Kommunales

Immer mehr Städte auch in Bayern setzen auf die Aktion "Nette Toilette". (Foto: dpa/Warmuth)

02.06.2023

Win-win beim dringenden Bedürfnis

Weil öffentliche Toiletten knapp und teuer im Unterhalt sind, bezuschussen viele Städte dafür lieber Handel und Gastronomie

Was ist die häufigste in Deutschland begangene Ordnungswidrigkeit? Nein, weder Falschparken noch Schwarzfahren. Die meisten Menschen – wobei man meist von Männern sprechen muss, die tun sich damit leichter – versündigen sich gegen Paragraf 118 Ordnungswidrigkeitengesetz: in Bayern umgangssprachlich als wildbieseln bekannt. Die Stadt München registrierte hierbei im vergangenen Jahr knapp 600 Menschen. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Den bundesweiten Rekord hält übrigens Köln mit 2400 Fällen.

Wer erwischt wird, zahlt meist ein Bußgeld, in München beispielsweise 100 Euro, in Düsseldorf sogar 150 Euro. Unter den kreisfreien Städten der Bundesrepublik am günstigsten ist das vorpommersche Neubrandenburg mit 35 Euro. Mitunter kann das Wasserlassen auch als Straftat verfolgt werden – etwa wenn Kinder den Anblick erleben mussten. Tendenziell steigt die Zahl der Fälle, so Michael Ambros, Herausgeber des OnlineDienstes bussgeldkatalog.org. Und immer häufiger würden sich auch die Frauen nicht genieren.

Wobei die Kommunen nicht viel tun, um dem Wildbieseln entgegenzuwirken. In München etwa gibt es nur 150 öffentliche Toiletten – bei immerhin knapp 1,6 Millionen Einwohner*innen und rund 16 Millionen Übernachtungsgästen im vergangenen Jahr.

Ein Problem sind die Finanzen. Auch kostenpflichtige Toiletten tragen sich in der Regel nicht selbst. Viele Kommunen sind gezwungen, auf ein Mischsystem aus bargeldloser Bezahlung und kostenfreien Toiletten umzusteigen. Grund: Die Toiletten waren zuvor Ziel von Einbrüchen geworden. Ein weiteres Problem sind fehlende Wasseranschlüsse. Getestet werden in einigen Städten nun sogenannte Trockentoiletten, die weder Strom noch Wasser benötigen.

Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, die immer mehr Städte auch in Bayern praktizieren – zuletzt beispielsweise Landshut. Es nennt sich „nette Toilette“: Einzelhandel und Gastronomiebetriebe stellen dabei Menschen mit dringendem Bedürfnis während der Öffnungszeiten kostenfrei Klos zur Verfügung. In Landshut beteiligen sich nach Angaben von Oberbürgermeister Alexander Putz (CSU) 17 Firmen, die dafür von der Stadt einen jährlichen Zuschuss von insgesamt 17 000 Euro zur Reinigung und zum technischen Unterhalt bekommen. Teilweise sind die WC-Anlagen auch barrierefrei und mit Wickeltisch ausgestattet.

Am Ladeneingang informiert ein Schild über das Angebot, auf der Website der Kommune gibt es eine Liste. Im Freistaat setzen auch Regensburg, Straubing und Ingolstadt auf die nette Toilette; bundesweit machen 200 Städte mit fast 4000 Toiletten mit. Und vielleicht entschließt sich der Eine oder die Andere nach der Erleichterung ja auch, etwas zu kaufen. So wäre allen geholfen. (André Paul)
 

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