Kommunales

Der Tachymeter dient zur zur raschen Auf- und Einmessung von Punkten. (Foto: Pfeiffer)

08.08.2026

Vermessungsamt Freilassing: Zwischen Hightech und Nostalgie

Dem Algorithmus entgeht kein Dach: Im Außeneinsatz mit dem Vermessungsamt Freilassing

Ein kurzer Blick durch die Linse, ein Handzeichen, dann das vertraute Piepsen des Messgeräts. Im Berchtesgadener Gewerbegebiet vermessen Mitarbeiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV) Freilassing einen Carport. Was hier entsteht, ist mehr als eine Karte: Erst durch die amtliche Vermessung wird ein Gebäude Teil des bayerischen Katasters – und damit rechtlich sichtbar.

Nur wenige Meter entfernt dient ein orangefarbener VW-Transporter als mobiles Büro. Zwischen Messgeräten, Warnwesten und Kaffeemaschine findet sich sogar ein kleiner Schreibtisch. Die eigentliche Arbeit spielt sich jedoch draußen am Klapptisch ab. Dort entstehen auf dem Laptop des Messtruppleiters digitale Karten, die für Jahrzehnte Rechtssicherheit schaffen.

Hightech trifft auf Schaufel

Das eingespielte Team besteht aus einem erfahrenen Messtruppleiter kurz vor dem Ruhestand und einem jüngeren Messgehilfen. Während der eine die digitale Vermessung steuert, bewegt der andere mit einem Prisma über das Gelände. Grundlage ihrer Arbeit sind hochauflösende Luftbilder. Ganz Bayern wird im Dreijahresrhythmus überflogen. Eine Software erkennt automatisch neue Gebäude und gleicht sie mit den Katasterdaten ab.

Der Carport, den die beiden heute einmessen, steht bereits seit mehr als fünf Jahren. Gebühren fallen deshalb nicht mehr an. Vermessen werden muss er trotzdem, denn ohne Eintrag im Kataster bleibt das Bauwerk rechtlich unsichtbar.

Grenzsteine verschwinden, Daten bleiben

Für die exakte Einmessung suchen die Vermesser zunächst einen Grenzstein. Laut digitalen Plänen müsste er unter einer neu aufgeschütteten Kiesstraße liegen. Mit Schaufel und Sucheisen graben sich die beiden fast einen halben Meter tief in den Boden – vergeblich. Der Grenzstein bleibt verschwunden.

Für den Messtruppleiter ist das kein Problem. Die Grenze sei längst digital dokumentiert. Ersetzt werde der Stein deshalb nicht.

Früher arbeiteten deutlich mehr Beschäftigte im Amt, erzählt der Vermesser. Heute erledigen moderne Technik und digitale Verfahren vieles schneller. Dennoch bleibe die Arbeit im Gelände unverzichtbar.

Auch im digitalen Zeitalter bleibt Papier

Das Tachymeter misst auf 100 Metern mit einer Abweichung von nur drei Zentimetern. Punkt für Punkt wächst so das digitale Abbild des Carports.

Parallel arbeitet im Amt eine eigens geschaffene Stelle daran, alte Karten und Unterlagen zu digitalisieren. Ganz papierlos läuft der Alltag dennoch nicht ab. Nachdem alle Daten erfasst sind, zeichnet der Messtruppleiter die Karte des Carports mit Lineal und Stift noch einmal von Hand nach. „Das wird so gefordert“, sagt er schmunzelnd.

Nach gut einer Stunde ist der Einsatz beendet. Der Carport ist nun offiziell im Kataster verzeichnet. Für das Vermessungsteam geht es direkt zum nächsten Termin. (Kilian Pfeiffer)

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