Kommunales

Gasbohrung bei Reichling: Neue Erkenntnisse zur Fließgeschwindigkeit des Grundwassers verändern die Risikobewertung. (Foto: dpa/Uwe Lein)

12.02.2026

Gasbohrung in Reichling: Entwarnung und neue Fragezeichen

Nach erhöhten Messwerten rund um die Gasbohrung in Reichling gibt das Bergamt Entwarnung. Doch neue Berechnungen zur Fließgeschwindigkeit des Grundwassers werfen weitere Fragen auf

Trotz eines im vergangenen August festgestellten Anstiegs teils giftiger Substanzen im Grundwasser rund um die Gasbohrung in Reichling gibt es nach Ansicht des Bergamts Südbayern keinen Grund zur Sorge. „Aus keinem der bisherigen Untersuchungsergebnisse ergeben sich Anhaltspunkte für Gefahren für Mensch oder Umwelt. Anlass zur Änderung oder gar zum Widerruf bestehender Genehmigungen bestand daher nicht“, teilte die Aufsichtsbehörde mit.

Mehrere Umweltverbände wollen unterdessen die Forderung nach einem Bohrstopp in den Landtag einbringen. Fast 60.000 Menschen hätten eine entsprechende Petition unterstützt.

Messwerte unter Grenzwerten – Behörde sieht keine Gefahr

Im August waren laut Wasserwirtschaftsamt Weilheim erhöhte Werte für Zink, Barium und BTEX festgestellt worden. Dabei wurden teils die sogenannten „Geringfügigkeitsschwellenwerte“ überschritten. BTEX umfasst unter anderem Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole – Stoffe, die als giftig gelten und Böden sowie Grundwasser verunreinigen können. Benzol ist als krebserregend eingestuft.

Das Bergamt betonte nun, alle Messergebnisse hätten „zu keinem Zeitpunkt Anlass zu Besorgnis“ gegeben. Die Werte hätten stets deutlich unter relevanten Grenzwerten gelegen und sich rasch wieder normalisiert. Auch Verzögerungen bei der Übermittlung von Unterlagen seien behoben worden.

Grundwasser schneller als gedacht

Ein neues Detail sorgt allerdings für Aufmerksamkeit: Das Grundwasser im Umfeld der Bohrung bewegt sich deutlich schneller als zunächst angenommen. Nach Angaben des Bergamts wird derzeit von einer Fließgeschwindigkeit von zehn Metern pro Tag ausgegangen.

Im ursprünglichen Notfallkonzept war noch von einem Meter pro Tag ausgegangen worden, später hatte das Wasserwirtschaftsamt mindestens drei Meter pro Tag berechnet. Die Geschwindigkeit ist entscheidend für mögliche Schutzmaßnahmen. Bei zehn Metern pro Tag könnten Schadstoffe theoretisch innerhalb von rund 72 Tagen die etwa 720 Meter entfernte Trinkwasserquelle erreichen.

Die Probebohrung war im September 2025 abgeschlossen worden. Der Betreiber erklärte damals, sie sei „ohne Komplikationen sowie ohne Schädigung der Umwelt“ verlaufen. Derzeit laufen Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit einer möglichen Förderung.“ (dpa)

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