Wer mit Thomas Burger spricht, merkt schnell: Der 55-jährige Sozialdemokrat brennt für das Ehrenamt und seine Heimat. Er engagierte sich lange in der kirchlichen Jugendarbeit und war über zwei Jahrzehnte Vorsitzender bei der Freiwilligen Feuerwehr. Zudem ist der promovierte Physiker Präsident der SG Post Süd, einem der größten Breitensportvereine Regensburgs. „Regensburg ist eine tolle Stadt, ja sogar eine geile“, sagt er. Wenn Delegationen aus dem Ausland in die Domstadt kämen, seien sie stets angetan.
Burger: Regensburg "nicht schlecht reden"
Es sei schade, dass die Stadt oft schlechtgeredet werde. Doch auch der Vater von drei Kindern sieht Verbesserungsbedarf in manchen Punkten – weshalb er gerne nach der Wahl als Oberbürgermeister im Rathaus Platz nehmen würde. „Die Vereine stoßen teils an ihre Grenzen“, sagt Burger. Da könne nochmanches verbessert werden.
Und auch im Bereich Mobilität gebe es einiges zu tun. Seine SPD setzt sich für einen Ausbau des ÖPNV ein. Da es mitunter in der Regensburger Innenstadt im Sommer extrem heiß werden kann, fordert er mehr Grünflächen. Burger versucht auch mit Wirtschaftskompetenz zu punkten, will die Stadt an der Donau für weitere Wirtschaftsbranchen attraktiver machen. „Als Manager in der Industrie muss man mit klaren Überzeugungen und klarer Haltung führen. Gleichzeitig höre ich gerne aufmerksam zu und bin bei neuen Erkenntnissen offen, meine Position zu überdenken und bei Veränderungen rasch zu reagieren.“
Doch die Mission Rathaus wird für Burger eine harte Nuss. Denn wohl in keiner bayerischen Großstadt ist das Rennen um die Rathausspitze so offen wie in Regensburg. Die derzeitige Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) tritt nicht mehr an. Neben Burger machen sich auch andere Kandidatinnen und Kandidaten Hoffnungen, die 65-Jährige im Amt zu beerben.
Stärkste Fraktion im Stadtrat ist derzeit aber die CSU. Bei der Kommunalwahl 2020 errang sie 13 von 50 Sitzen im Lokalparlament. Für die Christsozialen wirft die Zweite Bürgermeisterin Astrid Freudenstein ihren Hut in den Ring. Vor sechs Jahren fehlten ihr lediglich 946 Stimmen, um Oberbürgermeisterin zu werden. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete hat nicht wenigen Beobachtern zufolge die klare Favoritenrolle inne.
Freundenstein: "Willkommenskultur für die Wirtschaft"
Freudenstein sagt: „Mir liegt vor allem die Schaffung einer Willkommenskultur für die Wirtschaft am Herzen.“ Zudem stehe sie für „Sicherheit und Sauberkeit.“ Die 52-Jährige will den stockenden Wohnungsbau in Schwung bringen. Um Investitionen zu erleichtern, dürfe die Stadt bei Bauprojekten bei den Auflagen nicht über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.
Vor ihrer Zeit in der Politik arbeitete Astrid Freudenstein als Journalistin sowie an einer Hochschule. Auch sie war lange ehrenamtlich aktiv – gab etwa Kindern Tanzstunden. Freudenstein gilt als eloquent und kann mit ihrer Verwaltungserfahrung punkten. Als Bürgermeisterin war sie viel in den Medien präsent.
Helene Sigloch: Charismatische Geheimfavoritin
Seit Ende des Zweiten Weltkriegs regierten die Domstadt fast durchgehend SPD- und CSU-Politiker. Die Kandidatin der Grünen, Helene Sigloch, würde dies gerne ändern. 2020 fuhr die Ökopartei sogar deutlich mehr Sitze ein als die SPD. Sigloch sehen manche als heimliche Favoritin – sie gilt als charismatisch und setzt auf ein Macherinnen-Image.
Ein zentrales Thema aus Sicht der promovierten Mathematikerin ist die Verkehrswende. Sigloch fordert mehr Radwege und bessere Busse – aus ihrer Sicht wäre eine Straßenbahn in der Domstadt die beste Lösung. Die 42-Jährige versichert aber, sie werde sich aber an das Ergebnis des Bürgerentscheids. will sich für sichere Schulwege einsetzen. Zudem müsse mehr Geld in Schulsanierungen fließen: „Ich bin selbst Mutter.“
Sigloch arbeitet als IT-Sicherheitsexpertin für ein Unternehmen in Regensburg, seit 2022 ist sie auch Betriebsrätin. „Wirtschaftspolitik ist mir sehr wichtig. Wir brauchen Arbeitsplätze und mehr Gewerbesteuereinnahmen“, sagt sie. Für die Ansiedlung neuer Unternehmen müssten aber keine weiteren Flächen versiegelt werden. „Wir sollten frei gewordene Flächen nutzen. Und Gewerbegebäude müssen nicht einstöckig sein.“
Geht es nach Sigloch, sollte die Stadt auch auf den Bau von Genossenschaftswohnungen setzen. Bei Großbauprojekten müsse das Rathaus darauf achten, dass genug bezahlbare Wohnungen geschaffen werden. Wie in Göttingen könne zudem eine Wohnraumagentur jene unterstützen, die ihre Immobilie so umbauen wollen, dass zusätzlicher Wohnraum entsteht. Die Grüne will sich für mehr Grünflächen und Wasser in der Innenstadt einsetzen. Es brauche genug Kühlung und Schatten. „Sonst gehen die Innenstadtläden irgendwann verloren.“
Zersplitterter Stadtrat
Insgesamt treten elf Kandidatinnen und Kandidaten in der Domstadt an, um den OB-Sessel zu erobern. Der frühere Rathauschef Joachim Wolbergs darf nicht antreten. Er wurde wegen Vorteilsannahme und Bestechlichkeit verurteilt. Die von dem ehemaligen Sozialdemokraten gegründete Wählervereinigung „Brücke“ hat den Augenoptiker Thomas Thurow als OB-Kandidaten aufgestellt. Er gilt als umgänglich und ortsverbunden. Ihm werden aber lediglich Außenseiterchancen eingeräumt.
Der Stadtrat in der Donaustadt ist stark zersplittert, was das Regieren für Maltz-Schwarzfischer schwierig macht. Die Haushaltslage in der Domstadt ist weniger dramatisch als anderswo, doch auch hier konnten zuletzt Stellen im öffentlichen Dienst nicht nachbesetzt werden. Klar ist deshalb: Egal, wer das Rennen am Ende macht, muss das Amt mit einer enormen Hypothek antreten. (Tobias Lill)
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