Kommunales

Derzeit sorgen Kurier- und Paketdienste durch zahlreiche Stopps für massive Störungen im innerstädtischen Verkehrsfluss. (Foto: dpa/Philipp Schulze)

20.05.2022

Hilfe gegen Amazon-Verkehrsplage

Corona hat den Online-Handel explodieren lassen – die urbane Mobilität gerät an ihre Kapaitätsgrenzen

Bis zu 30 Prozent des Verkehrs in deutschen Städten gehen mittlerweile auf Güter- und Warenverkehr zurück. „Corona hat diesen Trend verstärkt und beschleunigt, da der Online-Handel und die damit verbundenen Zustellungen einen Boom erfahren haben“, sagt Pirmin Fontaine, Professor für Operationsmanagement an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Fontaine beschäftigt sich unter anderem mit den Potenzialen von Lastenrädern für Logistik im urbanen Umfeld. Zudem betreut er an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät den neuen Studiengang Sustainability in Business and Economics, der zum Wintersemester an der WFI startet. Ziel dieses Studienangebots ist es, Nachhaltigkeit im Wirtschaftsleben zu verankern.

Einen von vier Schwerpunktbereichen bilden dabei auch Fragen rund um Logistik und digitale Systeme. Denn nicht nur im Hinblick auf die Folgen des Online-Handels gilt es zu klären, wie sich Produktion, Logistik und Supply Chain Management global agierender Konzerne ressourcenschonend und sozial verantwortungsvoll gestalten lassen.

Potenzial von Lastenrädern

Fontaine hat in einem vom Bundesverkehrsministerium geförderten Projekt untersucht, welches Potenzial Lastenräder in der Zustellung bis zur Kundschaft auf der sogenannten letzten Meile haben. Derzeit sorgen Kurier-, Express- und Paketdienste durch zahlreiche Stopps für massive Störungen im Verkehrsfluss, insbesondere während des Berufsverkehrs. „Bei der Paketzustellung muss man drei Gruppen berücksichtigen: die Kund*innen, die Paketdienstleister und die Kommunen. In unserem Projekt haben wir uns auf die Kommunen konzentriert, um sie bei der Planung von Infrastruktur für Lastenräder zu unterstützen“, schildert Fontaine. Denn diese meist elektrounterstützten Gefährte haben zwangsläufig einen beschränkten Radius und eine beschränkte Kapazität, um Ladung zu transportieren. Somit müssen auch die Touren kleiner konzipiert werden.

Grundlage für diese Überlegungen sind sogenannte Mikro-Depots, die es strategisch geschickt in den Städten zu platzieren gilt. Waren, die von außerhalb der Stadt kommen, werden dabei mittels Laster zu den Mikro-Depots und von dort dann mit Lastenrädern zur Kundschaft geliefert. Die Belieferung der Depots kann in den frühen Morgenstunden erfolgen – zu Zeiten mit geringem Verkehrsaufkommen.

Mathematisches Optimierungsmodell

Um Gebiete mit hohem Potenzial zu ermitteln, hat Fontaine – basierend auf einem mathematischen Optimierungsmodell – ein Tool entwickelt, mit dem Kommunen selbst Gebiete ermitteln können, in denen sich Lastenräder besonders lohnen. Unter Berücksichtigung von Kosten und Umweltaspekten wurden für München und Regensburg verschiedene Szenarien verglichen und analysiert. Die Modellrechnungen zeigten, dass sich 20 Prozent an Lieferwagen-Kilometern und 20 Prozent CO2-Emissionen reduzieren ließen.

Eine Möglichkeit, um das Verkehrsaufkommen weiter zu reduzieren, haben die Forschenden noch untersucht. Dabei berücksichtigten sie ein Phänomen, das jeder im Alltag erlebt: Kaum wurde ein Paket geliefert, steht der Zustellende eines anderen Unternehmens vor der Tür, um weitere Ware abzugeben. Überlappende Touren verschiedener Dienstleister ließen sich durch eine sogenannte Konsolidierung vermeiden.
„Wichtig für solche Überlegungen ist es, die urbane Mobilität insgesamt in den Blick zu nehmen. Denn wenn wiederum nicht genügend Radwege vorhanden sind, wird es dort für andere Nutzer*innen zu eng, wenn Lastenräder die Infrastruktur nutzen. Hier braucht es ganzheitliche Konzepte für Mobilität in der Innenstadt“, erklärt Fontaine.

Im neuen Studiengang werden daher zu solchen Fragestellungen die Expertise von Management, Wirtschaftsinformatik und Logistik verknüpft. So können zum Beispiel neue Modelle für Dienstleistungen entstehen, die auf dem Weg durch die Stadt jeweils das optimale Verkehrsmittel aufzeigen und wirtschaftlich tragfähig gestalten. (Katja Ossiander)

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