Kommunales

Bis das Essen serviert wird, kann es heuer auf dem Straubinger Gäubodenfest womöglich etwas länger dauern - wenn nicht noch mehr Bedienungspersonal anheuert. (Foto: Bäumel-Schachtner)

03.06.2022

Neustart des Gäubodenfests mit Hindernissen

Die Preise ziehen bedenklich an, es fehlt an Bedienungen und die parallel stattfindende Verbrauchermesse Ostbayernschau schwächelt bei der Zahl der Ausstellenden

Zwei Jahre gab es kein Gäubodenvolksfest: Nicht nur die Feierwilligen in Straubing und Umgebung sind ausgehungert – sondern auch Festwirt*innen und Schaustellende. Nach derzeitigem Stand sollen sich von 12. bis 22. August wieder die Karussells auf dem Festplatz Hagen drehen. Doch es gibt auch Hürden und Hindernisse.

In manchen Festzelten fehlt es noch an Personal. Die Energiekosten schießen durch die Decke und könnten Preissteigerungen nach sich ziehen. Und die Ostbayernschau – eine parallel zum Volksfest in Straubing stattfindende Verbrauchermesse – tut sich heuer schwerer, Aussteller zu finden als sonst. Dennoch herrscht Vorfreude in der niederbayerischen Stadt und der Willen, die Hindernisse zu meistern.

Mit Skepsis wurde im Vorfeld über den Bierpreis in diesem Jahr spekuliert. Dass der Preis für eine Maß an der 15-Euro-Grenze kratzen würde, hatten viele schwer befürchtet – ganz nach Münchner Wiesn-Vorbild. „Uns war aber wichtig, das Ganze maßvoll zu gestalten“, sagt Martin Lechner, der Sprecher der sieben Festzelte am Gäubodenfest und selbst Festwirt. Deshalb wird in den drei großen Zelten nun 11,30 Euro für die Maß verlangt, in den vier kleineren 11,35 Euro. Das sind rund 15 Prozent mehr als 2019, als das letzte Gäubodenfest stattfand. Das halbe Hendl soll überall 11,40 Euro kosten.


Für eine einfache Brotzeit 22,70 Euro pro Person


Dass man dann 22,70 Euro für eine simple Volksfestbrotzeit berappen muss, wird von vielen BürgerInnen dennoch als Hammer gesehen. Zumal die restlichen Essenspreise laut Lechner auch noch gar nicht feststehen. Was ein Schweiners kosten wird oder eine viertelte Ente – das wird derzeit noch ausklamüsert.

„Es wird alles teurer, das wollen wir nicht verhehlen“, sagt Max Riedl, der das Volksfest seit Jahrzehnten organisiert. Grund seien die steigenden Energiekosten, die eine Kalkulation nicht einfacher machten und die Preise in den Festzelten in die Höhe schnellen ließen. Und dann ist da noch ein Problem, dem sich die Festwirte stellen müssen: der Personalmangel. „Es fehlen in den meisten Festzelten noch Bedienungen, Küchenpersonal und Personal beim Ausschank“, zieht Lechner Bilanz.

Er zeigt sich aber sehr zuversichtlich, dass sich die Angestellten noch melden werden. Im Schnitt seien es rund 20 Kräfte in den meisten Zelten, die noch fehlen, bilanziert der Wirtesprecher. Ein Problem, das Festwirt Hubert Reisinger, der mit dem „Grafenwirt“ eines der drei großen Zelte am Straubinger Hagen führt, aber nicht betrifft: „Unser langjähriges Stammpersonal hält uns die Stange. So ein kleines Virus kann uns nicht trennen“, sagt der Straubinger auf Anfrage.

 

90 000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche


90 000 Quadratmeter soll das Gäubodenfest wieder umfassen, dazu kommen 8000 Quadratmeter für den historischen Bereich mit 15 Nostalgie-Fahrgeschäften und einer Bühne sowie 60 000 Quadratmeter für die Ostbayernschau. Bis zu 1,45 Millionen Besuchende könnten es werden – sofern nach der Corona-Zwangspause alle mitziehen. Ob es auch wirklich so viele kommen, können die Verantwortlichen der Straubinger Ausstellungs und Veranstaltungs GmbH (SAUV), die das Fest organisiert, jetzt noch nicht sagen. „Wir hoffen es“, sagt Max Riedl.

In den sieben Bierzelten stünden jedenfalls insgesamt 27 500 Sitzplätze parat. Fünf Brauereien wollen für über 800 000 Liter Bier ausschenken, so die frühere Bilanz. 80 Kapellen wurden engagiert. Ungebrochen ist in jedem Fall der Zulauf der Schausteller: 500 Bewerbungen gab es für den Vergnügungspark. 130 Fahrgeschäfte und Angebote haben letztlich den Zuschlag bekommen. Erstmals mit dabei ist die Schleuderkugel Hot Shot – ein Bungee-Fahrgeschäft, bei dem zwei Fahrgäste mit einer Kugel in den Himmel katapultiert werden. Fuzzy’s Lachsaloon feiert Premiere, das Laufgeschäft soll für Humor sorgen. Beim ersten Gastspiel kam der Euro-Coaster – eine Achterbahn, bei dem die Gondeln unter den Schienen angebracht sind und die Beine bei der rasanten Fahrt nach unten baumeln – sehr gut an und ist jetzt wieder vertreten. Die Klassiker Wellenflug, Happy Monster und das Riesenrad sind auch dabei.

Auch Peter Bausch mit seinem Fahrgeschäft Top Spin No. 1 reist wieder an. Und der Münchner hat schon einen Überblick, wie die ersten Feste nach der Pandemie gelaufen sind; er war bereits auf einigen vertreten und ist sehr zufrieden. Sein Eindruck: „Die Menschen haben wieder das Verlangen, nach draußen zu gehen. Ich habe fröhliche Leute und leuchtende Kinderaugen gesehen.“

 

"Wollen Hoffnungssignal sein"


Sein Kollege, der Straubinger Andreas Pfeffer, sagt: „Wir wollen Hoffnungssignal für die Welt sein.“ Und die Schausteller seien froh, endlich wieder arbeiten zu dürfen. Beide Schausteller berichten auf Anfrage, dass die Fahrpreise „nicht unendlich in die Höhe geschnellt“ seien: „Das können wir nicht machen, sonst nehmen es die Leute nicht mehr an. Da gibt es eine natürliche Grenze, die wir nicht überschreiten. Sehr moderat anheben mussten wir dennoch. Wir haben zwei Jahre nichts verdient – bis auf die staatlichen Hilfen, und die Kosten für Energie und Kraftstoffe sind stark nach oben gegangen. Einen großen Teil der Mehrkosten federn wir ohnehin selber ab.“

Noch nicht so in Fahrt gekommen ist, wie gesagt, die Ostbayernschau. Normalerweise ist der Zulauf für die Ausstellung parallel zum Gäubodenfest groß – doch heuer sind die potenziellen Ausstellerfirmen bislang eher zurückhaltend. Wie Stefan Heitzer, Projektleiter der Ostbayernschau, sagt, haben sich bislang erst rund 450 Ausstellerfirmen angemeldet. 600 sollen es noch werden. Die Ostbayernschau gilt als eine der besucherstärksten Verbrauchermessen Bayerns. Der Eintritt ist frei und soll heuer vom 13. bis 21. August stattfinden. 18 000 Quadratmeter Hallenfläche und ein Freigelände von 20 000 Quadratmeter für 24 Warengruppen sind vorgesehen – doch die müssen auch noch gefüllt werden. Die Akquise läuft noch. Bislang sei alles „ein wenig zäher gewesen als sonst“, räumt Heitzer ein.

Der Grund: Viele Händler*innen und Ausstellende hadern mit möglichen Unwägbarkeiten wegen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs. Beides hat aber auch Lieferschwierigkeiten bei Waren und Material zur Folge, die eine Messeteilnahme ungewisser als früher machen. Jetzt hoffen die Verantwortlichen auf weitere Anmeldungen und auch darauf, dass die Besuchenden wie in früheren Jahren kommen. „Wichtig ist, dass sie kauffreudig sind“, sagt Projektleiter Heitzer.

 

Seit 50 Jahren präsent


Andreas Hierlmayer von der H Streit KG in Straubing ist mit seinem Unternehmen seit 50 Jahren auf der Ostbayernschau präsent. Das Unternehmen für Land- und Kommunaltechnik fiebert nach seinen Worten jedes Jahr auf die Ostbayernschau hin. „Es fehlt etwas, wenn es abgesagt wird“, sagt Hierlmayer und fügt hinzu: „Die Ostbayernschau ist immer eine tolle Bühne, eine super Atmosphäre, sehr familiär.“ Auch er nannte die Beschaffung von Waren wegen der Lieferengpässe derzeit als größte Herausforderung, auch für die Messeteilnahme.

Ein Volksfest-Neustart also, dem von den Verantwortlichen mit großer Freude entgegengesehen wird und auch von vielen Bürgern, aber längst nicht von allen. Der aber auch mit ein paar Fragezeichen versehen ist: Werden die Besuchenden trotz Corona zahlreich kommen? Werden die Festzelte gefüllt sein? Werden wieder soviel Maß ausgeschenkt wie in früheren Zeiten? Und kann sich der Ottonormalverbrauchende das Volksfest angesichts der explodierenden Inflation überhaupt noch leisten?

Max Riedl ist sehr zuversichtlich, dass alles gelöst werden kann und sich sämtliche Hindernisse in Wohlgefallen auflösen werden. An die Pandemie jedenfalls wird noch manches erinnern: Zum Beispiel die Desinfektionsspender, die nun neu vor jedem Fahrgeschäft aufgebaut werden. Die gab es 2019 natürlich noch nicht. (Melanie Bäumel-Schachtner)

 

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