Kommunales

Mit der Bahn in den Skiurlaub: Das ist nicht nur oft entspannender als mit dem Auto, sondern mitunter auch romantisch. (Foto: dpa/Stefan Puchner)

10.01.2020

Mit der Bahn direkt zur Skipiste

Bayerns Wintersport-Kommunen reagieren auf das geänderte Reiseverhalten angesichts von Klima- und demografischem Wandel

In der aktuellen Klimadebatte gewinnt der Winterurlaub mit der Bahn statt mit dem eigenen Auto spürbar an Bedeutung. Bayerns Skigebiete bieten einige sehr gute Anbindungen, allerdings sind die meisten Offerten noch ausbaufähig. In Österreich ist man da schon ein ganzes Stück weiter.

Peter Brandauer (ÖVP) hat derzeit kaum einen Grund zu klagen. Das Interesse an seiner Gemeinde, in der er seit Jahren Bürgermeister ist, kommt derzeit vehement von allen Seiten. Nicht nur Urlaubsgäste, auch Tourismusorganisationen, Verbände und Politiker wollen über das kleine österreichische Bergdorf Werfenweng eine knappe Autostunde südlich von Salzburg mehr erfahren. Seit 20 Jahren gibt es in Werfenweng das Modell der sanften Mobilität, kurz Samo, das zahlreiche Auszeichnungen bekommen hat und derzeit aktueller denn je ist.

Gäste, die nach Werfenweng mit der Bahn kommen oder den Autoschlüssel deponieren, erhalten dafür verschiedene Belohnungen inklusive einer Mobilitätsgarantie, für die zahlreiche Elektrofahrzeuge und Shuttledienste zur Wahl stehen. „Mittlerweile ist es auch so, dass unsere eigenen Wünsche plötzlich mehr respektiert werden“, freut sich der Bürgermeister.

Aktuell reisen knapp zwölf Prozent mit dem Zug an


Mit der Bahn in den Winterurlaub ist derzeit ein Thema, das Tourismusorganisationen und Politiker sehr beschäftigt. Nachhaltig und möglichst emissionsarm zur Piste zu kommen, das steht derzeit hoch im Kurs. Die Ausgangslage ist aber eher bescheiden. Der Anteil der Winterurlauber, die mit der Bahn anreisen, schwankt je nach Region zwischen acht und zwölf Prozent. Und da spielt natürlich der direkte, möglichst bequeme Anschluss eine wichtige Rolle.

Die Werte der Winterurlauber entsprechen auch den Erkenntnissen der Studie „Mobilität in Deutschland“ von 2017, wonach der Anteil der öffentlichen Verkehrsmittel in Bayern an den absolvierten Wegstrecken zehn Prozent ausmacht. Die Bahn hat dabei eine Außenseiterrolle. 64 Prozent der Befragten nutzen die Bahn für längere Strecken nie oder fast nie, weitere 30 Prozent seltener als einmal pro Monat.

Wenn es um die Kombination Bahn und Wintersport geht, stehen die Bayern grundsätzlich gut da. Der überwiegende Teil der bayerischen Skigebiete ist mit der Bahn direkt erreichbar. Das Sudelfeld bei Bayrischzell, das Brauneck bei Lenggries, die Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen und das Nebelhorn bei Oberstdorf befinden sich in nächster Nähe von Bahnhöfen. Der Jenner bei Berchtesgaden, der Hochfelln bei Bergen, der Spitzingsee bei Schliersee und die weiteren Skigebiete rund um Oberstdorf und im Kleinwalsertal sind nur wenige Kilometer entfernt.

Meistens muss man in München umsteigen


Direkte Fernverbindungen aus den nördlicheren Regionen Deutschlands sind da eher selten. So gibt es Züge der Deutschen Bahn von Frankfurt/M. bis Berchtesgaden und vom Rhein-/Ruhrgebiet bis Oberstdorf. In die anderen Skigebiete müssen die Reisenden in München umsteigen auf regionale Anschlüsse wie etwa die Bayerische Oberlandbahn, welche die Landeshauptstadt mit Bayrischzell, dem Spitzingsee, Tegernsee und Lenggries verbindet. Deren Angebote konzentrieren sich derzeit auf Tagesgäste mit den Kombitickets, die die Bahnfahrt, die Busfahrt zum Lift und den Skipass umfasst.

In der Zugspitz-Region gibt es mehrere Offerten wie etwa das Ticket vom Münchener Hauptbahnhof bis zum Hausberg für 52 Euro. Am Sudelfeld bei Bayrischzell gibt es ein vergleichbares Angebot samt Busshuttle zum Lift für 53 Euro für Erwachsene und 29,50 Euro für Kinder.

In Bayrischzell läuft der Verkauf der Kombitickets gut. „Wir haben immer mehr Bahnreisende, darunter viele Jugendliche“, sagt Egid Stadler, zweiter Bürgermeister in Bayrischzell und Geschäftsführer der Sudelfeld-Liftgesellschaft. Auch zahlreiche Logisgäste würden die Bahn-Angebote bevorzugen. Das liege daran, dass die Gastbetriebe in Bayrischzell gut zu Fuß erreichbar seien vom Bahnhof aus, so Stadler. Die Bahn sei so gefragt, dass man gerade an den Winterwochenenden ernste Kapazitätsprobleme habe.

Die Züge zwischen 8.30 und 9.30 Uhr sind regelmäßig überfüllt


Vor allem die Züge um halb neun und halb zehn seien regelmäßig überfüllt, weshalb die Bayrischzeller darauf drängen, den Stundentakt zu einem Halbstundentakt zu erweitern. Gespräche mit der Bayerischen Oberlandbahn gibt es bereits. Allerdings sind da auch andere Kapazitätsprobleme. Denn mit der wachsenden Nachfrage rächt es sich nun, dass doppelte Gleisführungen einst abgebaut und die Grundstücke verkauft wurden. Heute wäre es wichtig, für die einspurige Verbindung einen Begegnungsbahnhof einrichten zu können, um kürzere Frequenzen zu schaffen.

 Mit der Bahn in die Berge ist derzeit ein sehr expansionsfreudiges Thema. Bei der Deutschen Bahn plant man deshalb einen Ausbau der Angebote. „Wir wollen bis 2027 den Anteil der Bahnfahrten in die Berge von acht auf zwölf Prozent steigern“, verspricht Matthias Feil, Leiter Angebotsmanagement bei der DB Fernverkehr.

Möglich werden soll das vor allem durch Kooperationen mit anderen Destinationen. In Tirol, im Salzburger Land und in Kärnten gibt es bereits gemeinsame Kampagnen mit der österreichischen Bundesbahn ÖBB, außerdem mit dem Tiroler Verkehrsverbund und der Schweizerischen Bundesbahn SBB. Mit dem österreichischen Nightjet gibt es neuerdings auch zahlreiche Übernachtverbindungen von deutschen Metropolen nach Österreich, in die Schweiz und nach Italien.

„Im Nightjet zum Schnee“ heißt ein neues Angebot, mit dem Gäste über Nacht per Bahn von Hamburg oder Düsseldorf nach Kufstein oder Wörgl fahren, dort vom Shuttle zum Quartier direkt bei den Skigebieten gebracht werden und bei dem der Skipass inklusive ist. Urlaubsgäste in den Kitzbüheler Alpen fahren ab Bahnhof Wörgl mit der Bahn gratis zum Ziel mit der Gästekarte, für die sie vorab vom Gastbetrieb den Link zugeschickt bekommen können.

50 Prozent der Gäste leihen die Skiausrüstung vor Ort


 Für die Bahn spricht auch, dass der Anteil der Wintergäste, die ihre Skiausrüstung vor Ort ausleihen, bei rund 50 Prozent liegt. Wichtige Impulse erhofft sich die Deutsche Bahn auch von der Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent ab dem Jahreswechsel. Die Nachfrage dürfte gerade bei den Fernreisen auch in Zukunft weiter ansteigen. Innerhalb der letzten zehn Jahre wuchs die Auslastung von Intercity und ICE von 44,2 auf 56,1 Prozent. Und wenn man bedenkt, dass mittlerweile in München oder Stuttgart rund die Hälfte der Haushalte kein Auto mehr hat, dass das Thema Führerschein bei jungen Leuten an Attraktivität verliert und die hohen Wohnungskosten auch wenig finanziellen Spielraum lassen, spricht das alles auch für eine wachsende Nachfrage in Richtung Bahn.

Wichtige Erfolgsfaktoren sind auch der Komfort und die Pünktlichkeit. Da schielen deutsche Bahnfahrer oft neidisch zu den Nachbarn in der Schweiz, wo das Bahnangebot deutlich attraktiver ist. Mit dem Angebot Snow’n’Rail der Schweizer Bundesbahn SBB bekommt man beim Onlinekauf eines Skipasses für zahlreiche Skigebiete bis zu 30 Prozent Nachlass. Außerdem gibt es Vergünstigungen beim Skiverleih Intersport Rent, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist.

Allerdings: In der Schweiz fahren die Züge außergewöhnlich pünktlich, und dort sind Pro-Kopf-Investitionen in das Bahnnetz sechs Mal so hoch wie etwa in Deutschland. (Georg Weindl)

 

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Kommentare (1)

  1. Sir Bartl vor 6 Tagen
    Wie wäre es denn, unter Berücksichtigung der aktuellen Umweltdebatten, einfach auf das Skifahren zu verzichten?! Dann brauchts auch den Ausbau der Bahnstrecke nicht. Und ein bisserl Engpass bei der BOB schadet nicht. Sonst kommen im Sommer noch mehr "Zuagroaste" in unsere Berge. Es ist doch eh schon alles überfüllt.

    Aber jeder wie er will.......

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