Kommunales

Mit seinen 90 Quadratkilometern Fläche ist der Ebersberger Forst eines der größten Waldgebiete Deutschlands. (Foto: BSZ)

19.09.2019

Kampf um den Ebersberger Forst

Das Staatliche Bauamt Rosenheim will eine Ortsumgehung durch den Wald bauen – der Bund Naturschutz protestiert

Die bayerische Staatsregierung hatte erst im Juli dieses Jahres angekündigt, den Flächenverbrauch im Freistaat verringern zu wollen – wenngleich zunächst nur auf freiwilliger Basis. Selbst geht das Kabinett aber nicht mit gutem Beispiel voran, wie ein aktuelles Beispiel aus Oberbayern zeigt. Der Fall ist wohl symptomatisch für das noch immer weite Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit beim Thema Flächenfraß. Der aktuelle Flächenverbrauch in Bayern beträgt laut Umweltministerium etwa 11,7 Hektar pro Tag (Stand 2017). Pro Jahr werden 43 Quadratkilometer Freifläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt.

Durch den Ebersberger Forst soll die geplante Ortsumgehung Schwaberwegen und Moos mit der Staatsstraße 2080 führen. Der Ebersberger Forst ist mit seinen rund 90 Quadratkilometern Ausdehnung nicht nur eines der größten Waldgebiete Deutschlands, sondern auch eines der größten nicht-alpinen Waldgebiete Mitteleuropas. 77 Quadratkilometer der Fläche befinden sich im Besitz des Freistaats, der Rest ist Gemeinde- und Privatbesitz.

Der Bund Naturschutz in Bayern ist über die Pläne empört: „Das Straßenbauprojekt wird den Forst durchschneiden und Bannwald vernichten. Bei dem Gebiet der geplanten Straße handelt es sich zum Teil um 100-jährige Buchen und Eichen sowie 13 weitere Baumarten wie Wildkirsche und Wildbirne, unter denen aufgrund der vorbildlichen Bewirtschaftung die nächste Waldgeneration heranwächst“, erläutert Annemarie Räder, die Regionalreferentin für Oberbayern beim Bund Naturschutz.

"Gefährlichen Präzedenzfall verhindern"

Und Olaf Rautenberg, der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz in Ebersberg, ergänzt: „Wer ohne vernünftigen Bedarf im Landschaftsschutzgebiet Bannwald rodet und Flächen versiegelt, meint es offensichtlich nicht ernst mit dem Flächensparen und Waldschutz.“ Rautenberg ist überzeugt: „Eine Ertüchtigung der Bestandsstraße ist hier ausreichend.“

Bei der Instandhaltung von Staatsstraßen könne der Freistaat zeigen, dass er es mit dem Flächensparen und in diesem Fall mit dem Waldschutz ernst nimmt. „Denn in Zeiten von Klimawandel, Regenwaldabholzung und erfolgreichen Volksbegehren für die Artenvielfalt wirkt eine Umgehungsstraße durch den Ebersberger Forst wie aus der Zeit gefallen“, so der Kreisvorsitzende. „Wir müssen einen gefährlichen Präzedenzfall verhindern. Sollte diese Straße gebaut werden, wird das weitere Begehrlichkeiten bei den Anliegergemeinden wecken.“

Beim zuständigen Staatlichen Bauamt Rosenheim, das schon zu Jahresbeginn das Planfeststellungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern eingereicht hat, kann man die Empörung nicht nachvollziehen. Schließlich habe man „die Unterlagen auf Anraten der Regierung in den vergangenen Monaten nochmals ergänzt“, erläutert der zuständige Bauoberrat Matthias Geitz auf Nachfrage. Man verfolge mit dem Projekt, das als Baumaßnahme der 1. Dringlichkeit gilt, mehrere planerische Ziele – unter anderem eine Verlagerung des Schwerlastverkehrs aus dem Ort raus und eine „größtmögliche Entlastung der Dörfer Schwaberwegen und Moos“.

Öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen bis Freitag, 11. Oktober 2019

In der Betrachtung und Abwägung der verschiedenen Varianten, urteilt Matthias Geitz, habe sich die Westumfahrung „als diejenige Variante herausgestellt, mit der die Planungsziele am besten erreicht werden.“ Ein Ausbau der bestehenden Staatsstraße 2080 – wie vom Bund Naturschutz ins Spiel gebracht – sei „aufgrund der beengten Verhältnisse der Ortsdurchfahrt nicht möglich“, so der Bauoberrat.

Natürlich bedeute der Neubau auch einen Eingriff in die Natur, gibt Geitz zu. Aber dem werde man mit einem „Konzept von Vermeidungs-, Minimierungs- und vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen begegnen.“ Rückenwind bekommt das Bauamt vom bayerischen Verkehrsministerium. Man sorge mit dem Projekt „für eine Verbesserung der Verkehrssicherheit und für eine maximale verkehrliche Entlastung und Schutz der Anwohner vor Emissionen“, so Sprecherin Kathrin Fändrich zur Staatszeitung.

Noch bis Freitag, 11. Oktober 2019, dauert die vierwöchige Auslegung der Planungsunterlagen in den Gemeindeverwaltungen von Forstinning, Anzing und Markt Schwaben sowie im Ebersberger Landratsamt. Während dieser Zeit und noch vier Wochen darüber hinaus können Einwände vorgebracht werden – wozu der Bund Naturschutz seine Anhänger nachdrücklich aufruft. Im Internet ist unter der Adresse ebersberg.bund-naturschutz.de/st2080-ortsumgehung-schwaberwegen.html dafür ein Musterformular hinterlegt. Die Regierung von Oberbayern wird die Einwände von privaten Betroffenen und Verbänden prüfen und das Staatliche Bauamt um eine Stellungnahme bitten. Danach wird dann entschieden.
(André Paul)

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