Kommunales

03.05.2019

ÖPNV-Ausbau: Söder muss nachlegen

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Markus Söder hat mal wieder viel vor. Diesmal im Bereich ÖPNV. Doch nicht alles, was gut klingt, bringt auch viel. Zumindest das versprochene 365-Euro-Jahresticket für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist grundsätzlich eine gute Sache. Schüler und Azubis können davon bald profitieren. Ob, wie Söder plant, auch andere davon profitieren, bleibt abzuwarten. Denn der Ministerpräsident will ja nur zwei Legislaturperioden regieren. 

Ohnehin ist das 365-Euro-Jahresticket eigentlich nur eine Marginalie im gesamten ÖPNV-Spiel. Denn schon heute sind Busse und Bahnen zu Stoßzeiten hoffnungslos überlastet. Um im Sinne des Klimaschutzes mehr Menschen zum Umsteigen auf die Öffentlichen zu bewegen, müsste man deren Kapazitäten extrem ausbauen. Das kostet viel Geld und vor allem viel Zeit.

Eine gewaltige Kraftanstrengung

Allein die U-Bahnzüge von München und Nürnberg zu erweitern, würde eine gigantische Baumaßnahme bedeuten. Denn die Bahnsteige jeder einzelnen Station müssten verlängert werden, damit ein U-Bahnzug einen weiteren Wagen anhängen kann, um mehr Passagiere befördern zu können. Einen dichteren Takt können die Bahnen zur Rush-Hour nicht mehr fahren, denn sonst riskieren die Züge, aufeinander zu prallen.

Soweit das Problem U-Bahn, das nur die beiden bayerischen Metropolen betrifft. In allen anderen Großstädten des Freistaats – aber auch in München und Nürnberg – müssten die Busverbindungen neu ausgerichtet werden. Denn derzeit muss man, um zum Beispiel vom Norden einer Stadt in den Osten oder Westen zu gelangen, immer über das Zentrum fahren. Gäbe es sogenannte Tangentialverbindungen, könnte das Zentrum von Fahrgästen entlastet werden. Diese ringartigen Buslinien sind machbar, kosten aber ebenfalls Geld in Form von mehr Bussen und Fahrern.

Auch ins Geld gehen werden die geforderten Express-Verbindungen. Diese sind zwar überaus sinnvoll, will man den ländlichen Raum besser an die Metropolen anschließen, doch muss die Deutsche Bahn hier mitspielen. Züge von Garmisch-Partenkirchen nach München zum Beispiel sollten ohne Zwischenhalt durchfahren. Das erhöht die Attraktivität für Pendler. Aber so ein Zug darf dann nicht hinter einem anderen herbummeln müssen, nur weil der Vorausfahrende an jeder Milchkanne hält. Will man die Express-Verbindungen mit Bussen realisieren, dürfte das gerade in Hauptverkehrszeiten an den Blechlawinen scheitern, die sich morgens in die Städte und abends aus den Städten quälen.

Insgesamt sind gewaltige Anstrengungen nötig, um den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Wie das genau gehen kann, wo die nötigen Riesensummen herkommen sollen – das muss Söder noch beantworten. Um den ÖPNV-Ausbau massiv voranzutreiben ist aber vor allem auch die Bundesregierung in der Pflicht. Sie muss den Kommunen deutlich mehr Geld für diese Aufgabe zur Verfügung stellen. Schließlich geht es ums Erreichen der Klimaziele. Und hierbei kommt der sogenannten Verkehrswende eine Schlüsselrolle zu. 

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