Kommunales

Sein letzter öffentlicher Auftritt: Hans Koschnick im April 2015 während eines Interviews von Radio Bremen. (Foto: dpa)

21.04.2016

Hans Koschnick ist tot

Der ehemalige Bremer Bürgermeister, Städtetagschef und Außenpolitiker starb im Alter von 87 Jahren

Hans Koschnick ist tot. Der SPD-Außenpolitiker, ehemalige Bürgermeister von Bremen und frühere Präsident des Deutschen Städtetags, starb am Donnerstag, 21. April 2016 im Alter von 87 Jahren in seiner Heimatstadt. Geboren in einem Arbeiterstadtteil der Hansestadt zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise wurde der junge Hans schon früh politisiert. Die Eltern waren beide in der kommunistischen Widerstandsbewegung gegen die Nazis aktiv, der Vater wurde verhaftet und landete im Konzentrationslager Sachsenhausen. Nach der Mittelschule begann Koschnick eine Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst. Im März 1945 wurde er noch eingezogen und kam zum Kriegsende in britische Kriegsgefangenschaft. Im September 1945 kehrte er wieder nach Bremen zurück. Nachdem Koschnick seine Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst beendet hatte, durchlief er mehrere Stationen in der Senatsverwaltung für Soziales des Stadtstaats. Koschnick trat im Mai 1950 in die SPD ein. Zwischen 1951 und 1954 war er als Bezirkssekretär der Gewerkschaft ÖTV (einem Vorgänger von Verdi) tätig. Ab 1955 war er Mitglied der Bremer Bürgerschaft, dem Landtag des kleinsten deutschen Bundeslands. 1963 wurde Koschnik Innensenator, 1967 Präsident des Senats, der offizielle Titel des Bremer Bürgermeisters, und damit Regierungschef. In seinen fast 18 Amtsjahren (Koschnick trat 1985 freiwillig und ohne äußeren Anlass zurück) wirkte er mehrmals als Präsident des Bundesrats. Als stellvertretender SPD-Vorsitzender von 1975 bis 1979 war Hans Koschnick auch die Nummer 2 in der Partei hinter Willy Brandt. Dem Deutschen Städtetag stand der SPD-Politiker von 1971 bis 1977 vor.

Zwei Mordanschläge während seiner Zeit als EU-Beauftragter in Bosnien

Von 1987 bis 1994 war Koschnick Mitglied des Bundestags als direkt gewählter Abgeordneter. Er war Stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und galt Anfang der 1990er Jahre im Schattenkabinett von Kanzlerkandidat Oscar Lafontaine als möglicher neuer Außenminister. Vom 23. Juli 1994 bis zum 2. April 1996 war Koschnick von der EU als EU-Administrator für Mostar in Bosnien-Herzegowina mit der Koordination des Wiederaufbaus, der Verwaltung und Infrastruktur der kriegszerstörten Stadt beauftragt. 1994 wurde von kroatischen Nationalisten ein Anschlag auf Koschnick unternommen, bei dem sein Hotelzimmer in Mostar durch Granaten verwüstet wurde, er jedoch unverletzt blieb. 1996 erfolgte ein zweiter misslungener Anschlag. Eine aufgebrachte kroatische Menschenmenge griff bei einer Demonstration Koschnick in seinem gepanzerten Dienstwagen an. Die kroatische Polizei blieb passiv. Er konnte unverletzt mit Hilfe seiner Eskorte und dank des Panzerschutzes seiner Limousine entkommen. "Wir trauern um einen großen Bremer. Mit Hans Koschnick verlieren wir einen herausragenden Politiker, einen von allen geschätzten, hoch geachteten und überzeugten Demokraten", sagte Bremens derzeitiger Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Koschnick habe "unauslöschliche Spuren hinterlassen". Und Eva Lohse (CDU), die Oberbürgermeisterin von Luedwigshafen und derzeitige Präsidentin des Deutschen Städtetags, würdigte ihren Vor-Vorgänger mit den Worten: "Mit Sachverstand, Bürgernähe, der Fähigkeit zum fruchtbaren Ausgleich und pragmatischem, lösungsorientiertem Handeln verfolgte er eine Politik, die den Menschen dienen sollte und diente. Mit seinem kommunalpolitischen Leitbild der menschlichen Stadt verfolgteer konsequent eine ganzheitliche Politik der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entfaltung. Sein Engagement strahlte weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Bremen hinaus." (APL)

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