Kommunales

Schwere Zerstörungen erlitt die fränkische Bischofsstadt Würzburg bei einem Bombenangriff am 16. März 1945 und noch im Jahre 1951, als dieses Foto aufgenommen wurde, sieht man im Hintergrund die Ruine des Doms und im Vordergrund vor Schuttbergen den provisorischen Laden der Parfümerie Dietz in der Domstraße. (Foto: dpa)

14.03.2018

Würzburg erinnert mit 20-minütigem Glockenläuten an Zerstörung

Sieben Minuten Bombenhagel, etwa 4000 Tote und eine fast vollends zerstörte Stadt - der Angriff auf Würzburg am 16. März 1945 hatte verheerende Folgen

Zu den Städten, die noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges durch Bombenangriffe fast komplett in Schutt und Asche gelegt wurden, gehört auch Würzburg. Nicht einmal 20 Minuten dauerte der Angriff der britischen Luftstreitkräfte am 16. März 1945 vom Setzen der ersten Leuchtbombe bis zum Abwerfen der letzten Brandbombe. Fast 90 Prozent der Innenstadt wurden zerstört, etwa 4000 Menschen starben im siebenminütigen Bombenhagel und im anschließenden Feuersturm.

Die Stadt erinnert an diesen Angriff seit vielen Jahrzehnten auf eine besondere Art: Sie lässt am Jahrestag die Glocken aller Würzburger Kirchen solange läuten wie der Angriff dauerte. In dieser Zeit wird zudem rund um den Würzburger Dom gemeinsam geschwiegen. "Ich wüsste nicht, dass eine andere bayerische Stadt das in dieser Form auch macht. Das scheint ein Würzburger Spezifikum zu sein", sagte Matthias Stickler, Historiker der Uni Würzburg, der Deutschen Presse-Agentur. Der Experte für Erinnerungskultur ordnet diese Form des Gedenkens als nach wie vor zeitgemäß ein. "Ich wüsste nicht, wie man es anders machen soll. Da hat sich eine Tradition entwickelt, die unumstritten ist."

Sinnlosigkeit von Krieg


Unumstritten sei diese Form der Erinnerungskultur auch deshalb, weil sie sich nur am Rande mit der Frage von Schuld und Verantwortung für die Zerstörung der Stadt auseinandersetzt. "Die Sicht von Opfern ist in der Regel anders als die eines nachgeborenen Historikers. Es ist häufig schwierig, die Zerstörung in einen Kausalzusammenhang mit der Kriegspolitik des Dritten Reiches zu stellen", sagte Stickler weiter. Viele Opfer und zum Teil auch deren Nachkommen empfänden das als unsensiblen Schuldvorwurf an sich selbst. Deshalb hätten viele im Krieg zerstörte deutsche Städte ihre Erinnerungskultur frühzeitig auf die Sinnlosigkeit von Krieg an sich und als Mahnung, sich für den Frieden einzusetzen, konzentriert. Auch Würzburg.

Die Stadt legt dennoch Wert darauf, die Bombardierung kritisch in die Zeitgeschichte einzuordnen. "Die Verantwortung Deutschlands für die menschenverachtenden Verbrechen des Nationalsozialismus darf nicht vergessen werden, denn diese waren die Ursache für Krieg, Zerstörung und Leid", heißt es laut Pressemitteilung.

Zusätzlich zum Mahnläuten gibt es in der Stadt zahlreiche Veranstaltungen rund um den Jahrestag der Zerstörung. Würzburg und Nürnberg sind die Städte in Bayern, die während des Zweiten Weltkrieges am meisten betroffen waren. "Es gab fast überall in den größeren bayerischen Städten Zerstörungen durch den Luftkrieg. Aber Würzburg ragt aufgrund der Totalität der Zerstörung heraus", so Stickler. 1945 wurde die Stadt deshalb auch "Grab am Main" genannt.
(Christiane Gläser, dpa)

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