Kommunales

Einkaufen, Essen kochen, Wohnung putzen: Die Dorfhelferin springt ein, wenn Mama krank oder verhindert ist. (Foto: dpa)

29.01.2018

Niemand will mehr Dorfhelferin werden

Eine bayerische Ausbildungseinrichtung hat bereits geschlossen, die nächste steht vor dem Aus

Familienpflegerinnen und Dorfhelferinnen werden dringend gebraucht - für eine Ausbildung in diesem Berufsfeld entscheiden sich jedoch immer weniger junge Menschen. Das führt auf dem Hesselberg bei Gerolfingen (Landkreis Ansbach) zu ersten Konsequenzen. Die zum Evangelischen Bildungszentrum (EBZ) gehörende Fachschule für Familienpflege stellt Ende 2018 ihren Betrieb bereits endgültig ein, weil seit Jahren viele der 16 Plätze nicht besetzt werden konnten, sagte EBZ-Leiter Pfarrer Christoph Seyler. Bei der Fachschule für Dorfhelferinnen sieht es ähnlich schlecht aus - dort ruht der Schulbetrieb im Moment. Er soll nach Möglichkeit aber 2019 wieder starten.

Der evangelische Dorfhelferinnendienst ist Anstellungsträger von gut 40 Dorfhelferinnen in ganz Bayern. Vermittelt werden sie vor Ort von den Landwirtschaftlichen Maschinenringen - immer dann, wenn es in landwirtschaftlichen Familienbetrieben wegen Krankheit, Tod oder auch anderen Notlagen zu personellen Engpässen oder familiären Schwierigkeiten kommt. "Dorfhelferinnen werden nach wie vor dringend gebraucht", sagte EBZ-Verwaltungsleiter Wolfgang Wagner. Man wolle daher alles unternehmen, um den Schulbetrieb auch künftig zu sichern. Nur so sei die weitere Ausbildung des Nachwuchses garantiert.

Im Gespräch mit möglichen Kooperationspartnern


m Moment sei man im Gespräch mit möglichen Kooperationspartnern, um die berufsbegleitende Ausbildung, wie man sie am EBZ Hesselberg für angehende Dorfhelfer/innen angeboten hat, zu sichern. In Vollzeit kann man die Ausbildung weiterhin in Pfaffenhofen an der Ilm sowie in Neuburg an der Donau absolvieren, dort in Schulen in katholischer oder staatlicher Tragerschäft. "Wir sind noch am Anfang der Gespräche", sagte Seyler. Ob die berufsbegleitende Ausbildung weiter am EBZ oder künftig auch an einem der oberbayerischen Standorte stattfinde, sei noch unklar. Mit beiden Schulen habe man etwa durch gemeinsames Lehrpersonal schon seit längerem Überschneidungspunkte, hieß es.

Die Landeskirche teilte mit, der Rückgang bei den Bewerberzahlen schmerze - schließlich sei der Bedarf an diesem Beruf weiterhin gegeben: "Dorfhilfe, wie auch die Betriebshilfe sind Ausdruck dessen, dass wir als Kirche nahe bei den Menschen sind und ihnen in Notsituationen helfend zur Seite stehen." Man begrüße die Bemühungen des EBZ Hesselberg, die Ausbildung für Dorfhelferinnen weiterzuführen: "Wir sind offen für ökumenische Modelle." Zur Schließung der Fachschule für Familienpflege hieß es, man habe intensiv - jedoch erfolglos - nach einem neuen Schulträger gesucht. Diakonie, Verbände, Politik und Kirche wollen nun eine modulare Familienpflege-Weiterbildung entwickeln.

"Wir würden uns freuen, wenn die Dorfhelferinnen-Ausbildung weiter auch am Hesselberg stattfinden könnte", sagte Seyler. Aber in erster Linie gehe es darum, die berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeit an sich zu erhalten, nicht um den Ausbildungsort: "Die landwirtschaftlichen Betriebe brauchen diese Notfall-Hilfe. Diese wollen wir auch in Zukunft mit Nachwuchs sicherstellen können." Dorfhelferinnen kommen zum Einsatz, wenn etwa Hausfrauen und Mütter durch Krankheit oder Unfall ihre Familie nicht mehr versorgen oder betriebliche Aufgaben nicht mehr übernehmen können. Wichtige Voraussetzungen für eine Ausbildung ist eine abgeschlossene Hauswirtschaftslehre. (Daniel Staffen-Quandt, epd)

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