Schlegel griffbereit, mit dem der Münchner Oberbürgermeister für sein erstes Anzapfen auf dem Oktoberfest im September üben kann.
Und ein Fach weiter steht eine Original-Olympiafackel aus dem Jahr 1972. „Als Glücksbringer“, sagt Krause, „damit wir ebenfalls im September hoffentlich den Zuschlag als deutscher Olympiabewerber bekommen.“
Abläufe im Rathaus sollen effizienter werden
Während die Schrankwand im Oberbürgermeisterbüro des Münchner Rathauses bereits gut gefüllt ist, herrscht auf dem Schreibtisch davor – positiv ausgedrückt – noch ein aufgeräumter Zustand. Der Grünen-Politiker selbst führt das auf seinen Abschied vom papiernen Büro zurück und kramt zum Beweis sogleich ein Tablet hervor für die zahlreichen Fotografen, die heute zu seinem offiziellen Amtsantritt gekommen sind.
Tatsächlich aber dürfte sich die Arbeit schon bald türmen auf dem Schreibtisch, denn an Aufgaben und Herausforderungen mangelt es Münchens erstem Grünen Oberbürgermeister nicht. Und dennoch betont Dominik Krause – weißes Hemd, darüber ein dunkelblauer Anzug, darüber meist ein jugendliches Lächeln – ein ums andere Mal, wie sehr er sich auf die nächsten sechs Jahre freue. „Für mich, der in München geboren und aufgewachsen ist, ist das Amt des Oberbürgermeisters ein Traumjob.“
Eher ein Albtraum gewesen sind die vergangenen Wochen dagegen für den Vorbesitzer des geräumigen Büros mit Blick auf den Marienplatz. Denn der bisherige Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) startete als haushoher Favorit in den Wahlkampf, leistete sich dann jedoch kurz vor der Abstimmung mehrere Patzer, musste daraufhin in die Stichwahl und unterlag dort seinem Grünen-Herausforderer. Nun hat der SPD-Mann nach zwölf Jahren das Chefzimmer im Rathaus räumen müssen und dabei unter anderem einige Fußballtrikots mitgenommen, wie Krause verrät.
Das Ziel sind 50.000 neue Wohnungen
Er selbst hat derweil die Möbel und Einrichtung seines Vorgängers größtenteils übernommen, was der 35-Jährige aber nicht als Zeichen zum Sparen angesichts einer angespannten Haushaltslage verstanden wissen will. Sondern: „Es gab in den vergangenen Wochen viele andere Dinge zu tun“, betont Krause.
Intensiv waren etwa die Koalitionsverhandlungen zwischen seiner Partei und der Rosa Liste sowie den Stadtratsfraktionen von SPD und FDP/Freien Wählern. Diese sollen kommende Woche ihren erfolgreichen Abschluss finden, hofft der neue Rathauschef. Ist das geschafft, werde man sich den drängendsten Fragen zuwenden, kündigt er an. „Inhaltlich ist das vor allem das Thema bezahlbarer Wohnraum. Das ist die soziale Frage in München.“
Im Wahlkampf hat Krause versprochen, 50.000 neue Wohnungen zu bauen. An dieser durchaus mutigen Ankündigung wird sich der jüngste OB seit Hans-Jochen Vogel (SPD) messen lassen müssen, weshalb er schon für Mitte Mai einen „Wohnungsgipfel“ anberaumt habe, betont Krause. „Ich will mit allen Beteiligten sprechen und hören, was die Hemmnisse sind, wieso nicht so schnell gebaut werden kann.“
Nebst der Frage nach bezahlbarem Wohnraum hat Dominik Krause im Wahlkampf auf die Themen Mobilität, Klimaschutz und eine effiziente Verwaltung gelegt. Mindestens ebenso entscheidend für seinen überraschenden Wahlsieg war jedoch, dass sich der Grünen-Politiker als Gegenentwurf zu Amtsinhaber Dieter Reiter präsentierte. Also jünger, moderner und kompromissbereiter. Und nicht zuletzt: unverbrauchter.
Termin für Hochzeit mit Verlobtem noch offen
Dabei verfügt Dominik Krause trotz seiner 35 Jahre bereits über reichlich Erfahrung in der Politik. Nach seinem Abitur und dem Zivildienst an einer inklusiven Montessori-Schule absolvierte er ein Physikstudium an der TU München und engagierte sich parallel dazu bei den Grünen. 2014 wurde der damals 23-Jährige erstmals in den Münchner Stadtrat gewählt, wo er später zum Fraktionschef aufstieg, ehe er 2023 das Amt des Zweiten Bürgermeisters übernahm.
In dieser Funktion hatte Krause bereits ein Büro nahe dem jetzt bezogenen Chefzimmer. Insofern war der Umzug schnell erledigt – seine neue Rolle hingegen habe er noch nicht komplett verinnerlicht, räumt Krause ein. „Als ich bei meinem ersten Termin mit ‚Guten Morgen, Herr Oberbürgermeister‘ angesprochen wurde, da musste ich das erst mal sacken lassen.“
Neben jener Demut schlägt Krause an seinem ersten Amtstag aber auch forsche Töne an. So kündigt er eine Verwaltungsreform an, um die Abläufe im Rathaus effizienter zu gestalten und so auch die laufenden Kosten zu senken. Überdies werde er einen „Bürokratie-Monster“-Wettbewerb ausrufen, um Bremsklötze gerade für den Mittelstand aus dem Weg zu räumen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit soll in den ersten Monaten die Olympia-Bewerbung sein. Denn München wolle und brauche die Sommerspiele ab dem Jahr 2036 – als „Infrastrukturbooster“, so Krause, aber auch, „um sich als Sportstadt auf der Weltbühne zu präsentieren“.
Angesichts all dieser Pläne und Ankündigungen dürfte dem 35-Jährigen die Arbeit in seinem neuen Büro nicht ausgehen. Was für seinen Verlobten Sebastian Müller wiederum bedeuten könnte, dass sich der Mediziner womöglich weiter gedulden muss. Denn zuletzt fehlten Krause und seinem Jugendfreund – die beiden haben sich 2007 bei einem Tanzkurs kennengelernt – schlicht die Zeit, um auf Terminsuche für die geplante Hochzeit zu gehen. Wobei der neue Oberbürgermeister kurz nach seinem Wahlsieg betonte, dass er seinem Verlobten versprochen habe, „das nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben“.
(Patrik Stäbler)
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