Kommunales

Wie im Berchtesgadener Land kommen jetzt auch im Landkreis Rottal-Inn Einschränkungen wie bei einem Lockdown. (Foto: dpa/Armin Weigel)

26.10.2020

Zweiter Landkreis in Bayern macht dicht

Zahlen steigen bayernweit

Angesichts massiv gestiegener Corona-Zahlen hat der Landkreis Rottal-Inn und damit schon die zweite Region in Bayern strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt. Und auch in Augsburg droht ein solcher Schritt - dann würde es die erste Großstadt treffen. Insgesamt zeigt die bayerische Corona-Ampel inzwischen für 28 von 96 Kreisen und kreisfreien Städten Dunkelrot, weil es dort zuletzt mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gab.

Im niederbayerischen Kreis Rottal-Inn dürfen die Menschen die Wohnung von Dienstag an und zunächst bis 5. November nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen werden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt. Die Gastronomie darf nur noch Speisen zum Mitnehmen anbieten. Nach dem Kreis Berchtesgadener Land ist dies binnen einer Woche schon der zweite Landkreis in Bayern, in dem das öffentliche Leben wieder drastisch eingeschränkt wird. In anderen Bundesländern gibt es bisher keine vergleichbaren Maßnahmen.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hatte im Landkreis Rottal-Inn zuletzt die Marke 200 deutlich überschritten. Am Montag lag der Wert laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bei 279 - der bayernweite Spitzenwert.

Infektketten durchbrechen

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nannte die Maßnahmen notwendig, um Infektketten durchbrechen zu können. "Ich bin mir bewusst, dass es für die Bevölkerung immer Einschnitte sind", sagte sie in Pfarrkirchen. Aber es sei nun notwendig zu handeln. "Das Virus kann nur gemeinsam in die Schranken gewiesen werden", sagte sie.

"Es ist in ganz Bayern sichtbar, dass die Zahlen nochmal steigen", sagte Huml. Deshalb sei es notwendig, "punktuell noch einmal verschärfter zu reagieren". Einen neuen landesweiten Lockdown will die Staatsregierung unbedingt vermeiden. "Wir haben klare Ziele: Wir wollen der Wirtschaft keinen Schaden zufügen, wir wollen Schule und Kitas so lange wie möglich offen halten", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf den Münchner Medientagen. Mit Blick auf die Ministerpräsidentenkonferenz in dieser Woche betonte Söder allerdings, der Kampf gegen Corona sei in einer entscheidenden Woche.

Der Landrat des Landkreises Rottal-Inn, Michael Fahmüller, sieht in der Nähe zu Österreich einen der Gründe für die enorm gestiegenen Corona-Zahlen. "Das muss man offen sagen", sagte er - auch wenn man diesen Zusammenhang jedoch nicht beweisen könne. In dem Nachbarland seien die Maßnahmen lange Zeit nicht so streng gewesen wie im Freistaat. Die ersten Hotspots im Landkreis gab es laut Fahmüller in Simbach am Inn in einer Asylbewerberunterkunft und einem Altenheim. Inzwischen seien die Infektionen aber auf den ganzen Kreis verteilt.

Augsburg überschreitet 200er-Marke

Auch Bayerns drittgrößte Stadt Augsburg überschritt inzwischen die 200er-Marke. Wie die Stadt am Montag berichtete, gab es in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner 205,4 Neuinfektionen. Bis Mitte der Woche will die Stadtverwaltung beobachten, ob die bereits ergriffenen Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen. "Dann wird - in Abstimmung mit der Regierung von Schwaben und der Staatsregierung - entschieden, wie es weitergeht", teilte die Stadt mit. Auch ein zweiter Lockdown ist nach den Angaben der Kommune möglich.

Als bundesweit erster Landkreis hatte der Kreis Berchtesgadener Land an der Grenze zu Österreich vergangene Woche Ausgangsbeschränkungen verhängt - dort hatte es zeitweise Werte von fast 300 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von einer Woche gegeben. Die Maßnahmen dort wurden zunächst bis zum 2. November befristet.

Im gesamten Freistaat steigen die Corona-Zahlen - wie auch in weiten Teilen des Bundesgebiets - derzeit massiv an. Einen besonders hohen Wert von über 200 gab es zuletzt auch in Weiden in der Oberpfalz.

Nur 4 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern lagen am Montag laut LGL noch unter der Marke von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - alle anderen lagen darüber. Damit gelten quasi im gesamten Freistaat inzwischen eine verschärfte Maskenpflicht und - je nach Warnstufe Gelb, Rot oder Dunkelrot - immer weiter vorgezogene Sperrstunden. Zudem dürfen sich dann nur noch zwei Hausstände oder maximal zehn Personen treffen (bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 bis 50) beziehungsweise zwei Hausstände oder fünf Personen (bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50).
(dpa)

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