Kommunales

Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam mit OB-Kandidat Marcus König in einem Nürnberger Kino.(Foto: CSU)

27.02.2026

Parteigranden im Kommunalwahlkampf: Was bringt der Promi-Faktor?

Im Kommunalwahlkampf setzen sowohl CSU, Grüne und SPD auf Unterstützung bekannter Parteigrößen – nicht immer mit durchschlagendem Erfolg

Diverse OB-Kandidaten haben sich Unterstützung von Parteigranden geholt – etwa von Grünen-Ikone Robert Habeck oder CSU-Chef Markus Söder. Doch wie sehr Kommunalpolitiker von Promis profitieren, ist umstritten. Schließlich kann ein charismatischer Star den Lokalpolitiker auch überstrahlen.

Freitagabend, am Rande der Sicherheitskonferenz: Mit diesem Besucheransturm hatte man in der Muffathalle nicht gerechnet. Schließlich steht kein Konzert an, sondern lediglich ein Politiker-Talk. Doch es ist nicht nur Grünen-OB-Kandidat Dominik Krause, der den Wählern nahebringen will, wofür seine Partei im Münchner Kommunalwahlkampf steht – mit Ex-Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sich einer der beliebtesten und meist gehassten deutschen Politiker angekündigt. Noch bevor das Gespräch der beiden Politiker vor rund 1000 Besuchern startet, werden gut 700 Wartende vor dem Veranstaltungsort nach Hause geschickt. Drinnen ist schlicht kein Platz mehr für Zuhörer – da hilft auch das Motto der Veranstaltung „Weil mehr geht“ nichts.

Als Robert Habeck die Halle betritt, ist klar, wer an diesem Abend der wahre Star auf dem Podium ist. Denn mehr als Krause wird Habeck mit tosendem Applaus begrüßt. Dass Habeck extra aus Kopenhagen angereist ist, wo er als geopolitischer Experte und Politikanalyst an einem Institut arbeitet, um den jungen OB-Kandidat zu unterstützen, wird goutiert. Viele wollen den einstigen Shootingstar der Grünen sehen. Und so ist es wenig überraschend, dass der 56-jährige Habeck das in Du-Form gehaltene Gespräch mit dem 21 Jahre jüngeren OB-Kandidaten dominiert. 

Randvolle Münchner Motorworld

Die Klimapolitik sei der Anlass ihres letzten Treffens im September 2024 gewesen, sagt Habeck zu Beginn – wobei das so nicht ganz stimmt. Denn im Januar 2025 standen beide gemeinsam in der ebenfalls randvollen Münchner Motorworld auf der Bühne und machten eifrig Bundestagswahlkampf. Aber zurück zu jenem September 2024: Habeck, damals Bundeswirtschaftsminister, kam zum Spatenstich der größten Geothermieanlage in Kontinentaleuropa nach Neuperlach. Das Stichwort nutzt Krause: „Um Klimaneutralität zu erreichen, muss der Energieverbrauch der Stadt reduziert werden.“ Wo, wenn nicht hier, könnten Wärmequellen tief im Boden genutzt werden, „mit gigantischen Leitungen“ vom Münchner Umland in die Stadt gebracht werden, der Wärmeplan, dazu Photovoltaik, umgesetzt werden.

Habeck ergänzt mit einem Zitat von Fußballlegende Oliver Kahn: „Manchmal muss man auf das Glück einschlagen, bis es kommt“. Er kritisiert die deutsche Mentalität: Man begegne allem Neuen mit Skepsis und Angst. Die Dänen, wo er jetzt lebe, hingegen freuten sich, zu sagen: „Wir machen das gemeinsam.“ Diese Einstellung wünsche er sich auch hierzulande und kommentiert mit einem Augenzwinkern: „Wo wir doch unsere Daten Elon Musk anvertrauen, aber Angst vor den Stadtwerken haben, die vom abendlichen Stromverbrauch auf private TV-Nutzung schließen könnten.“ Das Publikum stimmt dem ehemaligen Vizekanzler zu.

Dann geht es um das Thema Mobilität. Eine „Kulturkampffrage“ sagt Krause. Aus seiner Sicht täte der Ausbau des Radwegenetzes ebenso wie der Erweiterung der öffentlichen Verkehrsmittel München richtig gut. „Wohne ich lieber neben einem Radweg oder an einer Hauptstraße?“ fragt er und Habeck kommt zum Thema „Bauen“. Krause würde gerne  50.000 bezahlbare Neubauwohnungen auf dem enthemmten Wohnungsmarkt für die Münchner bauen. Habeck kontert: „Wie machst Du das? Airbnb in München regulieren?“ Und hat damit, wie an diesem Abend so oft, die Lacher der Zuhörer auf seiner Seite. Einerseits profitiert Krause an diesem Abend von der Popularität Habecks – andererseits stiehlt der ihm ein ums andere Mal die Show.

Prominente Rückendeckung

Nicht nur Krause bekam in diesem Wahlkampf kräftig Schützenhilfe von den eigenen Parteigranden. So unterstützte Ministerpräsident Markus Söder in seiner Heimatstadt intensiv CSU-Oberbürgermeister Marcus König – und das nicht nur auf Wahlplakaten. Auch bei einem gemeinsamen Gesprächsabend im größten Kino der Stadt hat König kürzlich von Söder prominente Rückendeckung im Wahlkampf bekommen.

Normalerweise flimmern im Cinecittà Filmhelden über die Leinwand. Doch im in der Frankenstadt besonders intensivem Wahlkampf ist CSU-Chef Söder kürzlich in die Rolle des Filmstars geschlüpft, um in seiner Heimatstadt seinen Parteifreund im Kommunalwahlkampf zu unterstützen. Vor sechs Jahren hatte Marcus König in der heimlichen Hauptstadt der Franken das Rathaus als zweiter CSU-Politiker überhaupt erobert. Nun will König sein Kunststück im März wiederholen.

Da kann prominente Hilfe aus der Heimatstadt nicht schaden. Und so stimmt Söder an jenem Abend Beobachtern zufolge als eingefleischter Nürnberger eine Lobeshymne nach der anderen auf König an. Der 1980 in Nürnberg geborene Bankkaufmann verstehe laut dem 13 Jahre älteren Parteichef nicht nur etwas von Wirtschaft.

Söder ist der Ober, OB König der Unter

König, der seine Schullaufbahn in der Hauptschule begonnen hatte, zeichne sich auch durch Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit aus. Genauso fleißig habe König als Oberbürgermeister stetig an sich weiter gearbeitet, ohne dabei die gute Laune zu verlieren. „Das beeindruckt mich immer wieder. Und deswegen glaube ich, wer so etwas kann, der hat echt was drauf. Und deswegen bin ich für unseren Marcus König“, sagte Söder unter dem Applaus der Zuschauer. Natürlich gebe es mit dem Rathauschef, der seinen eigenen Kopf habe, auch Meinungsunterschiedene – die würden beide aber stets in persönlichen Gesprächen klären.

Auch die SPD kann dringend Hilfe von der Parteiprominenz gebrauchen – denn viel steht für die älteste noch bestehende Partei Deutschlands bei den Kommunalwahlen diesmal auf dem Spiel. Nach der Wahl 2020 stellte die SPD zwölf Rathauschefs in den 25 kreisfreien Städten – mehr als die CSU. Weitere 128 Genossen waren zu jenem Zeitpunkt Oberbürgermeister oder hauptamtliche Bürgermeister. „Die Rathäuser sind das letzte Machtzentrum der SPD im Freistaat“, konstatierte die SZ gerade erst zutreffend. Doch der negative Bundestrend könnte diverse rote Bastionen im Freistaat hinwegfegen. Was liegt da also näher, als sich Verstärkung von beliebten Politikern zu holen? Zwar konnte die Regensburger SPD vergangene Woche nicht den äußerst beliebten Verteidigungsminister Boris Pistorius in die Oberpfalz locken – doch Parteichef Lars Klingbeil kam gerne in die Domstadt.

Klingbeil gehört zu den beliebteren Mitgliedern des Kabinetts. Doch er kam wohl auch deshalb so gut an im Regensburger Spitalgarten, weil ein großer Teil der laut Schätzungen rund 100 Gäste Medienberichten zufolge Parteifunktionäre waren. Immerhin verhalf der Vizekanzler der örtlichen SPD am folgenden Tag zu einer breiten Berichterstattung der Lokalmedien.

Charismatischer Star

Wie stark Kommunalpolitiker von überregionaler Prominenz profitieren, kommt auf den Einzelfall an. Schließlich kann ein charismatischer Star den Lokalpolitiker mitunter auch überstrahlen. Andererseits ist dem Kandidaten mit einem Promi an der Seite die mediale Aufmerksamkeit gewiss.

Im Nürnberger Kino war die Rollenverteilung klar – der Ober hieß Söder, der Unter König. Söders Führungsrolle schien zu keinem Zeitpunkt gefährdet zu sein. Laut dem Urteil der Nürnberger Nachrichten sei König über die Rolle des Stichwortgebers im Rahmen der Kino-Talkshow nicht hinausgekommen. „Da saßen sich zwei ,waschechte Nürnberger‘ gegenüber, die beide über hinreichend Talent zum Unterhalten verfügen – wobei Söder der uneingeschränkte Hauptdarsteller auf der Bühne war“, urteilte das Blatt. In einem Interview mit der gleichen Zeitung hatte Söder im letzten Sommer schon die Aufgabenverteilung indirekt klargestellt. „Viele Projekte, die Nürnberg in den letzten 20 Jahren geprägt haben, wurden von mir vorangebracht – beispielsweise das Zukunftsmuseum, der Wöhrder See oder die Renovierung der Kaiserburg. Und jetzt läuft der Aufbau der neuen KI-Universität auf Hochtouren“, stellte Söder in eigener Sache klar.

Unter der politischen Hackordnung – hier der Ministerpräsident aus Nürnberg, dort der OB in Nürnberg – scheint König jedoch keinen Nachteil zu sehen, sondern ganz im Gegenteil die direkte Nähe zum mächtigsten Politiker im Freistaat bewusst im Wahlkampf als Trumpfkarte spielen zu wollen. Schließlich zeigt sich König derzeit nicht nur im Kinosaal gut gelaunt an Söders Seite. Auch von einigen Wahlplakaten strahlen die beiden Männer mit den gleichen Vornamen unisono um die Wette. „Bayern und Nürnberg, Markus und Marcus – das ist gut und wir machen weiter“, sagte König nach dem gemeinsamen Auftritt mit Söder.
(Nip, Till, Mjh)
 

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