Kommunales

Das Großkraftwerk im Nürnberger Stadtteil Gerbersdorf am Morgen nach einem Brand. (Foto: dpa/Daniel Karmann)

09.02.2021

"Die Katastrophe in der Katastrophe"

Bei eisigen Temperaturen fällt in Nürnberg nach einem Brand ein Kraftwerk aus. 15 000 Menschen in zwei Stadtteilen können nur noch sehr sparsam heizen. Die Stadt hat Hotelzimmer reserviert - und Verwandtenbesuche sind trotz Corona-Lockdown ausdrücklich erlaubt

Mobile Wärmequellen aus vielen Ecken Deutschlands sollen es richten: Die N-Ergie AG versucht alles Menschenmögliche, damit gut 15 000 Menschen in den beiden Nürnberger Ortsteilen Gebersdorf und Röthenbach in den nächsten - saukalten - Tagen nicht frieren müssen. Manche müssen es aber doch: Der Energieversorgers N-Ergie drosselte unter anderem in einigen Wohnblocks und in einem Gewerbezentrum die Temperatur auf 10 bis 15 Grad. 

Am Montagabend war im Block 1 des Großkraftwerks Franken (GKF) ein Brand ausgebrochen. Das Gaskraftwerk des Betreibers Uniper liefert der Nürnberger Fernwärmeversorgung in der kalten Jahreszeit Wärme als Spitzenlast zu. „Wir können in diesem Gebiet selbst 25 Megawatt (MW) liefern, der Rest kommt von GKF“, sagte N-Ergie-Chef Josef Hasler am Dienstag. Das Kraftwerk ist vorübergehend abgeschaltet. Die Lücke beschreibt Hasler als „15-MW-Dilemma“.

Erst werden die Schwachen mit Wärme versorgt

Diese Wärmelücke dürfte in den nächsten Tagen noch größer werden: In Nürnberg sind Nachttemperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius angekündigt. Deshalb setzt Hasler vor allem auf mobile Heizcontainer, die aus Bayern und selbst aus Nordrhein-Westfalen zugesagt worden seien. „Wir haben schon 7 MW akquiriert, die wir heute ab 18 Uhr einschleusen werden“, versuchte Hasler den betroffenen Bürgern die Angst vor eiskalten Wohnungen zu nehmen. Doch im Vordergrund stehe die Versorgung einer Klinik und mehrerer Seniorenheime in den Stadtteilen. „Wir schützen die Schwachen und Gebrechlichen vor den Gesunden“, stellte der Stadtwerke-Chef klare Versorgungs-Prioritäten auf.

„Es sieht momentan gut aus, dass wir in den nächsten Tagen zusätzliche mobile Einheiten akquirieren können“, gab Hasler zudem bekannt. Neben Dienstleistungsfirmen, bei denen Notwärme-Container angemietet wurden, lobte er insbesondere „die Familie der Kommunalversorger“. Von den nahen Stadtwerken aus Erlangen, Fürth und Schwabach, aber auch aus München und Nordrhein-Westfalen seien mobile Wärmequellen zugesagt. Diese würden nach und nach angeschlossen.

Zusätzlich seien aber auch Mitarbeiter der N-Energie in den Stadtteilen unterwegs, um die Menschen aufzufordern, in den nächsten Tagen die Heizungen etwas herunterzudrehen und weniger ausgiebig zu duschen. Außerdem hätten Firmenkunden, darunter ein Einkaufszentrum, die Temperaturen in ihren Räumlichkeiten bereits gedrosselt und so den Bedarf um 5 MW reduziert, so Hasler.

Zweiter Katastrophenfall

Oberbürgermeister Marcus König (CSU) hatte am Dienstagmorgen „den zweiten Katastrophenfall neben der Corona-Katastrophe“ ausgerufen. So sei es leichter, Hilfsdienste mit THW oder freiwilligen Feuerwehren abzustimmen, erläuterte er zur Begründung.

Auch wenn die Versorgung grundsätzlich aufrechterhalten werde, eine Reduzierung der Wohnungstemperaturen auf 15 Grad sei wünschenswert. Wer damit nicht klarkomme, könne für die nächsten Tage in eines der 1100 Hotelzimmer mit knapp 3000 Betten umziehen, welche die Stadt vorsorglich reserviert habe. Die Zimmerpreise von bis zu 90 Euro wollen Stadt und N-Energie bezuschussen, damit am Ende 40 Euro für die Nacht übrigbliebe. König betonte aber: „Niemand ist gezwungen, die Wohnung zu verlassen. Doch auch wer bei Verwandten unterkommt, begeht keinen Verstoß gegen die Corona-Regeln. Das ist mit der Regierung abgestimmt.“

Ob sich der Kraftwerksbetreiber Uniper an den Mehrkosten für Bürger und Kommune beteiligen werde, ist nach Aussage von Josef Hasler dagegen völlig offen. Er rechnet damit, dass dies später gerichtlich geklärt werden müsse.

Schäden und Ursache offen

Laut Feuerwehrchef Volker Skrok hatten die 120 Einsatzkräfte am Montag den Brand gegen 20 Uhr gelöscht. Doch die Brandursache sei noch völlig offen. Auch ob in die vorbeifließende Rednitz während des Brandes Öl geflossen ist, konnte er nicht bestätigen. Fest steht aber für Josef Hasler: Wegen der augenscheinlich großen Schäden am Kessel des Kraftwerks sei „nicht mit einer Reparatur innerhalb der nächsten 14 Tage zu rechnen“.

Im Zusammenhang mit dem Brand und den Folgen haben Stadt und N-Ergie Krisenstäbe eingerichtet. Sie stehen in direktem Austausch miteinander.

Die N-Energie bittet ihre Fernwärme-Kunden in Gebersdorf und Röthenbach eindringlich, „Heizungs- und Warmwasserbedarf auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Sie können einen entscheidenden Beitrag leisten, die Auswirkungen des vorübergehenden Engpasses zu begrenzen.“

Die Stadt hat zudem ein Infotelefon eingerichtet, das in den nächsten Tagen zwischen 7 und 23 Uhr besetzt ist. Die Nummer: 0911-64375888.
(Heinz Wraneschitz)

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