Kommunales

Dramatiker John von Düffel hat den Roman von Robert Domes für die Bühne bearbeitet. (Foto: Forster)

11.05.2018

"Nebel im August" berührt die Zuschauer

Das Landestheater Schwaben bringt ein biografisches Stück über das Euthanasie-Opfer Ernst Lossa auf die Bühne

Das Publikum betritt den Vorführungsraum des Landestheaters Schwaben in Memmingen. Sechs Schauspieler stehen auf der Bühne, die sich minimalistisch und in weißer Farbe präsentiert. Die Darsteller sind ganz in Grau gekleidet, die Gesichter blass geschminkt. Sofort überträgt sich die außergewöhnliche Stimmung auf die Zuschauer. Die Lichter gehen aus und das Dokumentarstück Nebel im August – Der Fall Ernst Lossa vor Gericht beginnt.

Diese Inszenierung eines historischen Stoffs von Intendantin Kathrin Mädler stand im Mittelpunkt eines zweitägigen Theaterseminars, organisiert vom Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags in Kooperation mit dem Landestheater Schwaben sowie der Schwabenakademie Irsee. Dabei war es den Veranstaltern ein besonderes Anliegen, den Teilnehmern eine möglichst ganzheitliche Beschäftigung mit dem Thema NS-Euthanasie zu bieten.

So begann das Seminar mit einer historischen Einführung, welche Professor Michael von Cranach übernahm. Der ehemalige Ärztliche Direktor des Bezirksklinikums Kaufbeuren hat die Auseinandersetzung mit den Patientenmorden maßgeblich vorangebracht. Der gemeinsame Besuch in Memmingen war einem Dokumentartheater gewidmet, das durch die Kollage von Prozessakten, Zeugenaussagen und Berichten Geschichte beunruhigend lebendig werden lässt. Für die Uraufführung am Landestheater Schwaben verarbeitete Dramatiker John von Düffel Recherchen des Journalisten Robert Domes und Teile dessen gleichnamigen Jugendromans.

Theater bietet differenzierteren Zugang zum Stoff als Buch oder Film


„Eindrucksvoll, berührend und aufwühlend“,lauteten einige Reaktionen auf dem anschließenden Weg zurück nach Irsee. Den zweiten Seminartag starteten die Teilnehmer mit einem historischen Rundgang, um sich im Nachgang zu der eindrucksvollen Theateraufführung den Patientenmorden in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Irsee vor Ort zu nähern. Ein Theatergespräch markierte den Abschluss der abwechslungsreichen Veranstaltung: Autor Robert Domes, Dramatiker John von Düffel, Dramaturgin Miriam Grossmann, Intendantin Kathrin Mädler sowie die Schauspieler Regina Vogel und Jan Arne Loose folgten der Einladung der Veranstalter, sich gemeinsam mit den Teilnehmern noch tiefer mit dem Dokumentarstück auseinanderzusetzen.

„Das Theater bietet – im Vergleich zu Buch und Film – einen ganz anderen Raum der differenzierten Beschäftigung mit dem Stoff“, so Mädler. Einig war man sich darin, dass das Dokumentarstück ein Gefühl des Annäherns aber auch des Abschreckens auslöst. Viel Lob bekamen dabei die Schauspieler für ihre Leistung, dieses schwierige Thema so intensiv und ohne Pause darzubieten. Wie wichtig eine fundierte Auseinandersetzung mit den Motiven der Täter und dem Schicksal der Opfer auch heute noch ist, war die große Klammer des Theatergesprächs sowie des gesamten Seminars. (Constanze Hölzl)


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