Kultur

Heute wird die Kabarettistin und einstige RTL-Dschungelteilnehmerin Lisa Fitz 70. (Foto: dpa/Armin Weigel)

15.09.2021

"Altersmilde ist ein total doofes und unerotisches Wort"

Lisa Fitz ist ein künstlerisches Multitalent - heute wird sie 70

Seit einem halben Jahrhundert steht Lisa Fitz auf der Bühne. Am 15. September wird die Kabarettistin und einstige RTL-Dschungelteilnehmerin 70. Im Interview spricht sie über ihre Karriere, über das Älterwerden, Lebenserfahrung, ihre Beziehung und verrät, welche Journalistenfrage ihr besonders auf den Keks geht.


BSZ: Frau Fitz, Sie werden am 15. September 70. Macht Ihnen die Zahl Angst?
Lisa Fitz: Haben Sie Angst vor dem Älterwerden? Das ist immer die erste Frage. Ist das nicht uncharmant? In Frankreich würde man das eine Frau nicht fragen. Nett, dass man nicht auch noch wissen will, ob ich Angst vor dem Tod habe. Die erste Frage könnte ja auch lauten: Sind Sie stolz auf das, was Sie alles erreicht haben? Ja, ich bin stolz auf meine Lebensleistung. Das sind rund 4500 Sologastspiele, 16 Kabarettprogramme, 200 Songs. Und ich freue ich mich auf alle neuen Projekte, die im neuen Lebensabschnitt auf mich warten.

BSZ: Was bedeutet das Älterwerden für Sie?
Fitz: Die Fähigkeit, Dinge gelassener zu sehen. Das hilft ungemein. Man hat ja genug Zeit, um sich mit dem Prozess des Älterwerdens auseinanderzusetzen. Und jahrelang die Chance, seine Lebensweise so anzupassen, dass man fit bleibt. Man kommt vielleicht nicht mehr ganz so schnell aus dem Auto raus - aber hey, wer will schon schnell aus meinem Auto? Man weiß so viel, hat viel Erfahrung, ist viel cooler. Ich möchte auch nicht in frühere Lebensphasen zurück. Ich möchte meine Lebenserfahrung behalten, mit der schönen Gewissheit, dass ich vieles nicht mehr lernen muss - weil ich es schon kann.

BSZ: Haben Sie an sich selbst schon erkannt, dass Sie sich verändert haben? Sind sie ein wenig altersmilde geworden?
Fitz: Altersmilde ist ein total doofes und unerotisches Wort. Politisch bin ich viel deutlicher und unnachsichtiger geworden. Privat aufgrund der langjährigen Partnerschaft toleranter. "Altersprotzigkeit" fände ich lustiger. Ich bin nicht mehr so nachsichtig mit dummen Leuten, die schwer von Begriff sind; habe aber dennoch die Fähigkeit zur Empathie entwickelt. Das heißt, ich kann viel besser nachempfinden, was im Gegenüber vor sich geht. Was nicht heißt, dass ich das dann auch akzeptiere.

BSZ: Sie haben im kreativen Bereich so ziemlich alles ausprobiert - von Kabarettistin bis Autorin. Wo ist das meiste Herzblut?
Fitz: Eindeutig beim Kabarett und den Soloabenden. Das umfasst ja auch die Bereiche singen, schauspielen und schreiben. Hier bin ich meine eigene Herrin und nicht in eine Hierarchie eingebunden, bei der mir ein Chef sagt, was ich tun muss. Maßstab ist allein das Publikum und ob es ihm gefällt.

BSZ: Sie leben seit fast 20 Jahren mit dem Künstler Peter Knirsch zusammen. Was ist das Erfolgsrezept Ihrer Beziehung?
Fitz: Naja, er schaut ja wirklich gut aus, mal nur von außen gesehen, ein Prachtkerl. Er ist sehr beziehungsfähig und sehr emanzipiert, es gibt nie Streitereien um Tätigkeiten im Haushalt. Ich glaube, er ist auch schlau was das Handling meiner Person betrifft, und als Wiener spart er nie mit Komplimenten und Charme. Wir finden uns wohl gegenseitig auch so unterhaltsam, dass es nicht langweilig wird. Er ist ein zutiefst loyaler Mensch und er steht fest an meiner Seite - hier lerne ich von ihm. Und er sagt von mir, ich sei für ihn eine nicht enden wollende Energiequelle.
(Gunther Matejka, dpa)

 

ZUR PERSON
Lisa Fitz stammt aus einer Künstlerfamilie und ist bei München aufgewachsen. Sie nahm Gitarren- und Gesangsunterricht und besuchte eine Schauspielschule. In den 70er Jahren war sie zunächst als Moderatorin und Songwriterin tätig, ehe sie seit den 80er Jahren als Kabarettistin auf der Bühne stand. Sie hat einen Sohn und wohnt mit ihrem Lebensgefährten seit fast 20 Jahren in Niederbayern.

 

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