Kommunales

Wer lieber Filme von Woody Allen statt von Roland Emmerich mag, der ist in einem kommunalen Programm- oder Studiokino an der richtigen Adresse. (Foto: dpa)

20.12.2017

Kein Blockbuster und kein 3D

Neben Programmkinos setzen auch Kommunale Kinos auf alternative Filme und spezielle Vorführungen.

Kein Hollywood, keine Blockbuster und kein 3D. Neben Programmkinos setzen auch Kommunale Kinos auf alternative Filme und spezielle Vorführungen. Von denen gibt es in Bayern auffällig wenige. Ein Grund: Die staatliche Filmförderung.

Was im Multiplex-Kino von Waldkraiburg (Landkreis Mühldorf am Inn) über die Leinwand flimmert, hat nichts mit Hollywood, 3D oder Kassenschlager zu tun - zumindest in einem Saal, einmal in der Woche. Dann wird nämlich das städtische Kulturamt zum Filmvorführer.

Seit 20 Jahren bietet die Stadtverwaltung von Waldkraiburg ihren etwa 23 000 Einwohnern besondere Filme an, wie Hansjörg Malonek vom Kulturreferat erklärt. Dann präsentiert er Klassiker aus den 50er-Jahren oder gesellschaftspolitische Streifen in Zusammenarbeit mit Vereinen und Nichtregierungsorganisationen.

 

14 bayerische Mitglieder im Bundesverband


Das "Studiokino" in Waldkraiburg gehört zu den sogenannten kommunalen Kinos. Eine genaue Definition des Begriffs gibt es nicht. Aus Bayern haben sich aber 14 Kinos dem Bundesverband Kommunale Filmarbeit angeschlossen. Sie zeichnen sich durch die finanzielle Abhängigkeit von einer Kommune oder Stadt aus: Entweder tritt diese als Eigentümer oder Betreiber selbst auf. Sie können aber auch Geld im kleinen oder großen Umfang zuschießen.

Die kommunale Beteiligung wird auch schnell zum Nachteil - zumindest in Bayern. Diesen Vorwurf erheben jedenfalls einige Kinobetreiber und richten ihn an die staatliche Kino- und Filmförderung. "Jedes Kino, das sich als kommunal bezeichnet, fällt in Bayern aus der staatlichen Förderung raus", sagt Fabian Schauren vom Bundesverband Kommunale Filmarbeit.

Das Problem: Der Freistaat, vertreten durch das bayerische Wirtschafts- und Medienministerium sowie dem FilmFernsehFonds (FFF), fördert ausschließlich gewerbliche Kinos. In kommunale Kinos dürften sie nicht investieren, erklärt Birgit Bähr vom FFF. Eine Doppelförderung aus der öffentlichen Hand sei nicht erlaubt, wenn die Kommunen schon Geld zuschießen.

Genau diese Praxis stößt bei Christiane Schleindl auf Kritik. Die Leiterin des städtischen Filmhauses Nürnberg findet, "es existieren falsche Vorstellungen" über die Finanzierung kommunaler Kinos. "Viele kommunale Kinos sind gar nicht in kommunaler oder städtischer Trägerschaft", sagt sie. Vielmehr seien sie als Verein organisiert und bekämen lediglich Zuschüsse von der jeweiligen Stadt oder Gemeinde.

Wirtschaftsministerium verteidigt aktuelle Förderpolitik


Das bayerische Wirtschaftsministerium verteidigt seine Förderpolitik mit wirtschaftlichen Argumenten. "Eine Mehrfachförderung würde eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung darstellen, da Filmtheater, die privat betrieben werden, dadurch im Nachteil sind", erklärt ein Sprecher von Ressortchefin Ilse Aigner (CSU). 

Grundsätzlich geht es Christiane Schleindl, die sich auch im Bundesverband engagiert, nicht ums Geld, wie sie selber sagt. "Anerkennung würde uns fürs Erste reichen." Selbst bei den Kommunen und Städten vermisse sie eine Würdigung für die Arbeit der kommunalen Kinos. Viele Betreiber, so Schleindl, nennen sich lieber Programmkino, um staatliche Fördergelder zu bekommen und nicht auf kommunale Zuschüsse angewiesen zu sein.

Dabei ist der Kinobetrieb für eine Kommune gar nicht mal so teuer. Für Lizenzgebühren oder Saalmiete fallen dann Kosten an. "Das sind aber keine Unsummen", sagt Jennifer Becker vom Kulturreferat der Stadt München, die ein eigenes Filmmuseum unterhält. Kommerzielle Kinos dürften Kommunen nicht betreiben, so Becker. In den meisten Fällen sind sie deswegen auf Kooperationen angewiesen: mit Großraumkinos, Museen, oder Vereinen. 

Ganz anders ist die Arbeit der kommunalen Kinos bei den Nachbarn. Die Kinoförderung in Baden-Württemberg sei "einmalig vorbildlich", sagt Fabian Schauren vom Bundesverband Kommunale Filmarbeit. Dort zahlt das Bundesland zu jedem Euro, der aus einer Gemeinde- oder Stadtkasse in ein Kino fließt, 50 Cent dazu. Die Folge seien besonders viele kommunale Kinos, sagt Schauren - ganz anders als in Bayern, dem Schlusslicht bei den westdeutschen Flächenländern. (Florian Reil, dpa)

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