Kommunales

Diese Schilder bringen offenbar nicht den erwünschten Effekt. (Foto: Weindl)

24.04.2026

Schleichverkehr lässt sich nur schwer bremsen

Die neu eingeführten Durchfahrtsverbote neben der A 8 und A 93 bei Stau wirken nur begrenzt – jetzt sind weitere Maßnahmen geplant

Navigationssysteme gehören heute zum Alltag. Kaum jemand will auf die Orientierungshilfe verzichten. Dabei haben Navis auch unangenehme Nebenwirkungen. Das betrifft weniger die vereinzelten Irrfahrten völlig Ortsunkundiger, die mit ihrem Mietwagen im hochalpinen Gelände landen. Die Navis haben einiges dazu beigetragen, dass sich der sogenannte Schleichverkehr zu einem überregionalen Problem entwickelt hat.

Vor allem im südbayerischen Raum entlang der klassischen Urlaubsrouten hat sich der Schleichverkehr etabliert. Bei Staus geht es runter von der Autobahn und weiter auf der Landstraße durch die Dörfer. Das Navi weiß den Weg. Und die Einheimischen sind genervt, wenn an Hochsaison-Wochenenden ihre Orte voller Blechkolonnen sind.

Viele Hinweisschilder 

Im Landkreis Rosenheim hat man 2025 damit begonnen, diesen Ausweichverkehr zu unterbinden. Zahlreiche Hinweisschilder an der Autobahn A 8 zwischen München und Salzburg und A 93 im Inntal weisen darauf hin, dass es an Wochenenden verboten ist, bei Stau die Autobahn zu verlassen, wenn man nur auf der Durchreise ist. Insgesamt zehn Ausfahrten sind davon betroffen. Orientiert hat man sich an den Tiroler Nachbarn, die ähnliche Maßnahmen bereits 2019 starteten. Kein neues Thema sind die Schleichfahrten in Kiefersfelden an der Grenze zwischen Bayern und Tirol. Dort kennt man das Problem schon seit fast einem Jahrzehnt. Denn Schleichfahrten sind dort vor allem auch durch die Grenzkontrollen an der Autobahn bei der Einreise verursacht. Erschwerend kommen da noch die Stauausweichler auf der Urlaubsreise hinzu. „Gespräche, wie man das Problem zumindest lindern kann, gut es schon seit 2017. Aber getan hat sich wenig,“ sagt Bürgermeister Hajo Gruber. Wenigstens könnte man die Kontrollen so anlegen, dass sie auf mehr Spuren durchgeführt werden und der Durchsatz erhöht wird, so Gruber. 

Im September 2025 folgte dann der Landkreis Berchtesgaden mit den Ausfahrten an der A 8 rund um Piding, Anger und Teisendorf. Für Landrat Bernhard Kern ist es auch ein wichtiges Thema, die Wohnqualität der Einheimischen in den Wohngebieten zu sichern. Allerdings sind die Maßnahmen vielen betroffenen Bürgern zu wenig. Gerade rund um Anger häufen sich die Staus. Es kam sogar zu Straßenblockaden, bei denen mit einem Minibagger und einem Pkw die Durchfahrten versperrt wurden. Auch bei den Nachbarn im Salzburgischen sind solche Verbote entlang der Tauernautobahn längst Normalität. Besonders betroffen sind Orte entlang der Autobahn wie Kuchl und Golling, wo die Ausweichstrecken teilweise direkt durch die Zentren führen. 

Nur bedingt geholfen

Geholfen hat es auf der bayerischen Seite offenkundig nur bedingt. In einigen Gemeinden ist der Frust groß, dass die Verbote wenig Wirkung zeigen. Für Aufsehen sorgte der Bürgermeister von Neubeuern, Christoph Schneider, mit einem Video auf Instagram, das die Autokolonnen auf dem Weg durch die Gemeinde zeigen. Gerade im Inntal ist die Situation problematisch, weil es rechts und links der Autobahn jeweils eine Bundesstraße und eine Landstraße mit parallelem Verlauf gibt, die dann noch die Ortszentren von Neubeuern und Nußdorf sowie Brannenburg und Oberaudorf kreuzen. Unmut gibt es auch in anderen Orten. Ob vielleicht zu wenig kontrolliert würde, das war ein Vorwurf, der auch Thema bei einem Treffen im Landratsamt Rosenheim war. Landrat Otto Lederer (CSU) lud den Vizepräsidenten des in Rosenheim ansässigen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Michael Siefener, zu einem Fachgespräch, wie man die neuen Verbote besser umsetzen könne. Man habe bereits mehrere Tausend Fahrzeuge vor Passieren der Durchfahrtsverbote auf die Autobahn zurückgeschickt, erklärte Siefener.

Nur ein Baustein

Allerdings könne der Polizeieinsatz nur ein Baustein von mehreren sein, denn das hänge auch von der allgemeinen Einsatzlage bei der Polizei ab. Erschwerend komme hinzu, dass eine Unterstützung der Bereitschaftspolizei, der Grenzpolizei oder der Bundespolizei nicht möglich sei, heißt es beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Dies liege vor allem daran, dass die Bundespolizei dafür nicht zuständig ist und geschlossene Einheiten an den relevanten Wochenenden und Feiertagen vor allem zur Bewältigung von Versammlungs- und Veranstaltungslagen sowie für Sporteinsätze benötigt werden.

Einig war man sich, dass eine intensivere Beschilderung eine notwendige Maßnahme sei. Dabei sollen auch mehrsprachige Verbotsschilder zum Einsatz kommen. Landrat Lederer verspricht sich den größten Effekt vom Einsatz von Verwaltungshelfern, von geschulten Kräften, die an besonderen Kontrollpunkten den Verkehr regeln. Das würde in Tirol bereits mit Erfolg praktiziert. Allerdings haben solche Verwaltungshelfer keine rechtliche Befugnis, den Verkehr direkt zu lenken. Das ist allein Sache der Polizei. Lederer kündigte auch an, eine entsprechende Forderung an das bayerische Innenministerium zu schicken. Die Durchsetzung der Verbote ist allerdings in der Praxis nicht ganz einfach. Denn verboten sind reine Durchgangsfahrten. Erlaubt ist es hingegen, wenn man ein Ziel in einem Ort aufsuchen will, etwa ein Hotel oder Restaurant ansteuert oder Freunde besucht. Ob die Verkehrsteilnehmer mit entsprechender Ansage das dann auch wirklich tun oder es nur eine Ausrede ist, dürfte sich in der Praxis nur schwer verifizieren lassen.

Noch nicht durchsetzbar

Diskutiert wird nun auch eine Maßnahme, die in Tirol bereits umgesetzt wurde. Diese wünscht sich auch der Rosenheimer Landrat. Aber sie ist in Bayern noch nicht durchsetzbar. In Tirol hat man eine gesetzliche Grundlage dafür geschaffen, dass Betreiber von Navigationssystemen diese zeitlich beschränkten Fahrverbote in ihre Systeme integrieren, sodass sie bei der Routenplanung entsprechend berücksichtigt werden. Allerdings werden solche Regulierungen bei den Navis teils nur verzögert umgesetzt. Und davon betroffen wären dann vorwiegend die ortsunkundigen Ausweichler.

Einen anderen Weg will man in der Stadt Zusmarshausen an der A 8 im Landkreis Augsburg gehen. „Unser Ziel ist es, die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger in Streitheim und Auerbach spürbar zu reduzieren“, verspricht der ehemalige Bürgermeister Bernhard Uhl. Und das soll eine manuelle Schrankenanlage richten, mit der ein Ausweichverkehr von der Autobahn unterbunden werden soll. Und zwar so schnell wie möglich noch vor Pfingsten.
(Georg Weindl)

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