Kommunales

München. (Foto: dpa)

27.08.2019

Von wegen reiches München

Einer Studie zufolge leben weit mehr bayerische Großstädter in Armut, als bislang bekannt. So haben Nürnberger real weniger in der Tasche als Gelsenkircher.

Immer wieder ist in sozialpolitischen Diskussionen zu hören, München sei eine reiche Metropole und auch anderen Städten im Freistaat gehe es gut. In einer in dieser Woche vorgestellten Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gerät diese These jedoch ins Wanken. Denn anders als andere Forscher hat das arbeitgebernahe Institut auch die Ausgaben der Haushalte in den Blick genommen. Das IW analysiert die Kaufkraft der Bürger, was durchaus sinnvoll ist – denn ein gut klingendes Gehalt von 4000 Euro brutto ist in einer Stadt wie München, wo eine Miete für eine vierköpfige Familie mitunter schon über 1500 Euro liegt, schlicht weniger wert.

Der Mythos vom armen Osten und reichen Westen

Rechnet man mit dem, was sich die Menschen tatsächlich leisten können, sieht es für München nicht gut aus. Denn an der Isar liegt das Preisniveau laut IW 23 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Legt man den bundesweiten Maßstab an, sind Münchner mit einem Einkommen von weniger als 969 Euro pro Monat arm. Das trifft lediglich auf jeden zehnten Bewohner zu. Unter Einbeziehung der höheren Lebenshaltungskosten sind die Bewohner an der Isar jedoch bis zu einem Einkommen von 1201 Euro arm. Mit dieser Berechnungsgrundlage steigt die Zahl der Armen auf 18,3 Prozent an. Demnach lebt fast jeder Sechste unter der Armutsschwelle. Münchens Bevölkerung ist so plötzlich klammer als die vieler anderer deutscher Städte und des Großteils der Landkreise.

Klar wird zudem: Gemessen an der Kaufkraft verläuft die Armutsgrenze nicht zwischen Ost- und Westdeutschland, sondern zwischen Stadt und Land. Dazu passt auch, dass Nürnberg den traurigen Platz 3 im IW-Armutsranking belegt. In der Frankenmetropole ist demnach einer von vier Bewohnern (25,6 Prozent) arm. Und an der Spitze der Rangliste liegt keine Stadt im Osten, sondern Bremerhaven. Die Debatte über ungleiche Lebensverhältnisse in Ost und West könnte durch die Studie jedenfalls an Schub gewinnen. (till)

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