Kommunales

Die zweitägige Veranstaltung verzeichnete heuer nach Angaben der Organisatoren rund 150 Aussteller und zirka 1500 Besucher. (Foto: Paul)

26.04.2017

Knapper, teurer, schmutziger?

Eine zweitägige Veranstaltung in Landshut thematisiert die zahlreichen Risiken der künftigen Trinkwasserversorgung in Bayern

Gesundes Trinkwasser aus der Leitung, spottbillig und in ungebremster Menge – das wird in den nächsten Jahren auch in Bayern immer weniger eine Selbstverständlichkeit sein. Die  Risiken einer künftigen Versorgung waren am 26. und 27. April das wichtigste Thema der 4. Süd- und Ostbayerischen Wassertagung in Landshut, auf der sich auch die Bayerische Staatszeitung und die Staatsanzeiger Online Logistik (SOL) präsentierten. Stefan Leopold Heider hat seine Marktlücke gefunden: „Sie müssen heute per Gesetz auf jeder Berg-, Senn- oder Schutzhütte sauberes Trinkwasser anbieten“, sagt der Umweltschutztechniker aus Holzkirchen. Doch wer kann auf 1000 Meter Höhe oder irgendwo in der Pampa schon für die Unbedenklichkeit des kühlen Nass garantieren? Zu diesem Zweck baut Heider seine kleine UVC-Desinfektionsanlage – „funktioniert ohne Chemie, ist einfach zu bedienen und verändert auch nicht Geruch oder Geschmack des Wassers“ – in der Landshuter Sparkassenarena auf – als einer von heuer rund 150 Ausstellern, darunter diverse Firmen, Kommunen, Stadtwerke und Verbände. Rund 1500 Besucher wollten sich auf der zweitägigen Veranstaltung informieren – nicht nur aus dem Freistaat, sondern aus ganz Deutschland.

EU verklagt Deutschland

Doch Thema waren nicht nur technische Innovationen, sondern auch die wachsenden Probleme der Branche. Ganz vorn dran stand die steigende Belastung des Grundwassers durch Nitrat aus der Landwirtschaft. Der agrarökonomisch intensiv genutzte Großraum Landshut gilt hier im negativen Sinn als bayernweiter Vorreiter. Die EU verklagte deswegen sogar Ende 2016 die Bundesrepublik vor dem EuGH. „Man hat aber auch den Eindruck, dass sich einige EU-Beamte freuen, nun endlich mal dem jahrelangen ökologischen Musterschüler Vorhaltungen machen zu können“, meint Reinhard Büchl. Der Ingolstädter Unternehmer ist Sprecher des Umweltcluster Bayern, eines Netzwerks aus Firmen, Wissenschaftlern und Kommunen, das die Tagung in diesem Jahr organisiert hatte. Bis zum Jahr 2027 hat Deutschland nun Zeit, Abhilfe in Sachen Nitratbelastung zu schaffen – „klingt noch lang hin, geht aber schnell rum, wenn dauerhaft und substanziell reduziert werden soll“, meint Ministerialdirektor Christian Barth, der Amtschef des bayerischen Umweltministeriums. Vor wenigen Tagen wurde als erster Schritt dazu im Bundestag die neue Düngemittelverordnung erlassen – „wobei sich Bayern da mehr gewünscht hätte“, so der Amtschef.

Knappheit inzwischen auch im Winter

Ein weiteres Problem: Es wird immer trockener in Bayern. „Im vergangenen Winter hat uns ein Großkunde erstmals in unserer mehr als 20-jährigen Firmengeschichte gebeten, für den Notfall Pumpen und Tanklastzüge bereit zu halten“, verrät Holger Brandt, Geschäftsführer der Firma Mösslein Wassertechnik aus dem unterfränkischen Lohr am Main. „Klar, im Hochsommer bei 35 Grad kann das schon mal vorkommen – aber dass das Wasser auch im Winter knapp wird, ist neu.“ Dritte Herausforderung: der demografische Wandel. Die Wasserversorgung tangiert das insofern, das ja auch in Regionen mit immer weniger Bewohnern und schlechter Auslastung samt sinkenden Einnahmen trotzdem keine Abstriche an der Wasserqualität gemacht werden dürfen. Umgedreht sind die aus allen Nähten platzenden Ballungsräume München, Ingolstadt und Nürnberg dem Grundwasser auch nicht unbedingt zuträglich. „Hier kann die kleinteilige Struktur der bayerischen Kommunen schon mal zum Nachteil werden“, warnt der Amtschef des Umweltministeriums. Sein Haus hat deshalb unlängst eine Versorgungsbilanz für den ganzen Freistaat erstellt. Fazit: Rund zwei Drittel der kommunalen Versorger sind der Herausforderungen gut gewachsen, der Rest muss nacharbeiten oder in der Krise Unterstützung der Nachbarn erbitten.

Kontinuierlich steigende Preise

Der Ratschlag von Christian Barth an die kommunalen Anbieter: „Machen Sie unbedingt mit beim Benchmarking. Nur so können Sie beweisen, dass sie mindestens genauso gut sind wie die potentielle private Konkurrenz.“ Und das ist nämlich das vierte Problem der öffentlichen Wasserversorger: Die EU hat ihren Plan, Deutschlands Städte und Gemeinden zu einer Öffnung des Marktes für kommerzielle Wasserversorger zu zwingen, noch nicht aufgegeben. Im Geldbeutel spüren die Menschen das Problem ohnehin schon. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt, sind die Durchschnittspreise für die Trinkwasserversorgung in den vergangenen zwei Jahren erneut gestiegen. So bezahlten bayerische Haushalte im Jahr 2016 für einen Kubikmeter Trinkwasser im Schnitt 1,55 Euro und damit acht Cent mehr als noch 2014.
(André Paul)

Foto 1: Umwelttechniker Stefan Leopold Heider aus Holzkirchen hat sich auf die Aufbereitung von Trinkwasser in abgelegenen, schwer zugänglichen Landstrichen spezialisiert. Foto 2: Christof Baier (links), Leiter Marketing und Projekte von Bayerischer Staatszeitung und Staatsanzeiger Online Logistik (SOL), im Gespräch mit Besuchern des Messestands. (Fotos: Paul)

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