Kommunales

Aufgrund der Inflation sind auch Menstruationsartikel zuletzt deutlich teurer geworden – ein Problem für viele Frauen. (Foto: dpa/Federico Gambarini)

16.01.2023

Tampon to go

Immer mehr Kommunen in Bayern bieten kostenlose Mitnahme-Hygieneartikel für Frauen an

Frauen in Würzburg haben seit Kurzem ein Problem weniger: Sollten sie plötzlich ihre Tage bekommen – aber kein Tampon und keine Binde greifbar sein – erhalten sie an verschiedenen Orten in der Stadt kostenlos die nötigen Menstruationsartikel. Andere Kommunen ziehen nach. Verfügbar sind diese seit Dezember 2022 in zwölf Jugendzentren und vier öffentlichen Toiletten. Ein Jahr lang soll getestet werden, wie gut das Angebot angenommen wird. Die unterfränkische Metropole ist dabei kein Einzelfall: Bayernweit bieten immer mehr Kommunen Damenhygieneartikel umsonst an. „Gerade bei jungen Menschen ist das Thema schambehaftet“, weiß Lisa Schmachtenberger vom Würzburger Stadtjugendring (SJR).

Zwischen Klimaschutz, Migration und Stadterneuerung gibt es 1000 Themenfelder, um die sich eine Kommune kümmern muss. Dass nun plötzlich die Thematik „kostenlose Menstruationsartikel“ aufploppt, wird in einigen Städten als ziemlich lästig empfunden. „Aufgrund der ständig angespannten finanziellen Situation sehe ich keine Veranlassung, dass sich unsere Kommune dieses Themas annimmt“, sagt Angelika Kammerl (CSU), Zweite Bürgermeisterin von Starnberg. In Waldkraiburg im Landkreis Mühldorf am Inn waren kostenlose Menstruationsartikel laut Sprecherin Stephanie Till bisher ebenfalls „noch kein Thema“.

Auch wenn die Thematik womöglich nicht die Relevanz hat, die der Digitalisierung oder der Sicherstellung der Trinkwasserqualität zukommt, ist sie von nicht zu unterschätzender Bedeutung, betonen andere kommunale Vertretende. „Ich kann mich selbst gut an Momente aus meiner Schulzeit erinnern, in denen ich von Freundinnen nach Menstruationsartikeln gefragt wurde oder selbst fragen musste“, sagt Lena Badstieber, Jugendsprecherin von Stadtsteinach (Landkreis Kulmbach). Dies könne leicht passieren – beispielsweise, wenn man eine andere als die gewöhnliche Tasche bei sich hat. Übrigens sei es in Stadtsteinach gar nicht so leicht, zu Tampons zu kommen: „Die beiden Lebensmittelgeschäfte sind vom Ortskern aus nur mit einem langen Fußmarsch zu erreichen.“ Die nächste öffentliche Toilette liege in entgegengesetzter Richtung – sollte es nicht möglich sein, die Toilette im Supermarkt zu nutzen.

 

Gemeinsamer Antrag aller Stadträtinnen



Das Thema gewinnt an Bedeutung, seit immer mehr Menschen aufgrund der Inflation zu verarmen drohen. „Die regelmäßige Anschaffung von Periodenprodukten kann für Mädchen und Frauen mit geringem Einkommen problematisch sein“, sagt Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen. Dies werde auch als „Periodenarmut“ bezeichnet. In der mittelfränkischen Kommune gibt es seit Mitte September drei Standorte, an denen Frauen Binden und Tampons aus Biobaumwolle gratis erhalten: die Staatliche Berufsschule, die Ernst-Penzoldt-Mittelschule und die Stadtbibliothek.

Die Finanznot wiederum ist eine Crux für jede Kommune, die darüber nachdenkt, neue Projekte auf den Weg zu bringen. In Erlangen kalkuliert man mit Kosten in Höhe von rund 20 000 Euro für die Testphase, die am 31. Dezember 2022 endete. Bis März dieses Jahres werden nun die Erfahrungen ausgewertet. „Von allen drei Pilotstandorten haben wir bisher die Rückmeldung erhalten, dass das Angebot sehr gut angenommen wird, es wurden bereits Artikel nachbestellt“, erklärt Pressesprecher Zwanzig. Außerdem erhalte die Stadt immer wieder entsprechende Anfragen von Schulen: „Meist geht die Initiative von den Schülerinnen selbst aus – was zeigt, dass das Thema gerade in der jüngeren Generation sehr aktuell ist.“

Bayernweit wächst der Wunsch, dass Menstruationsartikel in Zukunft genauso selbstverständlich in Toiletten zur Verfügung stehen sollen wie Mittel zur Desinfektion oder wie Toilettenpapier. Auch im schwäbischen Kempten startete ein entsprechendes Pilotprojekt. „Basis für die Entscheidung war ein Antrag aller Stadträtinnen vom Februar 2022“, erläutert Pressesprecher Andreas Hummel. Die Stadt möchte durch das vor drei Monaten gestartete Projekt zunächst Erfahrungen im Umgang mit der Thematik sammeln: „Langfristig wollen wir einen Beitrag zur Reduzierung einer finanziellen Mehrbelastung durch die Menstruation leisten.“ Aktuell seien 15 städtische Einrichtungen beteiligt. „Wir sehen das Angebot im Gesamtkontext der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Mädchen am allgemeinen Leben“, so Hummel. Die Akzeptanz der potenziellen Kundschaft sei bisher unterschiedlich, berichtet der Pressesprecher: „Die Befüllungen halten an einigen Standorten teilweise nur täglich, an manchen Standorten allerdings aber auch bis zu zwei Monate.“ (Pat Christ)

 

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